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Die Bäckereifiliale als Wohlfühlzimmer

Im Gastro-Bereich wird Ambiente immer wichtiger, wie das Beispiel von Kaisers Gute Backstube zeigt. (Quelle: Brust+Partner)+
Im Gastro-Bereich wird Ambiente immer wichtiger, wie das Beispiel von Kaisers Gute Backstube zeigt. (Quelle: Brust+Partner)

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Kunden legen immer mehr Wert aufs Ambiente / Bedeutung der Dekoration wächst / Regionalität punktet

Von Hans Stumpf

Differenzierung ist das Schlagwort im harten Wettbewerb. Alleine über Produkte und Service wird es jedoch immer schwieriger. Die Kunden und Gäste sollen sich auch wohl fühlen. Das Ambiente spielt zunehmend eine Rolle.

„Schauen Sie sich die Läden von Aldi Süd an“, sagt ein Brancheninsider. Denn selbst Discounter hätten es immer schwieriger, nur über den Preis zu verkaufen. Die neuen Aldi-Läden wollten Wohlfühlatmosphäre versprühen. Wo bisher nur weiße Wände waren, wurden Dekorelemente angebracht.

Aldi, Lidl, Edeka – sie alle

investieren in ihre Filialen

Rund 3,5 Milliarden Euro will der Branchenprimus Aldi Süd bis 2019 in die Modernisierung seiner rund 1900 Filialen stecken. Auch andere Lebensmittelanbieter wie Lidl und Edeka haben massive Investitionen in die Standorte angekündigt.

Das sind Pläne, die nicht von ungefähr kommen. „Auch das Handwerk investiert kräftig und setzt auf hochwertige Architektur im Ladenbau“, bestätigt Hans-Jürgen Päsler, Geschäftsführer des Ladenbauers Schrutka-Peukert.

Die Gesamtheit des Ladens

erzählt eine Geschichte

, und Funktionalität eines Ladens sind wichtig, müssen sich aber auch in einem ansprechenden Ambiente wiederfinden. „Im besten Fall erzählt der Laden in seiner Gesamtheit eine Geschichte“, sagt Päsler. So mache sich der Betrieb einzigartig. Innenarchitektur und auch die spielten dabei eine zentrale Rolle.

Anregungen in

Barcelona geholt

Wobei das Thema noch nicht überall in der backenden Branche erkannt wird. „Ich bekomme noch Kopfschütteln von Kollegen, wenn ich erzähle, was wir in die Dekoration unserer Objekte stecken“, beschreibt ein Bäckermeister aus Sachsen seine Situation.

Er war gerade für einige Tage in Barcelona und hat sich dort Cafés und Lokale angeschaut. „Denn gerade im zunehmend wichtiger werdenden Gastrobereich spielt das Ambiente eine zentrale Rolle.“

Ihm geht es nicht darum, Konzepte aus anderen Städten und Ländern 1:1 umsetzen. Vielmehr will er Trends aufspüren und eigene Ideen entwickeln: „Als Filialist wollen wir unsere Objekte so gestalten, dass sie als Marke wieder erkannt werden.“

Viel Holz passt in Oberbayern – weiter nördlich nicht

Bestes Beispiel ist der alpenländische Einrichtungsstil. Im Brot und Kaffeehaus der Bäckerei Schuhbeck im oberbayerischen Ruhpolding passt eine mit viel Echtholz geprägte Einrichtung sehr gut. Scheitholz als Raumteiler gehört genauso dazu wie Rundholzscheiben an der Decke. Das ist authentisch, passt in die Region. Weiter nördlich würde es nicht passen.

Genauso ist es mit dem Industrie-Look mit Elementen aus Gußeisen, Metall und Email. In oder zumindest in der Nähe eines alten Industriegebäudes passt dies sehr gut. So kann eine Beziehung zur Region geschaffen, aber auch an die Geschichte der Bäckerei angeknüpft werden.

Ausgerichtet werden muss am Ladenstil auch das Dekor. Bei Schuhbeck in Ruhpolding ist es zum Beispiel ein alter Holzküchenofen im Eingangsbereich, der gleichzeitig Tradition und Bodenständigkeit signalisiert.

Kundenkommentar:

„Hier will man einfach sein“

Alte Milchkannen schaffen die Verbindung zur Region, zeigen aber auch unterschwellig die regionale Herkunft der Produkte auf. „Tolle Location im traditionell modernen Style mit super Ambiente. Hier will man einfach sein“, sagt ein User auf dem Portal „foursquare.com“ über das Objekt.

Über das Backwaren-, Speisen- und Getränkeangebot wird erst mal nicht geschrieben. Klar, dass passt und ist auf einem sehr hohen Niveau. Auch der Service ist in Schuhbecks Café hervorragend. Doch vor allem das Ambiente und Design ziehen an. Dazu trägt auch der Standort an einer verkehrsreichen Kreuzung unweit des Bahnhofs bei.

Wobei es nicht gleich so ein Objekt sein muss, um die Gunst der Verbraucher zu erwerben. Auch kleine Bäckereien und Einzelläden können durch Dekorationsideen punkten.

Die Filiale wird

zur Kunstgalerie

Die Bäckerei „Butterbrot“ im Münchner Stadtteil Altschwabing macht dies vor. Walter Spannagel ist kein gelernter Bäcker, produziert auch nicht, sondern verkauft nur. Im kleinen Cafébereich des Ladens wird eine Wand regelmäßig zur Galerie. Künstler aus der Gegend hängen dort ihre Bilder auf.

Ähnlich geht es mit verschiedenen anderen Dekorelementen. Spannagel holt sich Inspiration auf Messen und kauft dort auch Dekorartikel. Im Laden dienen sie nicht nur zur Dekoration, sondern sind auch käuflich. Das schafft zusätzlich Umsatz und bietet gleichzeitig die Chance, den Laden immer wieder mit neuen Elementen zu dekorieren.

Echte Tradition gegen

die „neue“ der Discounter

Gerade das Thema Tradition und Geschichte ist für eine Bäckerei wichtig. Während Discounter wie Netto mit „Neuer Backtradition“ werben, kann eine Bäckerei auf eine lange Tradition verweisen. Alte Bilder, alte Urkunden und Meisterbriefe oder auch alte Gerätschaften lassen sich zur Dekoration nutzen.

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