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Auch draußen ist Ambiente alles

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Der Außenbereich ist der erste Eindruck, den Kunden vom Geschäft bekommen / Sitzbereiche für unterschiedliche Zielgruppen einrichten


Von Dieter Kauffmann

Das Café Mahlwerk in Langenfeld liegt sehr zentral mit Blick auf die Ortsmitte mit der Kirche. „Ein später Nachmittag im Sommer ohne – das hätte einen schweren Umsatzeinbruch für uns zur Folge“, beschreibt Frank Klappach den Stellenwert von Indoor und für sein kleines Unternehmen.

Das Café betreibt er gemeinsam mit seiner Frau Judith erst seit einem Jahr und hat schon seine Erfahrungen gemacht mit dem, was Kunden von einem Außengastronomiebereich erwarten. „Die Wichtigkeit eines hochwertigen Ambientes auch für draußen unterschätzt man total“, so Klappach. „Wir hatten aus Kostengründen eher eine einfache Ausstattung für den Freibereich gehabt, aber Gäste haben uns konkret darauf angesprochen, sodass wir für dieses Jahr hier etwas tun mussten.“ Für Frank Klappach heißt das, er investiert in eine hochwertige Bestuhlung mit verschiedenen Sitzbereichen, Grünpflanzen und trennenden Elementen. „Die Gäste auf der Terrasse wollen sich zurückziehen und auch mal von außen nicht gesehen werden.“

Dass billige Möbel keine gute Idee für den Außenbereich eines Cafés sind, sagt auch Tobias Staack: „Alte, bereits von der Sonne ausgeblichene Plastikstühle sind kein schöner Anblick und alles andere als einladend“, so der Chef-Architekt von Berner Ladenbau. „Das Ziel muss sein, den Terrassenbereich möglichst attraktiv zu gestalten.“ Berner setzt daher auf Outdoor-Möbel mit hoher Qualität, beispielsweise auf Coffee-Lounge-Möbel. „Wichtig ist“, betont Tobias Staack, „dass diese nicht nur gut aussehen, sondern auch bequem sind.“

Norbert Schmees von orientiert sich bei seinen Empfehlungen am Zeitgeschmack: „Out sind einfache Plastikstühle und -tische. Sehr gern angenommen werden aktuell Korbsessel in Ratanoptik, ausgestattet mit bequemen Sitzpolstern.“ Wenn diese für kühlere Tage auch noch mit einer leichten Decke ausgestattet sind, kann das Passanten schnell zum Verweilen überreden, so Schmees. Das Sitzgeflecht sollte strapazierfähig sein, denn die Stühle und Sessel müssten auf Dauer der Witterung standhalten. Zur Wertbeständigkeit tragen auch Metallkappen an den Füßen bei, denn das Hin- und Herschieben beim Hinsetzen und Aufstehen belaste das Material sehr stark, besonders auf rauhem Untergrund.

„Unsere Außenterrasse ist in zwei verschiedene Bereiche eingeteilt“, erklärt , dessen neues Hauptgeschäft ein vor kurzem erstellter Freestander im pfälzischen Edenkoben an der Weinstraße ist. „Der eine Bereich ist der sogenannte Weingarten mit Bierzeltgarnituren, deren Bänke mit Rückenlehnen ausgestattet sind. Der andere Teil ist in Einzelbestuhlung mit Ratansesseln belegt.“ Insgesamt stehen 100 Plätze draußen zur Verfügung und werden von den Gästen benutzt, sobald es warm wird. Diese Art der Außenbestuhlung kommt den ganz unterschiedlichen Gästen von De’Bäcker Becker sehr entgegen. Sein bunt gemischtes Publikum besteht aus jungen Leuten, die gerne bei ihm Mittag essen, den täglichen Treffen von Rentnern und Hausfrauen sowie vielen Tagesgästen, die touristisch in der Gegend unterwegs sind. Aktuell baut Claus Becker einen weiteren Standort in Ortsmitte mit Innen- und Außenbereich um und bemängelt die Vorgehensweise von manchen Ladenbauern: „Obwohl über den Außenbereich gesprochen wird, fehlt dieser im Angebot.“ Da müsse man aufpassen, dass dieser Posten dann nicht unerwartet zu den Kosten für den Innenausbau dazukommt, rät Becker den Kollegen.

Durchgängiges Design

„Generell sollte die Außenanlage bereits beim Ladenumbau geplant werden“, empfiehlt Hans-Jürgen Päsler von . Die Realisierung könne aber durchaus erst in einem zweiten Schritt erfolgen. Denn eine Terrasse oder ein Freisitz sind die Verlängerung des Fachgeschäfts nach draußen. Gut gemacht, wirken sie wie ein Magnet und ziehen Kunden regelrecht an und in das Geschäft. Dabei sollte beachtet werden, dass der Stil von Außenanlage und Fachgeschäft / Café zueinander passen, betont Päsler. Die Durchgängigkeit von Außenanlage und Ladengestaltung kann beispielsweise durch einen nahtlosen Übergang des Bodens von außen in das Gebäude verstärkt werden. Bodentiefe Fensterflächen könnten im Sommer die Durchgängigkeit in beide Richtungen sicherstellen, so Jürgen Päsler. Dabei sollten Geschmacks- und Stilbrüche zwischen innen und außen vermieden werden. Denn stilbildende Elemente wie Tische und Bestuhlung sind immer als Verlängerung des Designs der Innengestaltung zu sehen.

