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Der Dachs, der Stromkosten frisst

In der Bäckerei Lüttel in Lingen mit vier Verkaufsstellen inklusive Stammhaus und Produktionsstandort sind vier
Blockheizkraftwerke im Einsatz. Das jährliche Energieeinsparvolumen beträgt immerhin 15.000 Euro. +Zur Fotostrecke
In der Bäckerei Lüttel in Lingen mit vier Verkaufsstellen inklusive Stammhaus und Produktionsstandort sind vier Blockheizkraftwerke im Einsatz. Das jährliche Energieeinsparvolumen beträgt immerhin 15.000 Euro.

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Von Reinald Wolf

Drei Dachse hat Peter im Einsatz. Dabei war sein Vater von Anfang an skeptisch. „Wenn was schiefgeht, zahlst Du das“, so die klare Ansage vor der Anschaffung des ersten Exemplars. Aber schon die zweite verfolgte der Firmengründer mit deutlich mehr Wohlwollen. Wer aber meint, dass es sich hier um eine erfolgreiche Waldtierschau handelt, der hat sich getäuscht. Peter Lüttel ist Inhaber einer gut gehenden Bäckerei im niedersächsischen Lingen. Was ihn von vielen Kollegen unterscheidet, ist sein Faible für Technik und sein Interesse an Optimierungsprozessen. In dem Zusammenhang hat es ihm auch der Dachs angetan – ein nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). 2002 hat Lüttel die erste Mikro-KWK-Anlage der Firma Senertec im Stammhaus mit Bäckerei installieren lassen. Damalige Investitionskosten: Rund 10.000 Euro.

Die Heizkosteneinsparung war derart überzeugend, dass Lüttels Vater zwei Jahre später keine Bedenken mehr hatte, nachzurüsten – auch wenn dieses Mal 25.000 Euro in die Hand genommen werden mussten, weil eine Fernwärmeleitung zum elterlichen Wohnhaus gemacht werden sollte. „Wir hatten anfangs Probleme, einen Architekten zu finden, der das Vorhaben realisieren konnte“, verdeutlicht der 36-jährige Bäckermeister, dass es sich hier um keine Standardlösung handelte. Aber seine Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt und heute werden so im Stammhaus jährlich insgesamt rund 10.000 Euro Heizkosten gespart. Zwischenzeitlich ist auch noch ein dritter Dachs in einer Filiale im Einsatz – und ein Modell eines weiteren Anbieters. „Wir sind mit den Anlagen von Senertec sehr zufrieden, wollten aber auch noch eine andere Variante ausprobieren“, so die Begründung.

Egal, welches System nun im Einsatz ist, eines wird hier schon deutlich: Mikro-KWK-Anlagen sind eine effiziente Alternative zur konventionellen Heizung. Sie produzieren gleichzeitig Strom und Wärme und machen Hausbesitzer oder gewerbliche Betreiber unabhängig von lokalen Energieversorgern. Beim Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung verbrennt ein Motor den jeweiligen Brennstoff – Erd- oder Flüssiggas, Biodiesel oder Heizöl. Die freigesetzte treibt einen Generator an, der die Bewegung in Strom umwandelt. Als Nebenprodukt fällt Wärme für Heizung oder Warmwasserbereitung an.

Insgesamt verwerte die Kraft-Wärme-Kopplung den Brennstoff deutlich effizienter als gewöhnliche Heizungen, spare CO{-2}-Emmission und Nebenkosten, argumentiert der Hersteller. Aber die Sache ist kein Selbstläufer. Es gibt auch kritische Stimmen, wonach das Einsparpotenzial von Miniblockheizkraftwerk überbewertet werde.

Bei Peter Lüttel geht die Rechnung jedenfalls auf. Wichtig sei eben ein stimmiges Konzept, betont der Hobbytüftler. Er deckt zum Beispiel 95 Prozent seines Wärme- und 65 Prozent seines Strombedarfs mit dem Blockheizkraftwerk ab. Dabei wurden auch Spül- und Waschmaschine sowie die Kaffeemaschinen an das Warmwasser angeschlossen. Außerdem profitieren die elektrisch beheizten Gärräume vom KWK-Prinzip.

Ein nicht unwichtiger Aspekt der Wirtschaftlichkeit dürfte auch der Förderbeitrag sein. Der Einbau von Mikro-KWK-Anlagen wird jetzt noch stärker gefördert als bisher. Betreiber solcher Anlagen erhalten einen Investitionskostenzuschuss von bis zu 2550 Euro und zusätzlich 5,11 Cent je erzeugter Kilowattstunde Strom. Außerdem kann man noch mit der Energiesteuerbefreiung rechnen.

Bleibt noch, auf die Wartungs- und Reparaturkosten hinzuweisen. Hier kann Lüttel Entwarnung geben. Er zahlt pro Gerät rund 700 Euro jährlich für ein Rundum-Sorglospaket. Außerdem: Der erste Dachs hat in den zehn Jahren seines Einsatzes nie schlapp gemacht. Es sind praktisch keine Reparaturkosten angefallen.

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