Verkauf & Marketing

Verbraucher emotional ansprechen

Marketingaktion mit Tütenwerbung für Ausbildungsplätze im Bäckerhandwerk


Bad Kreuznach (gkm). 1,3 Millionen Mal werden sie ab dieser Woche über die Theke gereicht: Die neuen Brottüten der Bäckerinnung des Kreises Bad Kreuznach. Die Bäcker und Konditoren werben damit für Kunden und für Ausbildungsplätze. Denn der Slogan heißt: „Kaufen Sie Ihre Brötchen ruhig da, wo Ihre Kinder einen Ausbildungsplatz finden“. Zugleich soll die Aktion ein kräftiger Seitenhieb auf die „Backfactory“-Konkurrenz und ähnliche Schnellback-Ketten sein, die keinen einzigen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen.

Bäcker-Obermeister Alfred Wenz, der immer für einen coolen Spruch gut ist, meint dazu süffisant: „Besser wir Bäckermeister backen das Brot, denn die anderen sind höchstens nur die Aufbäcker“. Die Tüte, auf denen in aufwändiger Vierfarbtechnik die Passbilder von 25 Jugendlichen und Kindern und der Werbespruch „Schwer zu sagen, wo Backen aufhört und Kunst anfängt...“ zu sehen ist, erzeugt durchweg bei der Kundschaft positive Reaktionen. Wenz: „Kinder sagen sogar: Die ist so schön, die heben wir auf“. Die clevere Marketingaktion wurde von der Bäckerinnung des Kreises Bad Kreuznach gemeinsam mit dem Papier- und Tütenhersteller Meyer/Stemmle (Mühlheim-Kärlich) umgesetzt. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bad Kreuznach, Gerhard Schlau, ergänzt: „Geistiger Vater des Werbespruchs ist allerdings der Bosenheimer Autolackierer Günther Aubel. Denn er hat einen ähnlichen Spruch für sein eigenes Unternehmen und wir haben den Slogan abgewandelt verwendet.“ Und Matthias Ulrich, Berater von Meyer/Stemmle im Saarland und Rheinland-Pfalz, freut sich, dass die Aktion der Kreuznacher Bäcker vom Verband des Rheinischen Bäckerhandwerks übernommen wurde. Obermeister Wenz ergänzt: „Die Aktion wurde nicht nur übernommen, sondern auch als Marketinghighlight des Jahres ausgezeichnet.“ Ulrich zum Konzept der Werbeaktion: „Wir wollten den Verbraucher auf der emotionalen Ebene ansprechen. Und wir haben ein Paket geschnürt mit 1,3 Mio. Tüten, 1000 Plakaten und 2000 Deckenhängern“.

Image weiter optimieren

Wenz verhehlt nicht, dass Backfactory und Co. den mittelständischen Bäckern schwer zu schaffen macht: „Der Kunde bedient sich dort selbst, er findet keine Vielfalt im Backwarensortiment, sondern nur wenige Artikel, die aber zu konkurrenzlosen Preisen.“ Andererseits, so argumentiert der Obermeister weiter, habe das Bäckerhandwerk immer noch hohes Ansehen in der Bevölkerung. Und durch diese Werbeaktion wolle man das Image der Innungsbetriebe weiter optimieren. Zur Zeit werden in den Mitgliedsbetrieben der Innung 29 Bäckerlehrlinge und 13 Bäckereifachverkäuferinnen ausgebildet. Wenz, der im eigenen Betrieb mit gutem Beispiel voranging und von den insgesamt 6 Lehrlingen zwei Azubis mehr ausbildet, als die Firma eigentlich tragen könnte, meint zur Ausbildungssituation: „2005 werden wir den Ausbildungsstand des Vorjahres erreichen, wenn nicht sogar übertreffen.“ Wenz hält die Absenkung der Ausbildungsvergütung als ein gutes Argument besonders für die Inhaber kleiner Betriebe, dann doch noch einen Azubi einzustellen.

Kreishandwerksmeister Jürgen Günster lobte die „Bäcker-Aktion“, denn diese Kampagne zeige, dass das Handwerk seine gesellschaftspolitische Pflicht kenne und wahrnehme. Günster: „169.000 junge Menschen suchen noch eine Ausbildungsstelle, aber sind die auch ausbildungsfähig und – willig?“ Man dürfe auch hier nicht immer nur über die Quantität, sondern man müsse auch über die Qualität reden. Günster hofft, dass diese Aktion auf das gesamte Handwerk übertragen wird.


Artikel vom 17.08.2005
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