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Die Einstellung macht den Unterschied

Der Inhaber und seine Mitarbeiter sind sichtlich gut drauf (v. l.): Dieter Braun, Michael Römer, Jörg Moss, Moritz von Schenck, Daniela Reuscher und Martin Herrmanns. (Quelle: pb)+Zur Fotostrecke
Der Inhaber und seine Mitarbeiter sind sichtlich gut drauf (v. l.): Dieter Braun, Michael Römer, Jörg Moss, Moritz von Schenck, Daniela Reuscher und Martin Herrmanns. (Quelle: pb)

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Jörg Moss führt seinen Betrieb nach gewissen Überzeugungen: Handarbeit, Regionalität und Kundenbindung

Von Kurt Lehmkuhl

Was für eine Frage! Da spiegelt sich Verständnislosigkeit in den Augen von Bäckermeister aus Aachen wider. Selbstverständlich produziert er die Backware, die zur Großstadt im Dreiländereck Belgien-Niederlande-Deutschland einfach dazu gehört: die Öcher Printe.

Nicht mehr nur als steinhartes Dauergebäck, sondern in vielen beliebten Variationen mit Nüssen, Mandeln, fair gehandelter Schokolade – und immer noch original als Kräuterprinte.

Gelebte Tradition

und Regionalität

Und auch eine zweite regionale Spezialität gehört zum umfangreichen Angebot des Bäckers: das Streuselbrötchen. Das es in dieser Form – ohne Cremefüllung oder Zuckerglasur – nur im Großraum Aachen gibt und bei den Kunden beliebt, bewährt und begehrt ist.

Ohnehin setzt Moss viel auf Regionalität: auf Roggen, Frischmilch und Eier aus der Eifel, Dinkel und Ackerbohnen aus der Jülicher Börde. „Da weiß ich, woher die Rohstoffe kommen“, meint der Bäckermeister, der fordert: „Die muss viel mehr in den Fokus rücken.“

Kurze Transportwege

und frische Rohstoffe

Kürzere Transportwege, leichtere Nachvollziehbarkeit, direkte Kontakte zu den Erzeugern sind nur einige Aspekte. „Es ist nicht nötig, von weit her Produkte heranzukarren. Es geht anders“, hat Moss erkannt.

Und er scheut sich nicht, in seinem Handwerksbetrieb experimentell zu sein. „Wir hatten auch Brot aus Waldstaudenroggen im Angebot, ebenso wie aus Emmer oder Einkorn“, sagt Moss.

In der Backstube sind 120 Mitarbeiter im Zwei-Schicht-Betrieb tätig. Jedes Brot wird in in Form gebracht, jeder Nusskranz per Hand geflochten. „Wir sind ein Handwerksbetrieb und wollen es bleiben“, versichert Moss. Tiefkühlprodukte auf Vorrat sind nicht sein Ding.

Die zwölf firmeneigenen Lastwagen liefern täglich an 48 Filialen im Umkreis von 30 Kilometern um Aachen aus.

Die Backstube befindet sich seit sieben Jahren in einem Neubau im Industrie- und Gewerbegebiet in Aachen-Eilendorf. Rund 650 Mitarbeiter arbeiten für Moss. Auf dem rund 5500 Quadratmetern großen Firmengelände entstehen allnächtlich mehr als 60.000 Brötchen, 6000 Brote, 10.000 Gebäckstücke und rund 5000 Snacks.

Brot, Brötchen, Backwaren, der traditionelle Dreiklang des Backhandwerks, den der Großvater von Moss noch beherrschte, gilt für den Enkel längst nicht mehr. Der Imbiss – der schnelle Genuss – die Tasse Kaffee mit dem Teilchen oder auch der herzhafte Snack, sie haben an Bedeutung gewonnen. Aber auch hier bleibt Moss seiner Maxime von Regionalität und Handwerk treu.

