Fachthema

Vom Laden zum Showroom

Laden als Visitenkarte: Einrichtung und Ambiente unterstreichen das Leistungsvermögen der Bäckerei


Von Silke Liebig-Braunholz

Kundenbindung beginnt mit Vertrauen: Bäckereien sind deshalb gut beraten, sich Kundenbedürfnissen zu öffnen und dabei ihre Corporate Identity konsequent zu verfolgen. Die geänderten Ansprüche an Ladeneinrichtungen und Raumgestaltung bringen Umsatzplus, wenn das Gesamtbild harmonisch ist. Eine offene Atmosphäre kann Kunden überzeugen, sich für den passenden Bäcker zu entscheiden.

Weitsichtige Ladenbauer gehen deshalb eine Symbiose zwischen Kundenbedürfnis und Leistungsvermögen des Bäckereibetriebes ein. Partner wie das Unternehmen Schweitzer Ladenbau achten mit besonderer Akribie auf diese Anforderung. Mit der Confiserie-Chocolaterie-Bäckerei Bachmann in Luzern und dem Architekten Marc Jöhl gestaltete das Unternehmen am Standort Schwanenplatz ein Werk, das durch zahlreiche Innovationen besticht.

Viele Antworten auf offene Fragen fand Schweitzer in den Lehren des Feng-Shui. Runde Formen und natürliche Materialien dominieren das Erscheinungsbild. Der leicht blaue Boden leitet den Kundenfluss. Die hausgemachten Pralinésorten und Trüffel präsentieren sich in optimaler Auslage in einer 3,5 Meter langen Praliné-Vitrine. Der Schoggi-Brunnen mit fließender Milchschokolade ist eines der Magnete und Attraktionen des Ladens. Über dem exquisiten Stück zeigt ein großer Plasmabildschirm die Gewinnung und Herstellung der Schokolade. Ohnehin geben verschiedene Filme auf weiteren Bildschirmen im Schaufenster und Laden Einblick in die edel hergestellten Produkte.

Elegant und effektiv

„Transparenz ist heute sehr wichtig“, sagt auch Margret Mann von Ernst Nestler & Söhne im sächsischen Niederlungwitz. Das Unternehmen entwickelte deshalb in Müller's Bäckerei im Museumshof Zingst eine moderne Einrichtung mit angenehmer Beleuchtungsatmosphäre in einem alten Haus. „Die rustikale Theke bindet den Etagenbackofen mit einer Verklinkerung ein. So wirkt er in dem Ambiente nicht wie ein Fremdkörper. Zudem kann der Kunde sehen, welche Waren produziert werden und wird gleichzeitig durch die Präsentation der frischen Backwaren zum Kauf animiert“, betont Mann. Unternehmen wie Eloma haben sich einst nicht nur mit ihrem Bake Bistro-Konzept auf diese Transparenz eingestellt, sondern suchen immer wieder nach weiteren optimalen Lösungen.

Auch die anderen Ofenbauer haben längst erkannt, dass das Handwerk am Point of Sale mit bester Qualität überzeugen muss und dazu entsprechende Hilfsmittel benötigt: Ob chromblitzende High Tech mit eleganter Note, wie etwa beim Ladenbackofen Dibas von Wiesheu, oder aber das Backen direkt auf der Herdplatte favorisiert wird – die Angebote kennen kaum Grenzen. So schafft der Dibas Platz hinter der Verkaufstheke und überzeugt mit einer nach außen gewölbten, mehrfach verglasten Backofentür, die sich zum Öffnen und Schließen einfach ins Gehäuse verschieben lässt.

Firmen wie Friedrich aus Solingen, das schwedische Unternehmen Sveba Dahlen oder Wachtel aus Hilden sind ebenfalls stets Garanten für innovative und energiesparende Backofenlösungen.

In Edelstahl verpackt ist beispielsweise der Piccolo von Wachtel das Glanzstück in jeder Ladenbäckerei oder jeden Backbetrieb. Modernste Technik garantiert effektives Backen und das variantenreiche System passt sich perfekt jedem Bedarf an. In zeitlosem und elegantem Edelstahldesign gilt dies ebenso für einen Backofen der Firma Manz aus Creglingen. Er fügt sich in jedes Ladengeschäft-Konzept ein – ob als Backofen zum Schaubacken oder als Produktionsbackofen.

