Unternehmensführung
Wer sein Team richtig motiviert, hat Erfolg
14. Unternehmensführungstagung des LIV Bayern in Nürnberg: „Weniger in als am Betrieb arbeiten“ als eines der Grundrezepte

Erfolgreich mit ihren Bäckereien: Willi Kühne, Jörg Aprath, André Kunkel, Helmut Stumhofer und Karl-Wilhelm Kayser (von links). Rechts: Dr. Wolfgang Filter.
Gute Leute für gutes Geld
Praxisnähe demonstrierten im Hotel „Schindlerhof“ in Nürnberg drei Betriebsinhaber(teams), die vor den Kollegen ihre Erfolgsgeheimnisse verrieten. So etwa Karl-Wilhelm Kayser, der mit seiner Frau Sabine im sauerländischen Neuenrade eine Bäckerei mit 24 Verkaufsstellen und 230 Mitarbeitern führt. Der studierte Betriebswirt musste 1980 nach dem Tod des Vaters als 23-jähriger den Betrieb übernehmen. Er lernte, dass nur gute Mitarbeiter seine Leit-Mottos (1990: „Kayser – mein Qualitätsbäcker“, 2006: „Kayser find ich klasse“) mit Leben füllen, Frische und Top-Qualität garantieren können. So suchte er sie mithilfe eines Personalberaters und hob die Lohnobergrenzen an: „Gute Leute für gutes Geld – wir wollten sehen, ob Qualität kommt.“ Sie kam, das Niveau stieg.
Ehrlichkeit und Konsequenz („Wer nicht zu uns passt, von dem trennen wir uns“) schufen ein positives Betriebsklima, dämmten „Zickenterror“ ein. Kayser: „Mitarbeiter, die Spaß haben, die begeistert sind, sind automatisch kundenorientiert.“ Das erhöht den Umsatz, die Personalfluktuation sinkt. Teamarbeit wird in den Filialen groß geschrieben; unter der Leitung der Bezirksleiterin finden regelmäßig nach Ladenschluss Teamgespräche mit allen Verkäuferinnen einer Filiale statt.
Auch Nachwuchs wurde intensiv gesucht, jeder soziale Problemfall locker integriert. Die Ausbilderinnen sind engagiert, der Chef kommentiert jede schulische Arbeit – für gute Zeugnisse gibt’s Prämien bis 200 Euro. Maßnahmen, über die die Presse berichtete; die Handwerkskammer verlieh den Titel „Ausbildungsbetrieb des Monats“.
Der Inhaber selbst motiviert seine Angestellten mit dem Titel „Mitarbeiter des Monats“, informiert wöchentlich per Rundschreiben über alles Wichtige und vergibt großzügig Darlehen. Eine gut funktionierende zweite Führungsebene aus einem Backstubenleiter, zwei Verkaufsleiterinnen und einer Büroleiterin sorgt für perfekte Organisation der Arbeitszeiten und -abläufe; eine dritte Führungsebene ist in Vorbereitung. Das gibt dem Chef inzwischen auch mehr Freizeit, um sich seinem Hobby, der Kultur, zu widmen.
Richtig loben und tadeln
Drei ehemalige Kamps-Manager übernahmen am 1. Januar 2007 die Bäckerei Schneider mit Produktion, 27 Filialen und 196 Mitarbeitern im rheinischen Elsdorf – heute sind es bereits 34 Standorte und 280 Angestellte. Laut André Kunkel (29) setzt man auf handwerkliche Premium-Qualität; das Management-Trio trifft alle Entscheidungen gemeinsam und vertritt sich gegenseitig.
