Unternehmensfuehrung

Zukunft findet im Gehirn statt

Nur durch Ausprobieren erkennt man, was möglich ist: Trends und deren Chancen auf der Unternehmensführungstagung des LIV Bayern


Nürnberg (p). „Es gibt hier keine Rezepte, allerdings Wissen, das in Ihre Gedanken einfließen kann.“ So beschrieb Dr. Wolfgang Filter das Ziel der Unternehmensführungstagung des bayerischen Bäckerhandwerks in Nürnberg. Unter dem Titel „Wege aus der Krise“ standen Referate sowohl von Praktikern aus dem Bäckerhandwerk als auch branchenfremden Fachleuten auf der Tagesordnung.

Dr. Filter, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes, zeigte den über 60 Teilnehmern die Situation anhand einiger Zahlen auf. Im Vergleich zu den 1950er Jahren würde ein 4-Personen-Haushalt nur 14 statt damals 46 Prozent seines Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Eine zunehmende Zahl an Wettbewerbsteilnehmern kämpfen um den knapper werdenden Anteil.

Aus den ERFA-Kreisen wusste Dr. Filter zu berichten, dass das Liefergeschäft für Bäcker immer schwieriger werde. Betriebskantinen würden schließen und die Regalbestückung in Supermärkten führe zu hohen Preiszugeständnissen. Gleichzeitig sind Überkapazitäten festzustellen, auch Mietverträge in Vorkassenzonen würden wesentlich kürzer gehalten.

Die Betriebe reagieren recht unterschiedlich auf diese Rahmenbedingungen. „Es gibt hier und da auch eine Unternehmerkrise", beschrieb Dr. Filter persönliche Fehler von Unternehmern. Verbunden sei dies auch mit fehlenden Unternehmernachwuchs. 82 Prozent würden über zu wenig Freizeit klagen, 83 Prozent der Betriebsnachfolger sehen eine hohe Belastung auf sich zu kommen. Dennoch wollte Dr. Filter die Zukunft des Bäckerhandwerks nicht schwarz malen. „20 Prozent der Verbraucher werden dem Premium-Segment zugerechnet.“ Die müsse man als Kunden gewinnen.

Optimistisch in die Zukunft

„Ein Gewinner übernimmt Verantwortung“, argumentierte Antony Fedrigotti, seines Zeichens einer der meist gefragten Mental- und Erfolgstrainer. Er machte den Tagungsteilnehmern klar, dass die Zukunft im Kopf beginnt. „Denken Sie nicht in Krisen, sondern in Lösungen.“ Keiner könne die Zukunft vorher sehen. Man solle sich hier nicht beeindrucken lassen. Angst habe eine andere Anziehungskraft als Erfolg. Deshalb riet Fedrigotti zum positiven Denken.

Allerdings machte der aus Südtirol stammende Unternehmer und Trainer auch klar, dass Erfolg aus Arbeit und Leidenschaft besteht. Man müsse Grenzen überschreiten und etwas Neues tun. „Probieren Sie immer wieder Neues aus. Sie wissen dann zumindest, was nicht geht.“ Man nütze aber auch die Chancen, Erfolge zu erzielen. „Es gibt Menschen, die motivationsresistent sind“, klagte Fedrigotti mit Blick auf die Mitarbeiter. Zumal viele auch ein negatives Gehör hätten, also nur negative Nachrichten aufnehmen.

Die Notwendigkeit des positiven Denkens untermauerte Fedrigotti mit wissenschaftlichen Daten. So verarbeite unser Gehirn 400 Mrd. Bit. Allerdings nur 2000 Bit seien uns bewusst. „Heute weiß man auch, dass das Sehen und Vorstellen in den gleichen Gehirnregionen verarbeitet wird.“ Die Zukunft finde also im Gehirn statt. Die Tagungsteilnehmer konnten selbst erleben, wie sie alleine durch Gedankenkraft einen an einer Schnur aufgehängten Stift zum Schwingen bringen konnten.

Statt von Konsumenten sprach Dipl. Kfm. Christoph Hinderfeld von „Prosumenten“. Damit meint er Konsumenten, die mit Blick auf Nachhaltigkeit und Werten einkaufen. Hinderfeld ist Mitbegründer des Zunft-Instituts, das derartige Trends erforscht und auch konkrete Projekte zur Nachhaltigkeit und Regionalisierung umsetzt.

