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Bio – ein stabiler Trend

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Auch in 2009 gewinnen Bäcker Marktanteile

Von Werner Kräling

Bio verliert Umsatz“ oder „Discount sorgt für Bio-Abschwung“ waren Schlagzeilen, die man im August 2009 in der Fachpresse für Lebensmittelhersteller lesen konnte.

Doch wie so oft gilt es, bloße Zahlen in Statistiken genauer zu analysieren, Tatsachen und Ursachen auf den Zahn zu fühlen. So erklärt Helmut Hübsch von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), dass der Umsatzrückgang bei Bio allgemein in erster Line aus den gegenwärtigen Preiskämpfen der Discounter resultiert: Der wird zwar bei den konventionellen Produkten ausgefochten, doch die Preisabstände zwischen konventioneller und Bio-Ware halten Aldi und Co: gezielt klein. Ursache für geringere Umsätze sind also die niedrigeren Preise der Discounter und eine gesunkene Nachfrage im LEH und bei den Discountern.

Eine weitere Beobachtung spricht ganz explizit für die ungebrochene Attraktivität des Bio-Segments – nämlich im Sortiment von Fachgeschäften: Dort sind Preise und Nachfrage laut GfK nämlich stabil geblieben und das WOB-Fachhandelsbarometer weist für das zweite Quartal 2009 sogar ein plus von 2,5 Prozent bei den Fachgeschäften, wie z.B. den Bäckereien aus!

Krisenresistente Haushalte

Eine Ursache für die stabile Nachfrage bei den Fachgeschäften mit höheren Preisen liegt sicherlich darin, dass rund ein Drittel der Verbraucher in Deutschland durch die Wirtschaftskrise überhaupt nicht betroffen ist, so das Ergebnis einer Erhebung der GfK. Aus dieser Verbrauchergruppe rekrutieren sich wiederum die typischen Käufergruppen mit hohem Anspruch an Bio-Produkte im Fachgeschäft: Überdurchschnittliches Einkommen und hohes Bildungsniveau sind typische Merkmale dieser Käufer.

Dass eine konjunkturelle Flaute oder selbst eine handfeste Wirtschaftskrise Bio-Brote grundsätzlich aus der Erfolgsspur bringen kann, scheint also eher unwahrscheinlich. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), geht davon aus, dass die Wirtschafts- und Klimakrise die Nachfrage nach Bio-Produkten sogar stärken kann: „Viele Verbraucher wollen gerade jetzt nachhaltig konsumieren, sie wollen faires und regionales Wirtschaften stützen, denn das Bedürfnis nach überschaubaren, regionalen Wirtschaftskreisläufen ist gestiegen“, so der BÖLW-Vorsitzende.

Handwerksbäcker gewinnen

Diese zunächst überraschende Annahme gewinnt durch die gegenwärtige Entwicklung am Backwarenmarkt an Plausibilität bzw. eine beeindruckende empirische Stütze: Während die Haushalte für Bio-Backwaren im ersten Halbjahr 2009 insgesamt 9,3 Prozent weniger ausgaben, konnten die Fachgeschäfte sprich Handwerksbäcker sogar um 1,2 Prozent bei Brot und 4,0 Prozent bei Brötchen zulegen! Der LEH und die Discounter haben bei Brot also ein Minus im zweistelligen Bereich hinnehmen müssen! Bei Bio-Lebensmitteln insgesamt liegt das Minus der Discounter bei gut 6 Prozent. Offenkundig verbinden Verbraucher Bio mit Premium und sprechen deshalb den Bäckern die Kompetenz zu. Bio und Discount wird ein zunehmend diskutiertes Thema: Passt das überhaupt zusammen?

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