Unternehmensführung
Zur Personalsuche neue Wege nutzen
Neue Mitarbeiter werben mit Plakaten, Anzeigen oder in Online-Börsen / Internet wird immer wichtiger
Nürnberg (buc). „Humankapital“ war das „Unwort des Jahres 2006“. Gleichwohl ist der Wert der „Ressource Mensch“ hoch. Ein Bäckereiinhaber sollte sich einiges einfallen lassen, um an gute Mitarbeiter zu kommen. Denn auch wenn deutsches Brot weltweit geschätzt wird, bleibt der Beruf des Bäckers nach außen doch wenig attraktiv. „Sie müssen mehr mit Ihren Pfunden wuchern“, findet Rüdiger Schuck. Der Dozent für Mitarbeiterführung an der Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks in Lochham fordert mehr Werbung für die vielfältige, abwechslungsreiche Arbeit in Backstube und Laden. Auch modernes Personalmarketing, z. B. über eine der derzeit 950 Internet-Stellenbörsen und Online-Bewerbungen, ist nötig, „sonst verlieren Sie den Kampf um junge Talente“. Hemmschwellen vor der digitalen Art der Nachwuchswerbung müsse man ablegen, denn sie sei nicht nur kostengünstiger, sondern werde künftig auch drastisch zunehmen.
Bei der 14. Unternehmensführungstagung des LIV Bayern in Nürnberg nannte Schuck als Ziele, sich vor Berufs- und Quereinsteigern als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Um starke Personalfluktuation zu vermeiden, sollte man selbst Flexibilität an den Tag legen und berechtigten Wünschen der Mitarbeiter – z. B. nach Direktversicherungen – entgegenkommen. Wer Führungspositionen prinzipiell lieber mit Leuten „von außen“ besetze, sollte umdenken; denn wenn man sie auch mal intern ausschreibe und besetze, eröffne das den Mitarbeitern Aufstiegsmöglichkeiten: „Das ist enorm motivierend!“ Vermeiden sollte man aber, per Umbesetzung anderswo Löcher aufzureißen.
Events gewinnen an Bedeutung
Um gutes externes Personal zu werben, ist neben Anzeigen (Tipp: Nie anonym mit Chiffre – das schreckt bis zu 60 % der Bewerber ab), Plakatanschlägen, Messebesuchen und der Einschaltung von „Headhuntern“ und Arbeitsamt oft eine Prämie hilfreich, die man den eigenen Beschäftigten bei erfolgreicher Vermittlung zahlt.
Immer stärkere Bedeutung gewinnen „Events“ wie Parties, mobile Infostände oder Tage der offenen Tür, um mögliche Bewerber anzusprechen. Auch persönliche Kontakte zu Weiterbildungsinstituten, Schulen oder zum Rathaus sollte man nutzen. Aber, so Schuck: „Stellen Sie nicht aus Freundlichkeit den Sohn oder Bekannten eines guten Kunden automatisch ein – lassen Sie Ihn genauso einen Einstellungstest absolvieren wie jeden anderen.“ Anzuraten sei auch eine Mitarbeit zur Probe in Backstube oder Laden im Vollbetrieb. Und ein vernünftiges Auswahlgespräch sei „die Mutter aller Einstellungserfolge“. Es sollte nicht länger als eine Stunde dauern.
Einstellungstests immer sinnvoll
Was den Lebenslauf eines Bewerbers betrifft, mahnte der gelernte Industriekaufmann, großzügiger zu sein als früher und Lücken oder Brüche nicht so dramatisch zu sehen.
Sinnvoll findet Schuck einen kleinen, auf die Ansprüche zugeschnittenen Einstellungstest. Bei Lehrlingen beispielsweise zeigen Fragen wie „Nenne vier Zutaten, die zur Herstellung von Kuchen verwendet werden“ oder „Nenne vier Brotsorten, die du in deiner Bäckerei kaufen kannst“ die Nähe zum Gewerbe. Nicht zulässig seien Fragen etwa zu Behinderung oder Schwangerschaft; die strengen Bestimmungen des Gleichbehandlungsgesetzes sind auch bei Stellenausschreibungen zu beachten. Der studierte Betriebswirt und Politologe riet davon ab, auch nur ein Lichtbild zu verlangen; schon der Ausdruck „junges Team sucht ...“ könne als Diskriminierung Älterer verstanden werden. Auch aus Absagen sollten Begründungen herausgehalten werden.
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