„Der Außenbereich sollte im Idealfall so angelegt sein, dass der Kunde den ganzen Tag Sonne hat“, sagt Leonie Ungerer von Brust + Partner. Eine Nordausrichtung sei nicht zu empfehlen, deshalb müsse auch für eine Verschattung durch Markisen, Sonnenschirme oder Sonnensegel gesorgt sein. Die Bestuhlung müsse zwingend für Outdoor geeignet sein, sagt Ungerer. Hier sind mittlerweile fast überall Geflecht-Stühle zu sehen, diese werden aber nun abgelöst durch veredelte Holztische und -bänke sowie Kunststoff- und Stahlstühle in modernem . Der Trend gehe hier zur bunten Mischung der verschiedenen Sitzmöglichkeiten, also klassische Erscheinung sowie Lounge-Charakter und auch Kommunikationstische. Die Bestuhlung sollte auch im Winter draußen sein. Das mache einen guten ersten Eindruck auf die Kunden und werde dann auch bei Sonnenschein gut angenommen, betont Leonie Ungerer.

Bei der Gestaltung des Freibereichs sollten auf alle Fälle wilde Stuhlwüsten vermieden werden, so Christian Hugot von der Stuhlfabrik Schnieder. Der Freibereich sollte mit genauso viel Überlegung gestaltet werden wie ein Innenraum, damit die Gäste sich wohlfühlen. Hier signalisieren viele Naturmaterialien Ruhe und Entspannung, wonach sich in hektischen Zeiten immer mehr Menschen sehen würden. Akzente sind eher ruhig und dezent zu setzen, sodass die Handwerklichkeit der Möbelverarbeitung in den Vordergrund rücke. „Das ist unsere Stärke“, hebt Christian Hugot hervor. „Im Outdoor-Bereich setzen wir nach wie vor auf die Bauholz-Optik, damit man die Strukturen und Maserungen des Holzes sieht.“ Trotzdem ist das Material so verarbeitet, dass man sich nicht verletzen könne und es auch bei längerem Gebrauch nicht kaputt gehe. Deshalb sei die Auswahl des Holzes, deren Verarbeitung und auch die Oberflächenbehandlung hier so wichtig.

Einfache Reinigung

Auch wenn die Möbel ganzjährig draußen stehen, sei das für das Holz unproblematisch. Die Gäste wollen einen gewissen „Used Look“ (gebrauchtes Aussehen) sehen und zum Sitzen sollten sowieso Polster zur Verfügung stehen. Auch das Reinigen dieser Möbel sei kein Problem, erklärt Hugot: „Die Pflege dieser Möbel darf ruhig etwas rustikal sein. Am besten mit einer groben Bürste abbürsten und bei Bedarf mal mit Schlauch und Wasserbürste nachhelfen.“ Wichtig sei hier, dass das Personal über diese Art der Reinigung auch informiert ist, damit es nicht mit Lappen und Schwamm ans leicht rauhe Holz gehe.

Ein nicht zu unterschätzender Bereich in der Außenbereichsgestaltung sind optische Trennwände zum Nachbarn hin und der Windschutz, unterstreicht Claudia Glaser von Sperl Ladenbau. Hier müsse man aber aufpassen, dass man die Bereiche nicht zu sehr abschotte. In diese Richtung zielt auch Christian Hugot: „Der Freibereich muss mit Pflanzen, Raumteilelementen, natürlichen Begrenzungen und Blickachsen so gestaltet werden, dass der Gast das Gefühl einer bewussten Inszenierung erlebt.“

Outdoor-Abtrennungen, wie sie beispielsweise auch Vega im Sortiment hat, schaffen geschützte Bereiche und sind nicht nur ein Windschutz, sondern vermindern auch die Belastung durch Lärm und Staub. Diese durchsichtigen Wände ermöglichen auch das Sitzen im Freien während der Übergangszeit oder sogar im Winter bei Sonne. Soll in Heizquellen investiert werden, empfiehlt Brust + Partner beispielsweise Heizstrahler, die an der Fassade angebracht werden. Sogenannte Heizpilze sind zwar mobiler, aber auch gefährlicher.

Drinnen wie draußen sollte aber die aufmerksam praktizierte Gastfreundschaft die Stärke des Bäcker-Gastronomen sein, sagt Josef Hagspiel von Keller Ladenbau. Dazu gehört auch ein Platz und Spielmöglichkeiten für Kinder. Frank Klappach hat das in seinem Café Mahlwerk ganz gut gelöst. Im Innenbereich hat er für die kleinen Gäste eine Spielecke eingerichtet, im Außenbereich gibt es ein kleines Zirkuszelt: „So kommen auch Kinder gerne zu uns“. Und die Eltern wissen ihre Kleinen gut aufgehoben. „Dann haben sie auch die Zeit und Muße, sich voll auf unser gastronomisches Angebot zu konzentrieren.“

Tische, Stühle und Bänke sollen allwettertauglich sein, damit sie ganzjährig im Freien stehen können.
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