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Zu wenig Betriebe nehmen das Angebot wahr

Interview mit Heinz Essel, dem Geschäftsführer der BKV-Nord e.V.


Die BKV-Nord (Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord) präsentiert sich und ihre Leistungen zusammen mit dem Bäckerinnungsverband Niedersachsen/Bremen auf der Internorga am Stand B6.427. Wir sprachen darüber mit BKV-Nord-Geschäftsführer Heinz Essel.

ABZ: Wie präsentiert sich die BKV-Nord dieses Jahr auf der Internorga?

Heinz Essel: Wir werden uns wie in den vergangenen Jahren wieder mit den Verbänden Niedersachsen/Bremen und Berlin Brandenburg auf einem Gemeinschaftsstand in der neuen Halle B6 präsentieren. Dort werden wir mit weiteren Partnern unser Dienstleistungsangebot den Betrieben anbieten und stehen für alle Fragen mit einer kompetenten Standbesetzung an allen Tagen zur Verfügung. Wir freuen uns auch über Nichtmitglieder, um die Vorteile einer Innungsmitgliedschaft vorzustellen.

ABZ: Wie schätzen Sie die Bedeutung dieser Messe für das Bäckerhandwerk ein?

Heinz Essel: Erstmals werden die Angebote für Bäckerei- und Konditoreibedarf und Ladenbau in einer Halle präsentiert.

Die Internorga ist auch für das Bäckerhandwerk eine der wichtigsten Messen in Deutschland. Die Messe bietet, neben den fachspezifischen Angeboten für das Bäcker- und Konditorenhandwerk in der Halle B6, in 12 Hallen Neuheiten, Trends und Komplettlösungen aus allen Bereichen des Außer-Haus-Marktes an. Keine andere Messe kann diesen Gesamtüberblick mit wertvollen Anregungen bieten. Von dem größeren Angebot werden auch die Fachbesucher unserer Betriebe profitieren.

ABZ: Was sind Ihrer Meinung nach die Zukunftstrends im Bäckerhandwerk?

Heinz Essel: Es war in den letzten Monaten zu spüren, dass Genuss und Qualität wieder eine größere Rolle bei den Verbrauchern spielen. Es ist wichtig, dass auch das Bäckerhandwerk diesem Trend folgt und eine unverwechselbare Top-Qualität nach eigenen Rezepten bietet. Auch die Erfolge im Außer-Haus-Verzehr beweisen, dass der Kunde inzwischen die hervorragende Qualität und größere Vielfalt des Bäckerhandwerks honoriert.

Der Bio-Markt profitierte vom Aufwärtstrend und wird weitere Zuwächse erzielen.

Wir empfehlen jedoch genau zu untersuchen, ob ein Trend ins eigene Unternehmenskonzept passt. Denn nicht jeder Trend ist auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten für jeden Betrieb sinnvoll und umsetzbar.

ABZ: Welche Konsequenzen zieht der Verband aus dieser Entwicklung?

Heinz Essel: Wir bieten unseren Betrieben inzwischen unterschiedliche Weiterbildungsangebote und Seminare an, um über die aktuellen Entwicklungen am Markt zu informieren. Leider nehmen zu wenige Betriebe – meistens die gleichen Betriebe – diese Angebote wahr.

Auch unsere Berater stehen den Betrieben mit Rat und Tat zur Verfügung. Generell ist zu sagen, dass jeder Betrieb schneller auf die Marktentwicklungen reagieren muss, um den Anschluss nicht zu verlieren. Das bedeutet aber auch, dass mehr in Weiterbildung der Mitarbeiter investiert werden muss, um den Beratungsanpruch der Kunden gerecht zu werden.

ABZ: Strukturwandel im Bäckerhandwerk: Welche Tendenzen – auch mit Blick auf die Berufsorganisation – sind in Ihrer Region abzusehen?

Heinz Essel: Unsere Betriebe erwarten inzwischen ein großes Dienstleistungsangebot von uns. Viele Betriebe sind mittlerweile überfordert, neben ihren Kernaufgaben die weiteren Anforderungen an ein klein- und mittelständisches Unternehmen komplett zu erfüllen. Dies betrifft insbesondere alle rechtlichen Fragen, große Teile der Betriebswirtschaft und -führung und die Flut von Änderungen der Bundes- oder Landesregierungen, die meistens mehr Bürokratie als Entlastung beschert. Hier ist die Anforderung an den Verband um ein Vielfaches gewachsen. Speziell die Lobbyarbeit und die Gespräche mit den verschiedenen Ministerien und Behörden wurden nahezu verdoppelt. Ohne Verband wäre der Betrieb auf sich alleine gestellt, ohne Chance in der Beeinflussung der Politik. Die erfolgreiche Arbeit funktioniert nur in der guten Zusammenarbeit von Innung, Landesinnung und Zentralverband. Leider profitieren auch immer wieder trittbrettfahrende Nichtmitglieder von dieser Leistung.

Um unseren Mitgliedsbetrieben in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ein erweitertes Dienstleistungsangebot zu bieten, hat der BKV Nord e.V. im vergangenen Jahr die SBG-Service- und Beratungsgesellschaft mbH gegründet.

ABZ: Wie hat sich die SBG-Servicegesellschaft entwickelt?

Heinz Essel: Nach der Gründung ist es uns gelungen, ein Netzwerk von kompetenten Partnern in den verschiedensten Bereichen aufzubauen. Besonderen Wert bei der Selektion unserer Partner legen wir auf Kompetenz, Zuverlässigkeit, partnerschaftliche Zusammenarbeit und möglichst Erfahrung mit dem Bäckerhandwerk.

Die Grundberatung wird den Betrieben wie gewohnt über die Berater der BKV Nord e.V. nahezu kostenfrei angeboten.

Darüber hinaus bieten wir inzwischen über die Partner professionelle Beratung und Hilfe in mehreren Gebieten an: betriebswirtschaftliche Fragen, wie z.B. Steuerberatung, Hygiene, Schädlingsbekämpfung und Arbeitssicherheit, Filialbewertung und –beratung, Personalsuche und –vermittlung, Internetgestaltung, Stromsteuerermäßigungsanträge, Internet-Betriebs- und Gerätebörse, um nur einige zu nennen. Über einen Einkaufspool bieten wir einen Stromfond und weitere Einkaufsvergünstigungen an. Ein vielfältiges Angebot von Weiterbildungsveranstaltungen und Seminaren rundet das Servicepaket ab. Der Vorteil für die Betriebe ist eine sehr gute Leistung zum akzeptablen Preis. Der Unternehmer erspart sich die Arbeit, einen entsprechenden Partner am Markt zu suchen. Er erhält ein Angebot, welches von uns geprüft wurde und somit wird die Auswahl eines falschen Partners vermieden.

ABZ: Wäre das auch ein Modell für andere Verbände?

Heinz Essel: Ich denke, nur mit Mitgliedsbeiträgen lässt sich mittelfristig das hohe Diensleistungsangebot eines Verbandes nicht mehr finanzieren. Da die Betriebsdichte im Norden am kleinsten ist, haben wir uns entschieden, bereits jetzt aus der Stärke heraus zu agieren. Ob andere Verbände einen ähnlichen Weg gehen wollen, muss jeder selbst entscheiden. Die Landesinnungsverbände des Bäckerhandwerks arbeiten sehr gut zusammen, so dass jeder die Ideen des anderen nutzen kann, zum Vorteil des gesamten Bäckerhandwerks. (wo)


Artikel vom 08.03.2007
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