Und das funktioniert? Nach Aussage von Jörg Aprath (43) ist absolutes Vertrauen die Voraussetzung für das Führungs-Team. Man diskutiere emotional, verfolge aber die selben Ziele und setze Beschlüsse zügig um. Er zitierte Autopionier Henry Ford mit dem Dreisatz: „Zusammenkommen ist ein Beginn. Zusammenbleiben ist ein Fortschritt. Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“
An Führungskräften hat die Bäckerei Schneider zwei Gebietsverkaufsleiter und vier Bereichsleiter (Bäckerei, Konditorei, Fuhrpark & Expansion, Verwaltung). Jede wird laut Willi Kühne (41), von einem der drei Gesellschafter direkt geführt, was kurze Entscheidungs- und Informationswege, ein fixes Erkennen von Problemen und gute Kontrolle sichert. Regelmäßig finden Meetings statt – zur Sortimentsgestaltung (mit Verkostung, Diskussion, Vergleich mit Wettbewerbern) sowie mit den Filialleitern (Vertrieb, Fehlentwicklungen, Sortiment).
Seit der Übernahme haben die Inhaber Leistungsbewertungssysteme für Produktion (Stundenproduktivität) wie für Verkaufsgebiete und Filialen (Umsatz, Personalkosten, Retouren) eingeführt. Jede Führungskraft und jeder Mitarbeiter erhält positives wie negatives Feedback. Kühne: „Wir finden es richtig, zu loben und zu tadeln.“ Die Führungsstrategie des Dreigespanns fasst er so zusammen: Wir fordern von unseren Mitarbeitern Leistung und wir sind bereit, unsere Mitarbeiter zu fördern.“ Sein Kollege Aprath ergänzt: „Wer seine Mitarbeiter dumm hält, muss irgendwann alle Arbeit selbst tun.“ Man plädiere für eine offene Unternehmenskultur, spreche Fehler an und bewege sich auf Augenhöhe mit den Angestellten.
Die Work-Life-Balance erreicht
Eine Balance von Beruf und Privatleben (neudeutsch: „Work-Life-Balance“) hätte jeder gerne. Helmut Stumhofer, der mit seiner Gattin Katharina einen Bäckereibetrieb mit 16 Mitarbeitern in Chieming führt, hat es geschafft. Der „Chiemseebäcker“, der u.a. bei Feinkost Käfer in München gelernt hat, setzte sich bei Übernahme des elterlichen Betriebes im Jahr 2000 vor allem zwei Ziele: Die Bäckerei mit naturbelassenen Rohstoffen und Handwerksqualität wieder auf Top-Niveau bringen und sich Freizeit für sein Hobby Segeln (WM- und EM-Teilnehmer) bewahren.
Dazu entwickelte er ein Rotationssystem, in dem jeder jeden Posten übernehmen kann, niemand nur eine Arbeit macht. In der Produktion wie im Verkauf wird durchgewechselt, jede Verantwortlichkeit verteilt. Auch der Chef ist beispielsweise in die Putzarbeiten, die man nicht an externe Reinigungskräfte abgegeben hat, eingebunden. Kleiner Nebeneffekt: „So achten alle viel mehr auf einen funktionierenden Arbeitsplatz – die Reparaturkosten sind gesunken.“
Die Mitarbeiter übernehmen selbstständig die tägliche Arbeitsplanung oder treffen Entscheidungen in punkto Einkauf. Stumhofer: „Sie sind zum Weiterdenken und zur Eigeninitiative aufgefordert. Das motiviert.“ Und wenn in der Sommersaison 60 Stunden pro Woche gearbeitet werden, können Überstunden über ein Jahresarbeitszeitkonto abgefeiert werden. Durch die Rotation ist keiner wirklich unabkömmlich, das Ausspannen wird möglich. „Der Beruf darf nicht zum alles verdrängenden Lebensinhalt werden. Vielmehr müssen wir dem Nachwuchs ein attraktives Beispiel geben, dass das Bäckersein nicht Buckeln bis zum Umfallen bedeuten muss“, findet der junge Bäckermeister. Und auch wenn die Personalkosten in seinem seit 1792 bestehenden Kleinbetrieb prozentual im Vergleich zu den Referentenkollegen am höchsten sind (43% – Bäckerei Kayser 40 %, Bäckerei Schneider 36,4 %): Sein System gegen den ungesunden Stress funktioniert, er genießt jetzt etwa fünf Wochen Urlaub im Jahr und einen freien Tag pro Woche. Schließlich sei ja „Gesundheit unser wichtigstes Gut“.
Weitere Berichte von der Nürnberger LIV-Tagung in den kommenden Ausgaben.
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