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Das Herz in der Backstube, den Titel in der Tasche

Tanja Angstenberger freut sich über den EM-Titel, bleibt dabei aber bodenständig. (Quelle: privat)+
Tanja Angstenberger freut sich über den EM-Titel, bleibt dabei aber bodenständig. (Quelle: privat)

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Nach der EM der Bäckerjugend in Weinheim ist bei Europas bester Nachwuchsbäckerin bereits wieder der Alltag eingekehrt

Von Sylvia Hart

Mit 23 Jahren ist die Konditormeisterin und Bäckerin aus Aalen die beste Jungbäckerin Europas.

Bei den Europameisterschaften (EM) der Bäckerjugend, die an der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Weinheim ausgetragen wurden, siegt Angstenberger vor den Schweizerinnen Ramona Bollinger und Jessika Burch.

Eine Woche nach dem Sieg sagt die erfolgreiche Nachwuchsbäckerin: „Ich fühle mich großartig. Europameisterin ist doch ein toller Titel. Viele Teilnehmer wollten ihn und ich habe ihn bekommen.“

Das öffentliche Interesse an der Europameisterin ist gestiegen

Die Europameisterin erhält inzwischen immer wieder Anfragen von den Medien und hat Pressetermine, aber damit komme sie gut zurecht.

Das Interesse anderer an ihr sei gestiegen, vor allem im Social Network. Die Jungbäckerin habe mehr Facebook-Anfragen als sonst, da sich viele aus der Backbranche für den Ablauf der Europameisterschaft interessierten, ihr schrieben und gratulierten. Sogar Geschenke bekomme sie überreicht.

Auch in der elterlichen Bäckerei Angstenberger, in der die EM-Titelträgerin arbeitet, ist das Interesse groß. Viele Kunden „sind sehr erfreut, dass sie in unserem Betrieb einkaufen dürfen“, sagt Angstenberger. Viele schütteln ihr die Hand und gratulieren. Durch den Erfolg der Jungbäckerin seien auch neue Kunden hinzugekommen. Trotz dem gestiegenen Interesse an der Bäckerin und Konditormeisterin habe sich für sie „im Großen und Ganzen nichts verändert“.

Im Familien- und Freundeskreis sehe jeder die 23-Jährige immer noch so, wie zuvor auch. Es gebe keinen Unterschied. „Ich will so bleiben wie ich bin“, sagt die erfolgreiche Nachwuchsbäckerin. Der Sieg der Europameisterschaft sei für sie ein rein beruflicher Erfolg und habe keine Auswirkungen auf das private Umfeld.

Hartes Training, hohes

Niveau und wenig Zeit

Was Angstenberger antreibt, so gut zu sein? „Ich hatte eigentlich schon immer den Ehrgeiz, gut zu sein“, sagt die Europameisterin. Bäckerin sei ihr Traumberuf, daher habe sie ein starkes Interesse, sich weiterzubilden und sich stetig zu verbessern.

Ein halbes Jahr hat Angstenberger zusammen mit ihrem Teamkollegen Stavros Evangelou (23) für EM trainiert. Einmal im Monat sind beide für eine Woche an die Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Weinheim gefahren. Kurz vor der EM waren es sogar drei Wochen am Stück, die das Team Deutschland an Zeit in das Training investiert hat.

Dieser Aufwand ist erforderlich, denn die Anforderungen an die Teilnehmer der Meisterschaft sind hoch. Der praktische Wettkampf besteht aus insgesamt sieben Modulen:

Brot, Brot aus der Überraschungsbox, Brötchen, Hefesüßteiggebäck, Plundergebäck, eine Torte oder ein Schaustück und ein Sandwich. Vor Beginn des Wettbewerbes müssen die Kandidaten ihre Rezepte für alle Backwaren bereits fertig haben und an jedes Mitglied der Jury übergeben.

Am Tag vor dem Wettbewerb haben die Kandidaten 90 Minuten Zeit, um ihre Arbeit in der ihnen zugewiesenen Backstube vorzubereiten. Alle Arbeiten sind während der Vorbereitung für den Wettkampf am nächsten Tag erlaubt, nur der Ofen darf nicht benutzt werden. Gebacken wird ausschließlich am Tag des Wettbewerbs.

Insgesamt haben die Wettbewerber für den Wettkampf fünf Stunden Zeit, um alle Module abzuarbeiten. Danach bleiben den Kandidaten 30 Minuten, um die Präsentation umzusetzen. Für die Geschmacksbewertung müssen ein Brot, fünf Weizenbrötchen, jeweils fünf Hefesüßteiggebäcke und Plundergebäcke zur Verfügung gestellt werden. Nach der Präsentation der Produkte haben die Teilnehmer eine Stunde lang Zeit, um eine vollständige Reinigung ihres Arbeitsplatzes durchzuführen. Anschließend wird Modul 7, das Sandwich, erarbeitet. 45 Minuten haben die Teilnehmer dafür Zeit. Punktabzüge gibt es sowohl bei der Vorbereitung als auch während des Wettbewerbs. Für jede angefangenen fünf Minuten über der Zeitvorgabe, für unerlaubte Ofenbenutzung, Gewichtsabweichungen und die Verwendung nicht erlaubter Materialien gibt es pro Jurymitglied einen Punkt Abzug von der Endnote. Ist das Schaustück nicht fertig, legt jedes Jurymitglied seinen eigenen Punktabzug fest.

Bei der Europameisterschaft

zählt jede Minute

Auch bei Angstenberger gab es Punktabzug. Die Zeit war ihr größter Konkurrent. „Alles in der Vorgabe fertig zu kriegen und zu organisieren war eine Herausforderung“, sagt sie noch vor der Siegerehrung in Weinheim.

Besonders stolz ist sie auf ihr Schaustück zum Thema Heimat. Geübt habe die Europameisterin daran genauso viel, wie für alle anderen Module. Dennoch stehe das Schaustück im Vordergrund. Man dürfe sich aber nicht daran festhalten.

Trotz des hohen Aufwandes und der Anstrengungen rät die Titelträgerin jedem, bei den Meisterschaften der Bäckerjugend mitzumachen: „Es ist eine tolle Erfahrung, und man lernt viele neue Leute kennen. Man kann Dinge ausprobieren, die man sonst nie machen würde.“

In einem Monat wird Angstenberger ihren Bäckermeister in Angriff nehmen. Auch mehr Berufserfahrung will sie sammeln: In anderen Betrieben und im Ausland. Ihr Traumziel ist die Schweiz, aber auch Belgien steht auf der Wunschliste.

Ob Angstenberger Weltmeisterin werden will? Den Titel habe sie bereits im Blick. Die beste Jungbäckerin Europas möchte sich aber noch etwas Zeit dafür lassen.

Tanja Angstenberger modelliert ihr Schaustück zum Thema
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