Ganz neu bei Johannes Scheurer GmbH ist der Etagenofen Shop-Star. Der 4-herdige Steinbackofen mit Ringrohrsystem ist auch mit Pelletsbefeuerung im Programm und unterscheidet sich von der Backqualität nicht gegenüber herkömmlichen Ringrohretagenöfen.

Backen mit Baukastensystem

Miwe hat seine Produktentwicklung der letzten fünf Jahre auf die sich ständig im Wechsel befindlichen Verzehrgewohnheiten eingestellt und sein Sortiment an die Kundenbedürfnisse angepasst. Vom kleinen Gastro-Backofen über den modularen Etagenbackofen bis hin zum modular aufgebauten Fresh-Food-System Miwe cube bietet der Hersteller seinen Kunden eine große Bandbreite an Möglichkeiten.

So präsentierte der Hersteller die dritte Komponente des Fresh-Food-Systems, den Miwe cube:fire. Als Baukastensystem mit einheitlichen Rastermaßen lässt sich dieses System in jedes Shop-Konzept integrieren und besteht aus einer Reihe untereinander beliebig kombinierbarer Komponenten: Von den rollbaren Fahrgestellen und verschiedenen Unterschränken (auch mit Gär- und Kühlfunktionen) über die eigentlichen Backmodule Miwe cube:air, cube:stone und dem brandneuen cube:fire bis hin zur Dunstabzugshaube. Mit den mittlerweile drei Backmodulen kann der Filialbäcker nunmehr alle Anforderungen in Filialen bedienen – vom Krustenbrot über süße Plunderstücke bis hin zur deftigen Pizzaschnitte.

Auch das Design des Backofens spielt in der modernen Ladeneinrichtung eine immer größere Rolle. Sichtfenster oder glasbestückte Türen eignen sich hervorragend zum Aufstellen in der Vorkassenzone, im Frontbaking-Bereich sowie für das Schaubacken an jeder Örtlichkeit. „Auch die weitere Warenpräsentation wird stark durch den Ladenbackofen beeinflusst. Steht er im Mittelpunkt, wird die in unmittelbarer Nähe präsentierte Ware leichter verkauft als weiter entfernt positionierte Warengruppen“, so Maren Lerner von der Korte Einrichtungen GmbH. Diese Erkenntnis verhilft dem gezielten Pushen von Spezialitäten, worauf beispielsweise auch beim aktuellen Projekt von Ladenbauer Beko geachtet wurde.

Ladenbacköfen, die durch spezielle Beleuchtung entsprechend in Szene gesetzt werden, versprühen zudem eine gemütliche Backstuben-Stimmung, die gerade in der Winterzeit die Verweildauer verlängern kann. Und wenn dann noch frisch ausgebackenes Holzofenbrot seinen intensiven Duft verströmt, ist das auch konkret am Umsatz zu spüren. Einen Holzbackofen für den Laden mit Durchschiebemöglichkeit hat Pasta-Noris im Programm. Bei diesem Ofen kann von hinten befeuert und beschickt werden, während vorne nur ausgebacken wird. Dieses System nutzt die Holzofenbäckerei Kopp in Bad Lauterberg, bei der dieser Ofen im Mittelpunkt des Ladens steht.

Bäckerei mit Genuss-Stopp

Sehr schön wirken auch die Gussfronten der Häussler-Öfen, wenn sie in den Laden integriert bzw. eingemauert werden, wie in der neuesten Filiale der Mohn AG „La Stazione“ im schweizerischen Weinfelden. Gemeinsam mit Schweitzer Ladenbau wurde an diesem Standort des Traditionsbetriebes ein Genuss-Stopp geschaffen. Hier werden jetzt nicht nur Brot, Flammkuchen und Pizza gebacken, sondern auch die Mittagsmenüs frisch zubereitet. Der Kunde darf Platz nehmen an der voll ausgestatteten Backstation, die den Mittelpunkt des neuen Geschäftes bildet, um den sich Bäckerei, Konditorei, Snackerei, Café mit Coffeebar und ein einladender Sitzraum reihen.

