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Auch Abendkunden wollen nur kaufen

Schwierige Zeiten: letzte Kunden vor Ladenschluss. (Quelle: ABZ-Archiv)+
Schwierige Zeiten: letzte Kunden vor Ladenschluss. (Quelle: ABZ-Archiv)

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Die letzte Stunde vor Ladenschluss ist die schwierigste für Verkäuferinnen - kann aber bestens bewältigt werden

Von Barbara Krieger-Mettbach

Ich wollte unbedingt eines von den Bio-Vollkornbroten. Deswegen bin ich extra den Umweg gefahren.“ Die Kundin im eleganten Hosenanzug massiert sich die Stirn. „Was nehme ich denn jetzt nur?“ Etwas von dem, was noch da ist, denkt die .

Seit morgens steht sie in der Bäckerei, macht Überstunden, weil eine Kollegin erkrankt ist. Sie ist genervt, ihre Beine schmerzen. Ein Blick zur Uhr. Noch fünf Minuten bis zum Feierabend. „Und Vollkornbrötchen?“, hakt die Kundin nach. „Ist alles verkauft.“ „Was ist denn das Dunkle mit den Haferflocken?“ Eine andere Kundin hetzt an die Theke. „Fünf Mehrkornbrötchen, bitte.“

Der ganz normale

Abendwahnsinn

Die Verkäuferin wendet sich der Kundin zu, tütet die dunklen Brötchen mit Haferflocken ein. „Die wollte ich doch haben“, ruft die Frau im Hosenanzug angesichts des nun leeren Korbes. Nun reicht es der Verkäuferin. „Das hätten Sie sich früher überlegen müssen.“ Schimpfend rauscht die Kundin aus der Bäckerei.

Die Verkäuferin schnauft durch und schließt die Tür ab. Ein Mann klopft gegen die Scheibe, sie zeigt auf die Uhr. Wenn die letzte halbe Stunde des Tages nur nicht so viel Kraft kosten würde. Jeder Kunde erwartet noch große Auswahl und Top-Beratung. Rücksicht auf sie, die Verkäuferin, nimmt niemand.

Kunden erwarten

bis zum Schluss

Kunden kommen, um einzukaufen und nicht, um an den einer Verkäuferin teilzuhaben. Innerhalb der Öffnungszeiten können Kunden zu Recht erwarten, jederzeit auf engagiertes Personal zu treffen – auch fünf Minuten vor .

Verkaufskräfte hingegen müssen akzeptieren, dass Kunden sich in ihrer eigenen Gedankenwelt befinden und erst an der Theke überlegen, was sie kaufen wollen. , , Verkaufsstrategien sind dann besonders wichtig. Das Ziel sind zufriedene Kunden, leere Regale und volle Kassen. Mit der richtigen Einstellung gelingt es.

Das Zauberwort

heißt „Empathie“

Die wiederum setzt Empathie voraus. Wer sich in einen Kunden einfühlen kann, der neun oder zehn Stunden im Büro verbracht hat, dessen Beine vom Sitzen schmerzen und dessen Kopf mit Gedanken prall gefüllt ist, dessen Körper nach Kohlenhydraten giert, weil das Hirn alles verbraucht hat, der weiß, dass er mit freundlicher Beratung und Empfehlungen weiterkommt.

Immerhin gibt es ja noch Waren in der Theke, die ins Konzept des Kunden passen. Wer hingegen glaubt, der Kunde habe den ganzen Tag nur herumgesessen, während er selbst geschuftet hat, wird kurz vor Ladenschluss wenig erfolgreich sein.

Auf den Andrang

gezielt vorbereiten

Arbeiten Verkäuferinnen bis abends, können sie sich auf den letzten Andrang vorbereiten, indem sie ihre eigenen Kräfte gezielt einsetzen. Vor einem Sturm herrscht fast immer Ruhe – für Routinearbeiten und für die eigene Stärkung.

Nach dem Mittagessen sinkt bei vielen Berufstätigen der Blutzucker ab, weil sie mittags oder nachmittags zu wenig Kohlenhydrate gegessen haben. Das betrifft Kunden und Verkäuferinnen gleichermaßen.

Verkäuferinnen sollten

auf ihre Ernährung achten

Auf die Ernährung der Kunden haben Verkäuferinnen keinen Einfluss, auf ihre eigene schon. So ist es wichtig, mittags genügend Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln zu essen. Nachmittags hilft Brot weiter, bevorzugt Vollkorn, weil das am längsten wirkt. Angst vor Gewichtszunahme durch Brot am Nachmittag ist unbegründet.

Gefüllte Regale am

Abend sind Wunschdenken

Der Körper verbrennt die Kohlenhydrate, Konzentrations- und Leistungsfähigkeit steigen. Heißhunger am Abend bleibt aus oder ist geringer.

Was Kunden am Abend nicht erwarten können: gefüllte Regale und Theken. Unsere Beispielkundin war ratlos, aber bereit für eine Alternative, was sie mit der Frage „Was nehme ich denn nur?“ äußerte.

Alles ist besser,

als nichts anzubieten

Im Beispiel wären gleich die Mehrkornbrötchen die Lösung gewesen, es sei denn, irgendwo hätte noch ein Bio-Brot oder ein Vollkornbrot gelegen. Falsch war es, nichts anzubieten.

Wie zu keiner anderen Zeit des Tages müssen abends alle Verkaufstechniken angewendet werden. Auch Kunden am Abend tun nichts. Sie wollen nur einkaufen.


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Fast leeres Regal: Ist das gewünschte Produkt ausverkauft, bietet die versierte Verkäuferin Alternativen an.
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