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Die Wucht der Veggie-Welle ist berechenbar

Pflichtbestückung für die Snacktheke in der Bäckerei: vegane und vegetarische Angebote. (Quelle: ABZ-Archiv)+Zur Fotostrecke
Pflichtbestückung für die Snacktheke in der Bäckerei: vegane und vegetarische Angebote. (Quelle: ABZ-Archiv)

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Lohnender Blick zu einer anderen Branche: Fleischwirtschaft diskutiert über die künftige Bedeutung veganer und vegetarischer Produkte

Von Gerd Abeln und

Sandra Sieler

Der Veggietrend ist keine Monsterwelle, der bestehendes wegspült. Vielmehr sind vegetarische und vegane als Ergänzung zum bestehenden Angebot zu sehen, damit aber als Strömung im Markt, die durchaus Bestand hat. Dies ist die Quintessenz des Forums der Fleischwirtschaft, dessen Inhalte auch für die Bäckerbranche von großem Interesse sein dürften.

Jeder zweite Haushalt

kauft ein

Konsumsoziologin Anne-Kathrin Haubert geht davon aus, dass von rund 40 Millionen Haushalten in Deutschland 19Millionen mindestens einmal im Jahr Veggie-Produkte kaufen.

Haubert machte als Hauptgründe einerseits die Sorge der Deutschen um ihre Gesundheit aus und andererseits mediale Debatten um Lebensrisiken. So sieht jeder Dritte in Lebensmitteln ein Risiko. Vegetarisch und werden dagegen als gesund betrachtet, die Ethik komme meist erst später dazu.

„Veggie ist eine

Welle, die bleibt“

Insgesamt sei die vegetarisch/vegane Lebensweise urban, jung und von einem überdurchschnittlichen Wohlstandsniveau geprägt, dabei zudem nicht besonders traditionell. Was zähle, sei letztlich der Geschmack, denn der freiwillige Selbstverzicht stehe nicht für eine asketische Lebensweise.

„Veggie ist eine Welle, die bleibt“, sagte Prof. Guido Ritter von der FH Münster. Nun gehe es aber nicht nur darum, Produkte „ohne“ zu erzeugen, sondern eher „mit“-Produkte zu kreieren: mit Genuss. Ritter warb zugleich für Toleranz gegenüber anderen Esskulturen. Hier dürften die Fronten nicht verhärten.

Aus Sicht des Ernährungswissenschaftlers bewertete Ritter die vegetarischen und veganen Produkte nicht besser als ihre fleischhaltigen Pendants, zumindest, was den Gehalt an Energie, Salz und gehärteten Fetten betrifft.

Fleisch lasse sich nicht durch einen einzelnen Stoff ersetzen. Daraus resultiere eine lange Zutatenliste. Aktuell akzeptiere der Verbraucher diese auch noch. Das dürfe und werde aber nicht so bleiben. Der zum Fleischfreien werde über kurz oder lang mit denen zu mehr Regionalität, Nachhaltigkeit und Genuss verknüpft.

Kennzeichnung

schafft Sicherheit

Warum vertraute Namen Absatzwege öffnen, erläuterte Till Strecker vom Vegetarierbund Deutschland (Vebu): „Fleischbezeichnungen ermöglichen Verbrauchern informierte, einfache und schnelle Kaufentscheidungen“. Strecker sieht darin einen Service für interessierte Kunden, denn vertraute Bezeichnungen wie Schnitzel oder Bratwurst kommunizieren wichtige Informationen zu Form, Aussehen, Textur, Zubereitung, Verwendung oder Geschmack.

Der Leiter der Abteilung Politik des Vebu mag darin auch keine Irreführung erkennen, wenn die Namen deutlich mit „vegan“ oder „vegetarisch“ oder „Soja-Schnitzel“ gekennzeichnet sind. „Irreführung würde niemandem nutzen.“ Strecker hält daher die Kennzeichnung sowohl für Veggies als auch für Fleisch-Interessierte für wichtig.

Spielräume ohne

feste Banden


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