Die Theke – Schweitzers Typ Baco Vision – wurde in Mohn's Stazione in ein neues Gewand verpackt: Die 8,5 Meter lange Anlage besticht durch eine gerade gestaltete Front in elegantem Schwarzglas. In der Mitte ist sie durch eine Ganzglasfront unterbrochen, die fünf Brötchenkörbe zum Vorschein bringt, die so montiert wurden, dass sie in der Glastheke zu schweben scheinen. Die schlichte, in Paloma schwarzem Leder bezogene Sitzeinrichtung und der dunkle Holzboden, der sich vom hellen Steinboden im Verkaufsbereich dezent abhebt, unterstreichen das Gesamtbild.

Snacken mit Multimedia

Für Wohlfühlatmosphäre und damit das längere Verweilen in der Stazione sorgt zudem eine neue Multimedia-Technologie: Zwei an der Ladenrückwand angebrachte und mit Flachbildschirmtechnologie ausgerüstete Lichtrahmen wechseln nach individuell programmierbaren Abläufen die Farbe und bilden somit ein Element, das genauso aufregend wie beruhigend auf den Besucher wirkt und ihm beim Besuch ein Erlebnis bietet.

„Ein Verkaufsraum, der ein Erlebnis bietet und zum Einkaufen animiert, ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg eines Unternehmens und dessen wichtigste Existenzgrundlage“, weiß auch Ladenbauer Hans Besch aus St.Georgen-Peterzell, der seit 1975 auf Einrichtungen von Bäckereien, Konditoreien und Cafés spezialisiert ist.

Die neueste Theke von Schweitzer heißt Baco Plus, für die die Ladenmanufaktur auf der südback 2008 mit dem Trend Award ausgezeichnet wurde. Die Präsentationsfläche befindet sind hier in bester Sichthöhe und der volltransparente Hauchschutz ist völlig frei von Stützen und Beschlägen. Durch die neu entwickelten Rangierscheiben wird eine problemlose Reinigung sichergestellt. Dabei werden die auf einem Schlitten montierten Gläser seitlich verschoben und erlauben ungehinderten Fronteingriff in die Theke und hinter die Verglasung.

Ein Musterbeispiel für Transparenz und Erlebniscafé ist die „Feine Welt“ der Bäckerei-Konditorei Klabunde in der Fußgängerzone von Melsungen. 2006 hat sich das Unternehmen neu positioniert und einen Imagewandel vollzogen. Seither vermarktet sich Klabunde unter dem Slogan „Klabunde – Ihre feine Bäckerei“. Inhaber Martin Klabunde wird damit seinen Konditorei-Kompetenzen gerecht und setzt auf unabdingbare Qualitätssicherung.

Mit dem Ladenbauer Brust und Partner hat er nunmehr im Mai 2008 ein exklusives Café neu eröffnet. Die Umgestaltung der ehemals klassischen Backwarenverkaufsstelle war durch den Bau des benachbarten Einkaufszentrums mit Fußgängerzone notwendig geworden. Klabundes Feine Welt präsentiert sich seither als ganzheitliches Café-Konzept, das durch offene moderne Einrichtungselemente besticht. Kuchen, Torten und andere feine Köstlichkeiten des Konditor- und Bäckermeisters Klabunde werden in der individuell kreierten Torten-Theke entsprechend präsentiert, sodass sie beim Betreten des Cafés die Aufmerksamkeit der Konsumenten erregen. Die neue Markenwelt wird von warmen Rot-Tönen beherrscht. Optisch unterteilt wird die 140 m² große Fläche des Cafés durch den dunklen Amtico-Fußboden in Kombination mit hellen Fliesen.

