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Viele Verbraucher greifen zu alternativen Süßmitteln / Manche erwarten das auch vom Bäcker / B. Krieger-Mettbach
Mein Kind ist dünn. Warum sollte ich ihm Süßigkeiten verbieten? Ein beliebtes Argument von Eltern, um sich mit dem Thema Naschen gar nicht erst zu beschäftigen. Doch so logisch wie es sich anhört, ist es leider nicht. Versüßen sich Kinder grenzenlos den Tag, fehlt ihnen am Esstisch der Appetit. Sie gleichen zwar die zusätzlichen Kalorien der Süßigkeiten wieder aus, ihre Ernährung ist jedoch arm an lebensnotwendigen Nährstoffen. Ein Mahlzeitenrhythmus bleibt diesen Kindern oft fremd. Sie lernen nicht, sich ausgewogen zu ernähren. Fehlernährung begleitet sie ins Erwachsenenleben und erhöht das Risiko für ernährungsabhängige Krankheiten.
Zahngesundheit ist ein weiteres Argument gegen das ständige Naschen. Lutscher, Bonbons, Kekse umspülen die Zähne lange mit Zucker, was den Zahnschmelz angreift. Verzichten muss dennoch niemand. Raten Sie besorgten Kunden, den Kleinen das Naschen von ein oder zwei Portionen Süßigkeiten, Keksen, Eis am Tag zu erlauben und danach die Zähne zu putzen. Der beste Zeitpunkt für Süßes ist nach dem Essen. Dass trotz gestiegenen Zuckerkonsums heutzutage weniger Karies auftritt als noch vor Jahrzehnten, gilt als Erfolg einer verbesserten Zahnpflege. Sie spielt eine Schlüsselrolle bei Kariesvorbeugung. Spezielle zahnfreundliche Süßigkeiten enthalten Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit. Ihre Schattenseite, abgedruckt auf jeder Packung: Sie wirken in höherer Dosis abführend.
Alternative Süßmittel
Die beliebteste Zuckeralternative ist Honig in allen Qualitätsstufen. Weitere sind Apfel- und Birnenkraut, Dicksäfte und Ahornsirup. Vollrohrzucker, auch als Ur-Süße bekannt, zeichnet sich durch einen karamellartigen Geschmack aus. Alle alternativen Süßmittel sind naturbelassen oder wenig verarbeitet. Ihre Einsatzorte: Vollwertküche und -bäckerei. Außer Kohlenhydraten enthalten sie Mineralstoffe, Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme. Üblicherweise ist die Verzehrsmenge jedoch so gering, dass diese Vorteile eher theoretisch sind. Ihre Süße erhalten alle Produkte durch ihren natürlichen Zucker – der die gleiche kariogene Wirkung wie Haushaltszucker besitzt. Dicksäfte, Kraut und Honig sind kalorienärmer als weißer und brauner Zucker. Rund 100 Kalorien beträgt der Unterschied zwischen Honig und Zucker. Nur auf den ersten Blick ist dies ein Pluspunkt für Honig, denn seine Süßkraft ist geringer als die des Zuckers. Das bedeutet, um einen vergleichbaren Süßeffekt zu erzielen, ist mehr Honig als Zucker erforderlich. Mit Sirup und Dicksäften verhält es sich ebenso. Wie alle Naturstoffe, können auch die süßen bei entsprechend vorbelasteten Personen Allergien auslösen. Ob Bäcker ihren Kuchen mit Honig oder Zucker süßen, sollte die Rezeptur entscheiden. Kuchen ersetzt kein Vollkornbrot. Er ist ein Genussmittel. Er muss schmecken. Gut, wenn er außerdem gesund ist, aber er sollte nicht krampfhaft auf gesund getrimmt werden.
Süßstoff kein Appetitanreger
Süßstoff macht hungrig. Eine These, die seit Jahren Übergewichtige und Diabetiker verunsichert, bis heute aber wissenschaftlich nicht bewiesen ist. Die Praxis zeigt jedoch, dass eine häufige Ursache für Süßhunger nach Süßstoffverzehr eher im Verhalten der Anwender als im Süßstoff selbst liegt. Viele nehmen mit einseitigen Kostformen und Crash-Diäten wenig Kohlenhydrate auf. Daraus resultieren ein niedriger Blutzuckerspiegel und Süßhunger. Wird dieser mit Süßstoff bekämpft, so steigt der Heißhunger weiter, da lediglich süßer Geschmack, nicht aber dem Körper die benötigten Kohlenhydrate zugeführt werden. Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln zu den Mahlzeiten beugen Süßhunger vor. Süßstoffe beeinflussen weder den Blutzucker, noch schädigen sie die Zähne. Sie werden künstlich hergestellt und sind kalorienfrei. Ausnahmen: Aspartam und Thaumatin enthalten geringfügig Energie. Süßstoffe unterliegen der Zusatzstoffzulassungsverordnung. Alle tragen eine E-Nummer, für viele gibt es einen ADI-Wert. ADI steht als Kürzel für Acceptable Daily Intake. Übersetzt bedeutet es, die tolerierbare Aufnahme pro Tag.
Trendy: Fruktose-Glukose-Sirup
Dieser Wert besagt, wie viel eines Stoffes ein Mensch sein Leben lang aufnehmen darf, ohne dass er gesundheitliche Schäden erwarten muss. Maßstab ist das Körpergewicht. Zum Backen eignen sich nur hitzestabile Süßstoffe. Wegen ihrer chemischen Herkunft finden Süßstoffe in der Vollwertbäckerei keine Verwendung.
Glukose- und Fruktosesirupe bieten technologische Vorteile bei der Lebensmittelproduktion. Hersteller geben an, dass sie sich leichter verarbeiten lassen und in Pralinen, Marzipan oder Lebkuchen nicht auskristallisieren.
Getränke, Milchprodukte, Süßwaren, – immer mehr gesüßte Produkte enthalten die Sirupe, meist als Kombination. Ausgangsmaterialien: Mais- oder Kartoffelstärke, die chemisch verzuckert wird. Enthält ein Fruktose-Glukose-Sirup beide Sirupe zu gleichen Anteilen, dann besitzt er die gleiche Süßkraft wie Zucker. Oft überwiegt Fruktosesirup. So erhält man ein Gemisch mit höherer Süßkraft. Um ein Lebensmittel zu süßen, braucht man so weniger Süßmittel. Das Endprodukt ist kalorienärmer, was dem Wunsch vieler Verbraucher entspricht.
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