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Clean Eaters legen Wert auf Natürlichkeit

Naturbelassene oder nur wenig verarbeitete Lebensmittel gehören mit auf den Ernährungsplan der Clean Eating-Bewegung. (Quelle: Fotolia/MarylinBarbone)+
Naturbelassene oder nur wenig verarbeitete Lebensmittel gehören mit auf den Ernährungsplan der Clean Eating-Bewegung. (Quelle: Fotolia/MarylinBarbone)

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Der Ernährungstrend Clean Eating bietet auch für Bäcker neue Umsatzmöglichkeiten und Kunden

Von Barbara Krieger-Mettbach

Meine Tochter isst neuerdings clean“, berichtet Verkäuferin Sanne ihrer Kollegin Julia. „Ach? Und ich wundere mich schon, warum du Ordner wälzt und Listen kontrollierst, obwohl das sonst nicht zu deinen Lieblingsaufgaben zählt.“ Sanne nickt. „Stimmt, aber das Kind muss ja was essen. Sie steckt mitten im Abitur.“

Clean im Sinne

von naturbelassen

Julia beobachtet die Kollegin, zögert kurz, bevor sie nachfragt: „Was bedeutet das denn eigentlich genau, clean zu essen? Lebensmittel, Back- und Kochgeschirr sind doch immer . Weißt du, wie oft wir zwischendurch Tische und Theke polieren?“ Sanne klappt den Ordner zu, der über Zutaten, Zusatzstoffe und Allergene in den Waren informiert und erklärt: „Hier geht es um saubere Zutaten im Sinne von naturbelassen oder unverfälscht. Meine Tochter meidet vor allem Zusatzstoffe und weißen Zucker, beim Brot achtet sie auf Vollkorn und natürlichen Belag.“

Früher einfach Vollwertkost,

heute mit trendigem Namen

Neu ist der Ernährungsstil Clean Eating nicht, eher der Name macht ihn zu etwas Neuem. So gibt es seit Jahrzehnten Verbraucher, die stark verarbeitete Lebensmittel und Zusatzstoffe ablehnen. Ihre Zahl steigt mit dem wachsenden Ernährungsbewusstsein in der Bevölkerung und auch die Allergenkennzeichnung forciert den .

Keine Zusatzstoffe: Der

Maßstab heißt Natürlichkeit

Der Markt für „cleane“ Lebensmittel boomt. Viele Lebensmittelhersteller denken um, produzieren frei von Zucker, Laktose, Glutamat, Gluten, Weizen, Ei, Milch oder Zusatzstoffen.

Echte jedoch gehören nicht zu den Hauptkonsumenten, denn viele der entsprechend gelabelten Lebensmittel besitzen einen hohen Verarbeitungsgrad, was ihrer Ernährungsphilosophie widerspricht. Auch über die Herkunft der einzelnen Zutaten erfahren Verbraucher wenig, genau wie über die verwendeten technologischen Hilfsstoffe.

Kochen mit regionalen

Zutaten – nach der Saison

Clean Eaters kochen überwiegend selbst aus frischen Zutaten der Region und nach Jahreszeit, so wie es früher selbstverständlich war. Viele bevorzugen regionales Bio, um Frische und Herkunft miteinander zu verknüpfen. Die meisten kennen sich mit gesunder aus und achten auf nährstoffschonende Zubereitungen. Sie verwenden hochwertige Öle, Nüsse, Naturgewürze, Kräuter, wenig Salz. Fermentieren und Sterilisieren liegen im Trend. Gekeimte Saaten und Getreide gehören zur Ernährung, ebenso Hülsenfrüchte und heimisches Superfood wie Grünkohl, Rote Bete, Ingwer, Heidelbeeren.

Frühstück ist Pflicht –

um fit für den Tag zu sein

Viele Clean Eaters nehmen ihre Pausenverpflegung von zu Hause mit. Frisches Gemüse, Obst, selbst hergestellte Snacks und Smoothies gehören dazu.

Während strenge Anhänger sich perfekt organisieren, um immer Essbares in der Tasche zu haben, gehen die weniger strengen spontaner mit dem Thema um, indem sie unterwegs zukaufen.

Eine Regel befolgen jedoch alle: Morgens gut frühstücken. Das ist wichtig, um vormittags fit zu sein, und Heißhungerattacken über den Tag zu vermeiden.

Porridge, Müsli, Brei ohne Zucker, dafür mit Nüssen und frischen Früchten sind die Renner. Mit einem entsprechenden Angebot – auch To go – können Bäckereien punkten. Brot steht ebenfalls auf dem Plan.

Als Kunden in der Bäckerei konzentrieren sich Clean Eaters auf das Vollkornsortiment, am liebsten in Bioqualität. Manche schwören auf Sorten mit Superfoods wie Gerste, Hafer, Quinoa, auf Nüsse, Saaten sowie Öle.

Brote und Kuchen bevorzugt

aus Vollkorn und Urgetreide

An der Theke fragen sie nach Herstellungsverfahren, legen Wert auf Handwerk und lange Teigführung und sind bereit, dafür auch angemessen zu bezahlen. An der Kuchentheke laufen sie vorbei. Weißer Zucker ist tabu.

Wenn sie Kuchen essen, dann selbstgebacken mit Vollkorn, beispielsweise aus Emmer, Dinkel, Urkorn. Zum Süßen verwenden sie anstelle von Zucker Ahornsirup, Kokosblütenzucker oder Trockenfrüchte wie Datteln und Feigen. Aus Flocken, Trockenfrüchten, Ölen und Nüssen backen sie Müsliriegel, die ihnen zwischendurch Nährstoffe und Energie liefern. Auch diesen Markt könnten ambitionierte Bäcker mitbedienen.

Transparenz über Herkunft

und Herstellungsprozesse

Pflanzliches dominiert die Ernährung. Wenn Fleisch gegessen wird, dann sehr wenig. Der gesamte Prozess von der Aufzucht des Tieres bis zur Schlachtung muss transparent und mit der Ernährungsphilosophie der Clean Eaters vereinbar sein.

Wurst entsteht durch Verarbeitung von Fleisch mit weiteren Zutaten, die clean sein und in die Ernährung passen können. Das ist jedoch eine individuelle Entscheidung, genau wie der Verzehr von Fisch.

Obwohl der wegen seiner Omega 3-Fettsäuren, dem Jod und Vitamin D als sehr gesundes Lebensmittel gilt, greift auch hier nur ein Teil der Clean Eaters zu. Der andere ernährt sich hauptsächlich vegetarisch oder vegan. Wieder andere essen Fisch, meiden jedoch Milch oder Weizen.

Im Bäckerimbiss wählen Clean Eaters unter anderem frische Salate, vegetarische Suppen, Brotsnacks mit Butter, Naturkäse, Antipasti, Oliven, Gemüse, Hülsenfruchtpasten, Frischkäse mit Obst.

Trennkost im Trend: Fehlt Brot in der Abendmahlzeit, muss Ersatz her.
Empfohlen werden Eiweiße, wie sie im Käse enthalten sind.
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