Saucen und Fruchtaufstriche

aus eigener Produktion

Sämtliche Saucen für die Snacks werden in Handarbeit hergestellt – ebenso der eigene Fruchtaufstrich. Und bei Produkten, die in der Region nicht erhältlich sind, wird auf Nachhaltigkeit und Solidarität Wert gelegt. „Unseren Kaffee beziehen wie aus dem Fairtrade-Handel, ebenso wie Kuvertüre.“ Das mag zwar teurer sein, trifft aber die Überzeugung des Bäckers und der Mitarbeiter.

Und es gibt eine Komponente, die Moss nie vergisst: den Geschmack. „Es macht schon einen gewaltigen geschmacklichen Unterschied, ob ich einen Berliner esse, bei dem ich ein frisch aufgeschlagenes Ei verwendet habe oder angeliefertes Vollei.“

Die Produkte unterliegen einem ständigen Erneuerungs- und Verbesserungsprozess: mit den besten Rohstoffen, den modernsten Herstellungsmethoden und der ökologisch und ökonomisch sinnvollsten Herangehensweise. Moss setzt außerdem mit Hilfe von 25 modernen Hochleistungsbacköfen auf Wärmerückgewinnung und Energieersparnis.

Stempelkarten

haben ausgedient

Auch beim direkten Umgang mit dem Kunden ist der Blick nach vorne gerichtet. „Wir haben seit kurzem eine digitale Kundenkarte“, sagt Marketingleiterin Fee Damm. Die Bonus-Stempel-Kärtchen, für die es bei voller Karte ein Gratisbrot gibt, haben ausgedient. „Jetzt gibt es nur noch diese Karte, die jeder Kunde bekommen kann, ohne dass er sich bei uns groß registrieren muss.“

Ein Punktesystem für alle verkauften Produkte verschafft Kunden schnell ein beachtliches Punktepolster, das in Waren umgesetzt werden kann. „Mit den Karten können wir durchaus bei unseren Kunden punkten“, sagt Fee Damm. „Die ersten 55.000 waren schneller weg, als wir es uns in unseren kühnsten Träumen vorgestellt hatten.“

Sammeln, sparen und genießen. „Inhaber der Kundenkarte können nicht nur Treuepunkte sammeln und einlösen, treue Kunden können auch an Rabatt-Aktionen teilnehmen.“ Als Serviceleistung besteht zudem die Möglichkeit, die Karte als Guthabenkarte zu nutzen.

Kundenbindung durch

cleveres Filialmanagement

„Wir schaffen hier eine noch engere Bindung zwischen uns und unseren Kunden“, sagte Fee Damm. Modern und traditionell zugleich, wie der Wandel der Öcher Printe vom Hart- zum beliebten Weichgebäck auf Grundlage des Rezepts von Moss‘ Großvater Jakob von 1925.

Einen besonderen Wert legt Moss auf die ständige Erneuerung und Modernisierung des Filialnetzes. In der Regel ist die Ausstattung in den Filialen nie älter als acht Jahre. Diese werden mit hochwertigen, teils Design-Möbeln ausgestattet. „Wir achten darauf, dass jede Filiale dabei ihren eigenen Charme erhält und sie unverwechselbar ist“, sagte Fee Damm.

Individuelle Gemälde

für individuelle Geschäfte

Wenn möglich, spielt eine Filiale auf die örtlichen Begebenheiten an. So etwa in Aachen-Brand. Dort gilt der Stier als Wahrzeichen, so erhielt die Filiale den Namen „Brander Stier“.

Die Beziehung zur Nachbarschaft wird bei „Moss im Viertel“ gepflegt: Dort sind die Ohrensessel in Richtung der Fensterfront ausgerichtet, damit es sich beim Kaffee trinken besonders gut beobachten lässt, was sich vor der Tür im Viertel abspielt. Oder auch die Filiale Theo‘s, die nach dem Großvater der Geschäftsleitung benannt wurde.

Selbst die Kunst hat ihren Platz: „Fast alle Filialen enthalten ein Bild von Nicole Royé“, sagt Fee Damm. Die Künstlerin macht sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut und fertig individuelle Bilder passend zu dem Standort an. Mal ist es die Kirche im Ort oder ein Wahrzeichen. „Aber immer ist unser Moss-Logo geschmackvoll in das Gemälde mit eingebunden.“

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