Transparenz und Licht

Auch das neue Konzept der Landbäckerei Bosselmann im ECE-Center Hannover setzt ganz auf Transparenz und ein fortschrittliches Lichtsystem. Der Renner ist die Flammkuchenstation, in der vor den Augen der Kunden diese Spezialität aus dem Elsass zubereitet wird. Die Planer von Aichinger realisierten auf engstem Raum eine stark akzentuierte Bosselmann-Filiale mit Sondermöbeln. Aichinger-Berater Ernst Sobottka, der Bosselmann bereits seit Jahren und auch beim aktuellen Projekt umfassend betreute, entwickelte mit der fast acht Meter langen Verkaufstheke und dem Brotregal exklusive Lösungen. Durch ihre stützenfreie Verglasung und die weiß leuchtende Front gewinnt die Theke kraftvolle Präsenz. Das Brotregal mit seinen flexiblen Einstellstufen macht den Durchblick möglich. Hinter dem Brotregal ist mit dem 1,50 Meter überbreiten Etagenbackofen ein weiteres Highlight zu entdecken. Strahlend helles Licht in die Flammkuchen-Station setzten die Lichtplaner ebenso um wie die beleuchtungslose Theke. Im Vergleich zur Fläche des Geschäfts planten sie doppelt so viele Deckeneinbauleuchten ein.

Gekonnte Lichtgestaltung

„In jüngster Zeit wird Licht auch im Konditorei-Café immer mehr zum fesselnden Gestaltungsmittel. Grundsätzlich gilt: Beleuchtung in ihrer Wirkung von Helligkeit und Schatten, Farbe und Brillanz, Akzentuierung und Lichteffekten trägt zum Szenarium des Visual Merchandising in besonderem Maße bei. Der emotionale Aspekt gekonnter Lichtgestaltung rückt mehr und mehr in den Vordergrund – Inszenierungen, Kauferlebnisse und Verweilambiente insbesondere im Verzehrbereich sind zu entscheidenden Erfolgsfaktoren geworden“, erklärt Thomas Euskirchen, Geschäftsführer der we-shoplight Lichtdesign & Lichtsysteme, die auch die Bosselmann-Filiale gestaltete und gemeinsam mit Aichinger in der Bäckerei Münzel im Allgäu ebenfalls ein Beleuchtungskonzept entwickelte. Das Café BrotZeit ist ein Pionierobjekt der Bäckerei, die unter diesem Markennamen größere Bäcker-Cafés ab einer Sitzzone mit 15 Plätzen etablieren will. Hauptanlaufpunkt für Kunden ist die rund 5 Meter lange Aichinger Artline-Theke in Zebranoholz-Design und ein Brotregal Marke Panevari.

Mit ihrem neuen Erscheinungsbild punktet auch die Bäckerei Bundschuh in Miltenberg seit dem Ladenumbau durch das Unternehmen Schrutka-Peukert. Dort, wo über Jahrzehnte eine neun Meter lange mehrstöckige Theke stand, präsentiert sich die neue Tischtheke stets gut gefüllt. Die zweimal geknickte Theke wirkt wesentlich ansprechender als ein langer Thekenschlauch.

Denn übersichtliche Theken in zeitlosem Design und ausgeklügelte Beleuchtungskonzeptionen machen dem Kunden Appetit auf die Ware, beschreibt auch Schneider Ladenbau-Hörtdörfer in Neckarzimmern seine Vorgehensweise bei der Planung neuer Ladeneinrichtungen. Dies wird deutlich im Café Ambiente der Familie Kern in Wüstenrot. Dort sorgt die halbrund angeordnete Theke von Schneider Ladenbau-Hörtdörfer für eine gute Rundum-Präsentation. Der Kunde hat damit eine angenehme Übersicht über das gesamte Angebot. Der Blick wird automatisch zum Bereich Snacks, Verzehr, Getränke und Eis geführt.

In der Bäckerei Bundschuh mit zehn Sitzplätzen und einem Stehtisch im Schaufensterbereich blickt der Kunde beim Eingang nunmehr zuerst auf den Kaffee-Ausschankbereich. Die frei gewordene Fläche wird für die Präsentation von anderen Spezialitäten genutzt. Kuchen in Gugelhupfformen werden zur Dekoration genutzt und auch die Konfitüren werden passend zu ihrer Qualität hochwertig in Regalen an der Thekenrückseite präsentiert. Wahrlich in Szene gesetzt haben die Ladenbauer von Schrutka-Peukert eine historisch anmutende Kaffeeschütte. Bäckermeister Hubertus Bundschuh: „Es gibt Stammkunden, die haben erst im neuen Laden wahrgenommen, dass wir losen Kaffee verkaufen. Sie haben die Kaffeeschütte vorher einfach nicht gesehen.“


Artikel vom 09.12.2008
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