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Energiefressern auf der Spur

Vor dem eigentlichen Energiesparen kommt das Erfassen und Auswerten der Verbrauchs- und Anlagendaten.  (Quelle: Fotolia)+
Vor dem eigentlichen Energiesparen kommt das Erfassen und Auswerten der Verbrauchs- und Anlagendaten. (Quelle: Fotolia)

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In loser Folge bieten wir einem mehrteiligen Energie-Check. Teil 1: Hilfe zur Selbsthilfe

Von Christopher Goelz

Der ständige Aufwärtstrend bei den Energiekosten lehrt nicht nur den Privatmann das Fürchten, sondern vor allem das Gewerbe mit hohem Energieeinsatz. Ölpreise kurz vor dem dreistelligen Centbereich und wieder angekündigte Strompreiserhöhungen werden zum Kostentreiber Nummer Eins. Aber die Möglichkeiten zum Energiesparen sind durch den hohen Energieeinsatz gerade im Bäckerhandwerk vielfach gegeben. Mit diesem ersten Teil erhalten Sie eine Übersicht, wo, in welchen Bereichen und weshalb Sie genau hier den Hebel ansetzen sollten. Die Details zu jedem Thema werden dann in den nachfolgenden Ausgaben ausführlich behandelt.

Schwarze Löcher?

Wohin entschwindet eigentlich die teure , wenn Sie den Zählerkasten oder den Heizöltank verlassen hat? Sicher nicht in „Schwarzen Löchern“. Vielmehr in einer Vielzahl von Anlagen und Maschinen, die, wenn Sie nicht kontrolliert und überwacht werden, zu Energiefressern mutieren können. Also ist die zentrale Frage: Wer und was „frisst“ wie viel?

Energiecontrolling

Vor dem eigentlichen sollte die Analyse stehen, damit Sie wissen, an welcher Stelle sich das Sparen überhaupt lohnen kann. Das Zauberwort heißt Energiecontrolling oder Energiemanagement. Wie das genau geht und was Sie beachten sollten, behandeln wir in einer der nächsten Ausgaben. Dazu bieten wir Ihnen als kostenloses Download ein professionelles Exceltool zur Erfassung und Auswertung Ihres Verbrauchs und Anlagendaten. Auch wenn diese Erfassung mit etwas Arbeit verbunden ist, hat das den Vorteil, dass Sie Ihre Backstube oder Ihren Verkauf von einer ganz anderen Seite kennen lernen werden. Gehen wir also gedanklich schon einen Schritt weiter – Sie haben es getan! Nachdem Sie eine Aufstellung und Bewertung Ihrer Hauptverbraucher durchgeführt haben, wird jeder von Ihnen sicher zu anderen Werten kommen. So viel kann aber schon verraten werden, die Hauptverbraucher heißen: Backöfen, dicht gefolgt von Kälte, Teigherstellung, Beleuchtung und Klimaanlage.

Licht und Schatten:

Je nachdem, ob es sich um einen Backbetrieb mit Verkauf oder nur um eine Verkaufsstelle mit oder ohne Ladenbackofen handelt, verursacht die Beleuchtung zwischen 10Prozent und bis zu 65Prozent der Stromkosten. Diese notwendigen, aber meist antiquierten Stromfresser verursachen nicht nur hohe Energiekosten, sondern jährlich auch beachtliche für Leuchtmittel (die „Birne“). Vor allem aber produzieren sie sehr viel Abwärme, was weder Backwerk noch Angestellten gefällt – vom Bäcker, der alles bezahlen soll, ganz zu schweigen. Es geht auch anders.

Tipp: Licht aus bei Tageslicht sowie Austausch alter Lampen im Bereich der Theken (auch weniger Austrocknung der Backwaren). Hier sind bis 80Prozent möglich.

Backöfen:

Die Backöfen sind neben der Kälte die Hauptverbraucher schlechthin; Aber auch ein Ort großer Einsparpotenziale und zudem eine wertvolle Energiequelle. Wir klären, was energetisch bei bestehenden Öfen verbessert und beim Neukauf beachtet werden sollte.

Tipp: Abschalten nicht benötigter Herdgruppen. Nutzen der Abwärme – rund 10Prozent des Energieverbrauchs stehen zur Verfügung.

Kältetechnik:

In der Backstube entfallen rund 35 bis 45Prozent der Stromkosten auf die Kältetechnik. Das entspricht nicht selten 50.000 kWh/a und mehr. Nur in den wenigsten Fällen wird die wertvolle Abwärme genutzt. Weitere Stichworte sind: Schlechte Isolierung, defekte Türdichtungen, Wärmelasten durch Licht, verschmutzte Kondensatoren, falsche Abtauzeitpunkte, fehlende Schleusen, Grundwasserkühlung, …

Tipp: Nutzen der Abwärme. Als Wärme stehen mit 45 bis 50°C rund 100Prozent der verbrauchten Strommenge zur Verfügung.

Klimatisierung:

Sparen Sie schon oder klimatisieren Sie noch? So oder ähnlich könnte dieses Kapitel umschrieben werden. Welche Fehler noch immer gemacht werden, wie die Wärmelast reduziert und gleichzeitig umweltschonend gekühlt werden kann, ohne dabei viel zu investieren, soll dann in diesem Kapitel ausführlich und leicht verständlich behandelt werden.

Tipp: Klimaanlage erst ab einer Außentemperatur von mehr 20°C einschalten; die nächtliche Kühlung nutzen.

Heizungstechnik:

Sofern Sie über der Backstube kein Mehrfamilienhaus stehen haben, kann auf eine konventionelle Heizungsanlage oft ganz verzichtet werden. Zumindest aber sollte Sie deutlich kleiner ausfallen, als diese in der Regel anzutreffen ist.

Tipp: Bis zu 100Prozent Heizöl sparen durch Nutzung der reichlich vorhandenen Abwärme.

Spülmaschine:

Spülmaschinen fristen oft ein Schattendasein und kaum einer macht sich Gedanken darüber, wie viel Geld hier ständig in den Gully gekippt wird. Nicht selten stehen in Backstuben und Verkaufsräumen fast haushaltsübliche Maschinen, die in der Anschaffung billig, aber im Unterhalt teuer sind. Oder es sind museumsreife Relikte, die den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden.

Tipp: Oft rechnet sich der Austausch der alten Spülmaschine innerhalb von 12 Monaten – „einfach umsetzen!“

Sparen beim Sparen:

Wer sich schon jetzt einem unbezwingbaren Berg von Aufgaben gegenüber sieht, dem sei gesagt: Es ist gar nicht so schlimm! Aber ihm kann auch geholfen werden. Nutzen Sie die Möglichkeit einer qualifizierten Energieberatung.

Tipp: Die KfW fördert die mit sehr hohen Zuschüssen. Der Antrag ist einfach, der Nutzen groß.

Der erste Schritt:

Energie ist, beziehungsweise wird zu teuer werden. Ernennen Sie in Ihrem Betrieb einen „Energiemanager“ der sich um das Thema kümmert. Das ist der erste Schritt, der steigenden Kostenentwicklung zu begegnen.


Lesen Sie hierzu folgende Bücher


Stefan Götz (unten links) und Vater Ferdinand Götz (unten rechts) haben die Energiekosten mit Hilfe von Manfred Ferner im Griff.
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