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Bargeldlos – Trend mit begrenztem Begeisterungsfaktor

Eine Bargeldlos-Variante: QR-Code vom Kassendisplay scannen, bestätigen – fertig. (Quelle: Hersteller)+
Eine Bargeldlos-Variante: QR-Code vom Kassendisplay scannen, bestätigen – fertig. (Quelle: Hersteller)

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Von Hans Stumpf

Das Ergebnis ist eindeutig: einen klaren Trend in der backenden Branche zum bargeldlosen Bezahlen gibt es nicht. „Wir bieten die Möglichkeit der nur an Gastro-Standorten mit überwiegend junger Kundschaft“, sagt Stefan Hackner, Geschäftsführer des gleichnamigen Backhauses in Gaimersheim mit Standorten im Großraum Ingolstadt.

An „normalen“ Standorten hätten Kunden die Möglichkeit der Kartenzahlung maximal bis zu 70-mal monatlich angenommen. „Sie wurde deshalb wieder eingestellt.“

Kein Bargeld

gleich mehr Hygiene

Wobei bargeldloses Bezahlen durchaus Vorteile hat: Das Handling von im Laden, Wege zum Stammhaus und zur Bank entfallen. Es ist hygienischer, wenn die Mitarbeiter kein Bargeld anfassen müssen. Das Problem mit , sowohl durch Mitarbeiter als auch durch externe Personen, sinkt.

Ganz ohne Bargeld wollen in wenigen Jahren Länder wie Schweden und Dänemark auskommen. Die Hälfte der schwedischen Banken nimmt heute schon kein Bargeld mehr an.

Die Suche nach dem

geeigneten Bezahlkonzept

Jan Forbriger kennt dies auch, nicht aus Schweden, sondern von seinen Hausbanken: „Bargeldentsorgung wird zur Herausforderung, denn keine Bank möchte sich mehr mit Bargeld beschäftigen.“

Die Familie Forbriger betreibt von Reichenbach im Vogtland aus eine Reihe von Filialen in Sachsen.

In Duisburg bleibt

Bargeld die Nummer eins

Forbriger setzt Kartenterminals in den Cafés ein, wo sie auch rege genutzt werden. Das Betriebsrestaurant der Sparkasse Vogtland wird sogar betrieben. „Im Hause einer Bank bietet sich das natürlich an“, sagt Forbriger. Für seine Fachgeschäfte sucht er hingegen noch nach einer Lösung für ein bargeldloses Bezahlkonzept.

Bei der Bäckerei Bolten (Duisburg) ist nach wie vor Bargeld das Maß aller Dinge in den Filialen. „Wir führen in Kürze eine elektronische Kundenkarte ein, die als Gutscheinkarte, Sammelkarte und auch als Prepaidkarte eingesetzt werden kann“, sagt Geschäftsführer Ralf Bolten.

Verschiedene Kassenhersteller bieten inzwischen solche Kartensysteme an. Dabei lädt der Kunde seine Karte mit einem Guthaben auf und kann einfach mit der Karte bezahlen.

In der Regel ist eine Online-Anbindung der Kasse an das Kassensystem mit seiner Datenbank erforderlich. Bei verschiedenen Herstellern können die Karten jedoch auch genutzt werden, wenn die Online-Verbindung kurzzeitig unterbrochen ist.

Bezahl-App einfach

aufs Smartphone laden

Dann wird der eingekaufte Betrag direkt von der Guthabenkarte abgezogen und bei der nächsten Onlineverbindung der Karte mit dem System in der Datenbank aktualisiert.

Einen Schritt weiter geht HS-Soft, die eine App als Fortschreibung der Kundenkarte anbieten. Diese App können sich Kunden auf ihr Smartphone laden.

Wird ein Guthaben für die Kundenkarte gekauft, erzeugt die Ladenkasse einen QR-Code, den der Käufer in sein Smartphone scannt und so seine virtuelle Kundenkarte aufgeladen hat.

Kauft der Kunde im Laden ein, werden zum Abschluss des Kaufvorgangs auf dem Kundendisplay der Kasse wieder ein QR-Code und die zu bezahlende Summe angezeigt. Der Kunde scannt den QR-Code und bestätigt damit die Abbuchung von seiner Kundenkarte.

Bei Samuelson ist das Tool Kundenbindung im Lizenzumfang der „BackShop Bäckerkasse“ inbegriffen. Im Mittelpunkt steht auch hier die Kundenkarte. Samuelson empfiehlt zum Beispiel durch Rabattaktionen bei Zahlung mit der Prepaid-Guthabenkarte die Nachfrage von Kundenseite her attraktiver zu machen.

Die Personalisierung der Karte mit dem Namen des Kunden erlaubt es, dass die Verkaufsmitarbeiter den Kunden im Verkaufsgespräch mit Namen ansprechen.

Mehrwegbecher

mit Barcode

Eine etwas andere Form von Kundenkarte hat Vectron mit einem Mehrwegbecher auf den Markt gebracht. Auf dem Becher befindet sich ein Barcode, der wie eine Plastik-Kundenkarte zum Sammeln von Treuepunkten und auch zum Bezahlen genutzt werden kann.

Einer der Vorteile von Kundenkarten mit Bezahlfunktion ist, dass auf Bargeld weitgehend verzichtet werden kann. Beim Aufladen wird jedoch meist bar bezahlt. Zunehmend wird es jedoch durch sinkende Transaktionskosten der Banken günstiger, Zahlungsterminals einzusetzen.

Bei den neuen Giropay-Karten erfolgt die Abbuchung kontaktlos mit der NFC-Technologie. Bei Beträgen unter 25 Euro entfällt die Eingabe der PIN, was den Vorgang beschleunigt.

Um das Bargeld zumindest weg von den Verkaufsmitarbeitern zu bekommen, bieten sich Bezahlautomaten an. Die Bäckerei Forbriger setzt noch keine dieser Geräte ein, beobachtet aber den Markt.

„Ich bin skeptisch. Der Automat entfernt uns weiter vom Kunden, der Verkauf wird unpersönlicher“, lautet die Argumentation von Jan Forbriger.

Er sieht hier einen Vorteil gegenüber den Backstationen schwinden, erkennt jedoch auch einen klaren Nutzen: „Das Betrugsrisiko von Kunden und Mitarbeiter geht gegen Null.“

Kunden stehen Automaten

skeptisch gegenüber

Diese Argumente haben Andreas Fickenscher aus dem fränkischen Münchberg überzeugt. Seit acht Jahren hat Fickenschers Backhaus in einer Vorkassenzone einen Bezahlautomaten in der Theke integriert.

„Trotz der Vorteile und der Begeisterung unserer Verkäuferinnen für diese Technik überwiegt die Skepsis der Kunden“, sagt Fickenscher.

In manchen Betrieben hat die Karte das Bargeld bereits vollständig verdrängt.
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