Wandel der Werte

Dabei konnte Hinderfeld eine Reihe von Nachhaltigkeits-Trends feststellen. Mit Blick auf das Bäckerhandwerk wies er zum Beispiel auf das steigende Gesundheitsbewusstsein, samt Bio und Wellness, hin. „Ego-Benefit ist sehr wichtig. Also was ich mir selbst Gutes tue.“ Die Globalisierung stärke auch die Regionalisierung, da die Entwicklung zur Beliebigkeit auch Gegentrends beschleunige.

Ökologischer Lifestyle führe zu einer vermehrten Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und nachhaltiger Ernährung. Christoph Hinderfeld: „Dies alles wird durch das Internet verstärkt und begleitet.“ Dabei werde der Markt transparent, überprüfbar und aktuell. Deshalb riet der Fachmann den Bäckern, über die eigene Homepage hinaus präsent zu sein. So könne man Beiträge in die Online-Bibliothek Wikipedia einstellen, um seine fachliche Kompetenz darzustellen. „Gleichzeitig können Sie durch Schlagworte über Wikipedia auf Ihre Homepage verweisen.“

Ganz praktisch gesehen könne man Konsumenten zu Prosumenten machen, in dem man den Dialog mit ihnen aktiv fördere. „Fragen Sie nach Produkt- und Dienstleistungswünschen. Fragen Sie, was verbessert werden kann“, nannte Hinderfeld einige Beispiele.

Der Referent ging aber noch weiter auf die backende Branche ein. Hier sah er einen klaren Trend zurück zu den Wurzeln. „Entdecken Sie Ihre authentischen Wurzeln wieder, beleben Sie Traditionen und erzählen Sie Geschichten über Ihre Produkte.“ Als gelungene Beispiele stellte Hinderfeld die Unternehmen Aran und Solnhofener Klosterbrot vor.

Symbol für Modernität

Einblicke in die McDonald's-Story gab Direktor Rainer Pastätter. Er ist in leitender Position bei einem der größten Franchise-Nehmer des Fastfood-Unternehmens tätig. Rund 2,5 Mrd. Euro Umsatz macht McDonald's in Deutschland. „Wir wollen aber nicht nur größer als andere sein, sondern besser“, zeigt Pastätter die Unternehmensphilosophie auf. Der Weltkonzern ist auf einer mittelständischen Basis aufgebaut, denn 70 Prozent der Restaurants werden von Franchise-Nehmern geführt.

Da McDonald's längst ein Mitbewerber des Bäckerhandwerks ist, war es für die Tagungsteilnehmer höchst interessant, dessen Philosophie kennen zu lernen und vielleicht Anregungen für das eigene Tun zu gewinnen. „Die Herausforderung ist, immer jung zu bleiben“, beschreibt Pastätter die Situation. Das Unternehmensversprechen stellte er mit klaren Attributen vor: offen, fair und verlässlich. Das Markenversprechen kann er ebenfalls ganz klar definieren: Einfach, locker, genießen.

Wie man Brot an die Frau und den Mann bringt, zeigte Prof. Dr. Anna Nagl von der Hochschule Aalen auf. „Ich warne vor Marketing nach dem Gießkannenprinzip.“ Deshalb sei eine klare Positionierung enorm wichtig. „Bleiben Sie sich als Unternehmer-Persönlichkeit treu und konzentrieren Sie sich jeden Tag neu darauf.“ Man müsse allerdings auch wissen, wie man vom Markt wahrgenommen werden soll und sich vom Wettbewerb abheben will.

Immer klar positionieren

Mit Blick auf die gegenwärtige Krise, geht Prof. Dr. Nagl von einer Marktbereinigung aus, deren Ausgang noch offen ist. Es werde aber sicherlich Unternehmen geben, die gestärkt daraus hervor gehen. Wer dazu gehören wolle, der müsse wissen, dass Marketing nicht erst beim Verkaufen beginne.

Als Beispiel, wie man in gesättigten Märkten mit gleichartigen Produkten Erfolg haben könne, zeigt Prof. Dr. Nagl die Tankstellen auf. „Es gibt Autofahrer, die fahren mit dem letzten Tropfen, nur um zu ihrer Tankstelle zu kommen.“ Als Grund nannte die Professorin die Markenbindung der Autofahrer.

Das schaffe auch ein Bäcker. „Sie müssen sich differenzieren, entweder Sie werden Qualitätsführer oder Kostenführer.“


Artikel vom 25.11.2009
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