ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Diese App ist reif für die Tüte

So sieht die App fürs Smartphone aus. (Quelle: privat)+
So sieht die App fürs Smartphone aus. (Quelle: privat)

Weitere Artikel zu


Start-up-Unternehmen will das Wegwerfen von Backwaren minimieren

Von Arnulf Ramcke

Ob Wetterbericht, Urlaubsbuchung, Kalorienverbrauch oder Nachrichten – zwei Millionen Apps mit mehr oder minder nützlichen Funktionen können User runterladen.

Eine mit erhöhtem Nutzwert will die Anwendung mit der leicht sperrigen Bezeichnung „too good to go“ sein. Klarer als der Name ist die Absicht: Das vor einem Jahr in entstandene Start-up hat sich zum Ziel gesetzt, „Lebensmittelverschwendung zu reduzieren“. So formuliert es Peter Wiedeking, der seit einigen Wochen damit beschäftigt ist, das Konzept in Deutschland zu etablieren.

Und so geht’s in der Praxis: Bäckereien oder registrieren sich beim Start-up, Kunden spielen die kostenlose auf – und schon können beiden Seiten miteinander ins Geschäft kommen. Dazu füllt der Bäcker aus dem Bestand der Ware, die normalerweise als Retoure enden würden, Tüten mit Produkten seiner Wahl.

Wiedeking: „Das ist für den Kunden eine Wundertüte. Da können zum Beispiel an einem Tag nur Mohnbrötchen drin sein, am nächsten ist es dann eine bunte Mischung.“

Bäcker bestimmen

den Preis selbst

Der Bäcker teilt über die App mit, wie viele dieser Tüten er bis zu welcher Uhrzeit abzugeben hat. Der Kunde kauft seine und bezahlt über die App, die auch die Kreditabwicklung übernimmt.

Den Preis pro Tüte legen die Betriebe fest. Etabliert haben sich rund 2,50 Euro. Wiedeking: „Der Warenwert soll mindestens 50 Prozent unter dem normalen Verkaufspreis liegen.“

Von jeder Transaktion

geht ein Euro ans Start-up

Von diesen 2,50 Euro geht ein Euro an TooGoodtogo.de. Damit werde das Start-up nicht reich, versichert der Deutschland-Vertreter. Mit den Einnahmen würden sowohl die Personalkosten als auch die Papiertüten finanziert, die an die teilnehmenden Betriebe ausgeliefert werden.

Womit klar ist, dass die Bäckerei auf Tüten verzichten muss und damit die Chance auf Werbung abgibt. Wiedeking: „Wir habe die Lösung mit den Tüten so gewählt, um einheitliche Größen anbieten zu können.“

Oder anders formuliert: Die üppig dimensionierten Tüten des Start-ups stellen klar, dass Bäcker beim Befüllen klotzen sollen. Denn die Klientel sind „Leute, die aufs Geld achten müssen“, so Wiedeking.

Zu den aktuellen Download-Zahlen der App in Deutschland schweigt er sich aus. Die Zahl der registrierten Bäckereien beträgt 21. Diese bescheidenen Fakten halten Wiedeking nicht davon ab, von „einem gigantischen Wachstumsmarkt“ zu sprechen.

In sieben Ländern Europas sollen rund eine Million Kunden und 1500 Betriebe die App nutzen. Wiedeking: „In Europa kommen pro Monat 200 neue Läden dazu.“

1,3 Millionen Euro

Zuschuss aus Dänemark

Um flächendeckende Verbreitung auch in Deutschland zu erreichen, „spreche ich Bäckereien direkt an“. Dabei mache er die Erfahrung, „dass es viele Bäcker nicht wollen, wenn ihr Brot den Schweinen vorgeworfen wird“.

Dem stelle das Start-up soziales Engagement gegenüber, das nicht an Kurzatmigkeit zu scheitern droht: „Wir haben jetzt in Dänemark einen Zuschuss von 1,3 Millionen Euro erhalten.“

Auch interessant

Bewerten per App

Das B.I.T.-Softwarepaket ist nach Angaben von Ulmer-Kemo umfangreich weiterentwickelt worden. Eine App zur besseren Planung und Dokumentation von Filialbesuchen ermögliche, vor Ort Aufgaben und mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel