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Der Energieeffizienz gezielt auf der Spur

Die angesprochenen Energiethemen und deren Einsparpotenzial fand bei der Tagung im Reutlinger Bäko-Haus große Aufmerksamkeit.
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Die angesprochenen Energiethemen und deren Einsparpotenzial fand bei der Tagung im Reutlinger Bäko-Haus große Aufmerksamkeit. (Quelle: Stecher)

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Unternehmensfuehrung

Von Tourenoptimierung bis Solarenergie: Energiespartagung des LIV Württemberg bei der Bäko Süd-Württemberg / Fördermittel möglich

Reutlingen (rs). Energieverbrauch und Energiesparen sind die bedeutenden Themen unserer Zeit. Oft verkenne man den Energieeinsatz auch bei scheinbar kleinem Verbrauch. Dieser addiere sich aber über das Jahr gerechnet doch unnötiger Weise zu beachtlichen Mengen, so Andreas Kofler vom LIV Württemberg bei der Begrüßung der Teilnehmer der Energiespartagung des LIV Württemberg in der Bäko in Reutlingen.

Tourenoptimierung

Wie sich die Planung von Liefertouren optimieren lässt, darüber referierte Jost Bremer, Vorstandssprecher der Bäko Süd-Württemberg eG. Die ständig steigenden Dieselkraftstoffkosten waren für Bremer Anlass genug, die 22 LKW der Genossenschaft effizienter bei gleicher Serviceleistung einzusetzen. In verschiedenen Planungsschritten wurden alle Touren und Zufuhrtage neu ermittelt, dabei spielten die bisher geltenden Abläufe keine Rolle, das heißt, bestehenden Touren wurden nicht beachtet. Ein Problem könne dabei die Kundenzufriedenheit sein, da der seitherige Zufuhrtag unter Umständen geändert wird. Joost Bremer rechnet aber für die Zukunft mit einem jährlichen Einsparertrag von 25.000 bis 50.000 Euro im Jahr.

Sein Fazit: Der Zwang zur permanenten Tourenoptimierung ist unausweichlich. Die komplexe Optimierung der Anfahrtskriterien lässt sich nur EDV-technisch lösen. Über DFÜ kann diese Software auch die Fahrzeugdaten, deren Wartungsintervalle und den momentanen Fahrzeugaufenthalt nach Wunsch an die Zentrale übermitteln. Nach Ablauf der Erprobungsphase wird die Bäko-Südwürttemberg diese Software ihren Kunden zum Selbstkostenpreis anbieten.

Energieeffizienz und Zuschüsse

Geld liege bei der bezuschussten Energieeffizienzberatung auch für Bäcker mit kleinen und mittleren Betrieben auf der Straße, so Dr. Rolf Rau von der Ecologic GmbH, München. Ausgangspunkt zur Reduzierung ist die festgeschriebene Senkung des CO²-Ausstoßes in der EU, der bis 2030 um 20 Prozent vermindert werden soll.

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) unterstützt alle Maßnahmen der Energieeinsparung mit verschiedenen Programmen, darunter auch das EEG (Erneuerbare Energie Gesetz). Die Investitionskredite müssen über die Hausbank beantragt werden, wobei dann 100 Prozent der Kosten und maximal 10 Mio. Euro gefördert werden. Das ganze Spektrum des Leistungsumfangs ist unter www.Kfw.de einzusehen.

KMU-Sonderfonds

Sonderfonds innerhalb der KfW gibt es für die sogenannten KMU's (kleine und mittlere Unternehmen). Die Größenklasse der KMUs setzt sich aus Unternehmen zusammen, die weniger als 250 Personen beschäftigen und die entweder einen Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. Euro erzielen oder deren Jahresbilanzsumme sich auf höchstens 43 Mio. Euro beläuft. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass mindestens Einspareffekte von 15 Prozent erreicht werden. Gefördert wird auch die Gebäudesanierung, wenn das Neubau-Niveau nach der EnEV (Erneuerbare Energie-Verordnung) um mindestens 30 Prozent unterschritten wird, so Dr. Rolf R. Rau.

Solarstromerzeugung

Im der weltweiten Energiebedarfsrechnung rechnet man in 20 bis 40 Jahren mit einer Verdoppelung der heutigen Mengen. Dieser Anteil ist dann so hoch, wie der heutige Bedarf an Kohle weltweit, erläuterte Bernd Petruzzelli, von der Würth Solar GmbH & CoKG. Um aus der Sonnenenergie Strom zu gewinnen, werden sogenannte Solarzellen verwendet. Zur Herstelllung dieser Zellen wird Silizium verwendet. Dieses besteht aus dem Rohstoff Sand. Je nach Anwendungsprofil und Standort werden unterschiedliche Zellentechnologien mit unterschiedlichen Wirkungsgraden angeboten, lies der Referent wissen.

Im Grunde genommen wandeln Solarmodule das Sonnenlicht in Gleichstrom um. Ein netzgeführter Wechselrichter wandelt dann den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um und speist diese Menge komplett über eine Wechselstromleitung ins Hausstromnetz ein. Für diese eingespeiste Menge bekommt man derzeit eine Einspeisevergütung von derzeit ca. 0,45 Euro / kWh. Den Verbrauchsstrom bekommt man nach wie vor aus dem öffentlichen Stromnetz und bezahlt für diesen zu den ortsüblichen Stromtarifen.

Welches Modul für welche Anlage das richtige ist, wird von Experten berechnet und hängt auch mit Dachneigung zusammen. Laut Bernd Petruzzelli ist bei optimaler Planung von Solaranlagen eine Rendite von 4 bis 6 Prozent zu erreichen, wobei Abnutzungskosten mit eingerechnet sind. In Regionen mit starker Luftverschmutzung rät der Referent von der Solarstromerzeugung ab. Bei der Vertragsregelung ist festgeschrieben, dass die Zellen nach 10 Jahren noch einen Leistungsgrad von 90 Prozent aufweisen müssen. Der Staat verpflichtet die Netzbetreiber zur Abnahme des solar erzeugten Stromes. Empfehlenswert sei es, für die Module eine Glasversicherung abzuschließen, betonte Bernd Petruzzelli.

Energiepotenziale erkennen

Vielfältige Sparmaßnahmen konnte Helmut Poß von der Energie Baden-Württemberg AG den Tagungsteilnehmer erläutern. Speziell für Bäcker und Konditoren hat der Energielieferant eine Broschüre herausgegeben, welche die richtigen Rezepte gegen Energievergeudung bietet. Wer viel Energie braucht, der kann auch viel Energie sparen, so Energieberater Poß. Um Einsparpotenziale zu erkennen, gibt ein Vergleich mit Kennzahlen interessante Aufschlüsse. Als eine geeignete Kennzahl nannte der Referent den Gesamtenergieverbrauch pro kg verbackenem Mehl. Dazu müssen alle Energieträger (Strom, Fernwärme, Erdgas, Öl) pro Jahr erfasst werden. Diesen wird dann die verbackene Mehlmenge inkl. Backmischungen und zugekaufter Teiglinge gegenübergestellt.

Beispiel:

90.000 KWh Energie

30.000 kg Mehl = Kennzahl 3

Das heißt, es wurden 3 KWh Energie für 1 kg Mehl benötigt. Mit dem selbst ermittelten Mehlverbrauch können dann in der Tabelle des „Rezeptbuches“ die jeweiligen Betriebsvergleichszahlen gegenübergestellt werden. Auch das Internet bietet Optionen, den Energieverbrauch anhand einer differenzierten Datenerfassung einzuschätzen. „Machen Sie einen Schnellcheck oder Detailcheck unter www.internet-energie-check.de&ldquo ; , empfahl der Referent den Tagungsteilnehmern.

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