Technologie&Technik
Wenn der Backofen den Laden heizt
Hamburger Stromspar-Projekt in Bäckerei-Filialen kommt zu spannenden Ergebnissen

Das energiesparende Verhalten der Mitarbeiter hat einen wesentlichen Anteil an der Höhe der Stromrechnung. Foto: Hoffmeister Foto: Hoffmeister
Bei der Wärmeerzeugung sind die Geräte technisch ausgereizt, Energie lässt sich aber durch die richtige Handhabung der Geräte sparen. Stark unterschätzt wird der Stromverbrauch von Licht und Kühlung. Weil beide stundenlang laufen, addieren sich Stromverbräuche. Bei Licht und Kühlung gibt es durch neue Produkte und Techniken ein großes Sparpotential durch Neuanschaffungen. Das ist das Ergebnis der Stromspar-Untersuchung.
Fehlerquelle Mitarbeiter
Einige Wochen lang haben Studenten der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften drei Bäckerei-Filialen in Hamburg unter die Lupe genommen. Mit Messgeräten und Fragebögen ausgerüstet sahen sie sich die Energie-Verbraucher genauer an. Aber nicht nur die Verbräuche interessierten die Studenten, sondern auch der Anteil, den die Mitarbeiter durch Bedienungsfehler daran haben.
Die Testfilialen hatten verschiedene Öfen mit vier bis acht Blechen. Sie backten zwischen sechs und 15 Mal am Tag.
Einen erheblichen Anteil an überhohem Stromverbrauch hat das Verhalten der Mitarbeiter. „Wenn morgens der kalte Laden mit dem Backofen beheizt wird, muss man sich über den Stromverbrauch nicht wundern“, sagt Jan Gerdts, BKV-Nord Betriebsberater.
Kälte – Investitionen lohnen sich
Wenn warm und kalt dicht beieinander stehen, dann ist das ein grober Planungsfehler des Ladenbauers. Der Energieverbrauch eines Kühlgerätes hängt von der Temperaturdifferenz zwischen Kühlraum und Geräte-Umgebung ab. Je wärmer die Geräte-Umgebung, desto mehr müssen Verdampfer und Kondensator des Kühlgerätes arbeiten. Kühlschränke sollten vor direkter Sonneneinstrahlung, Heizungswärme und Geräte-Abwärme geschützt sein.
Die Kühlung verursacht in Bäckereifilialen bis zur Hälfte der Stromkosten. „Der Bereich Kühlung wird vielfach unterschätzt“, sagt Jan Gerdts. Die lange Lebensdauer von Kühlgeräten wird hier zum Nachteil: Alte Geräte verbrauchen deutlich mehr Energie als neue. Oft sind Neuanschaffungen schon deshalb eine sinnvolle Investition. Aber auch die richtige Reinigung und Bedienung senken den Stromverbrauch.
■Strom sparende Bedienungsregeln für Kühlmöbel:
Kondensator-Gitter wöchentlich reinigen;
Verdampfer wöchentlich reinigen;
spröde Dichtungen austauschen;
Kühlraum ausnutzen;
Verdampfer und Lüfter frei lassen;
Waren nach Temperaturklassen zusammenstellen;
Kühltemperatur so niedrig wie erlaubt einstellen;
Ab- und Zuluftgitter nicht verstellen;
Kühlkette nicht unnötig unterbrechen;
Heiße Waren auf Zimmertemperatur abkühlen.
Sparlicht in alten Fassungen
Die richtige Beleuchtung ist ein verkaufsfördernder Faktor. Wie bei den Kühlgeräten brauchen moderne Leuchtmittel deutlich weniger Energie als alte. Fachleute rechnen mit einer Ersparnis von 50 Prozent nach dem Austausch alter gegen moderne Leuchtmittel. Der Stromverbrauch kann auf bis zu 30 kWh im Jahr pro Quadratmeter Ladenfläche sinken. Auch für alte Lampenfassungen gibt es heute sparsamere Leuchtmittel. In zwei bis drei Jahren werden LED-Lampen der neueste Stand der Technik sein.
Auch Ladenbauer können zum Stromsparen beitragen. Helle Wände, Decken und Möbel schlucken weniger Licht als dunkle Flächen. In Räumen, die nur zeitweilig genutzt werden wie Keller, Büro, Flur und Abstellraum bieten sich Lampen an, die durch Bewegungsmelder gesteuert werden.
Aus den Ergebnissen des Stromspar-Projekts wurden Checklisten entwickelt, die einfach zu handhaben sind. „Das war uns wichtig“, sagt Gerdts. „Wir wollten ja nicht zu dem Ergebnis kommen ,Licht aus!“.
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