Unternehmensführung

Umweltbewusstsein im Betrieb rechnet sich

Durch Optimierung von Technik und Abläufen kann gespart werden / Einführung eines Umweltmanagement-Systems wird öffentlich gefördert


München (ke). Den Gedanken an den Umweltschutz schieben viele Betriebsinhaber weit von sich. Zu aufwändig, zu teuer, für Bäckereien zu ineffektiv – die Ausreden sind vielfältig.

Wie sowohl die Umwelt als auch kleinere Unternehmen vom Umweltschutz profitieren können, rechnete Dr. Rolf Schulte zur Surlage, Berater bei der Ecologic GmbH, München, anlässlich der Internationalen Handwerkmesse 2006 den Zuhörern des MBKplus-Forums vor: „Eine Bäckerei durchschnittlicher Größe kann durch Maßnahmen für den Umweltschutz jedes Jahr Geld im Wert eines Kleinwagens einsparen.“

Sparen durch Optimieren

Es geht nicht nur um ein gutes Gewissen, wenn sich Betriebsinhaber für eine ökologische Produktion entscheiden. Schulte zur Surlage, der im Rahmen des Umweltpakt Bayern auch zahlreiche Bäckereien im Freistaat betreut, zeigte, wie sich durch Optimierung von Technik und Abläufen in Einkauf, Verwaltung, Produktion, Verkauf und Vertrieb jährlich bis zu 33.000 Euro einsparen lassen.

Als Beispielunternehmen führte der Referent einen Betrieb an, der im Jahr ca. 120 t Mehl verarbeitet und 4000 Euro in die Entwicklung eines Gesamtkonzepts zur Energieversorgung seines Betriebes und des angrenzenden Wohnhauses investiert.

Die Entwicklung des Energieversorgungskonzepts wurde im Rahmen des Bayerischen Technologie-Beratungsprogramms gefördert. Für die Umsetzung des Konzepts wurden weitere 15.000 Euro investiert, die sich nach 7 Jahren amortisierten.

Änderung der Fahrweise

Bäckereien sind energieintensive Betriebe. Backöfen, Kälteanlagen und sonstige elektrische Geräte verbrauchen mehr als 75 Prozent des energetischen Gesamtaufwands. Durch den sorgfältigen Umgang mit Energie, aber auch durch eine Verfahrensänderung der Backprozesse können hier bis zu 30 Prozent des Verbrauchs eingespart werden.

Besonders energieintensiv arbeiten Elektro-Backöfen in Ladengeschäften. Kosten senken lassen sich aber auch durch die Vermeidung von Gefahrstoffen in der Reinigung, durch den Einsatz von Mehrwegsystemen oder durch Abfalltrennung bzw. –reduzierung. Wassereinsparung durch den Einsatz von Reinigungsautomaten kann netto jährlich bis zu 250 Euro bringen.

Größere Wirkung hat die Verringerung des Kraftstoffverbrauchs durch Änderung der Fahrweise. Schulte zur Surlage bezifferte den Erfolg der Fahrerschulung auf rund 2500 Euro. Die Umstellung auf Erdgas kann bis zu 800 Euro bringen.

Mitarbeiter müssen mitmachen

Wer seinen Betrieb auf Dauer umweltfreundlich gestalten will, sollte nicht vergessen, die Mitarbeiter in die Maßnahmen einzubeziehen. Der Erfolg der Umstellung hängt maßgeblich von ihrer Motivation ab. Wer es dann noch schafft, seine Kunden von den Umweltaktivitäten zu überzeugen, kann sich damit zudem einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Dass Unternehmen auch bei der Beratung für diese Maßnahmen sparen können, macht das Angebot, selbst zum „Ökoprofit“-Betrieb oder zum „QuH“-Unternehmen (Qualitätsverbund umweltbewusster Handwerksbetriebe) zu werden, noch interessanter.

Zuschuss für Beratung

Bislang wurden die für die dreitägige Untersuchung anfallenden Beratungskosten zu 60 Prozent gefördert, jetzt sind es noch 50 Prozent. Unternehmen erhalten mit dem Abschluss der Beratung einen vom Landesgewerbeamt zertifizierten Empfehlungsbericht zur Einführung eines Umweltmanagement-Systems.

Die Einführung dauert zwischen 4 Wochen bei Betrieben, die gut vorbereitet sind, und 6 Monaten, wenn alles neben der eigentlichen Arbeit laufen muss. Die tatsächliche Arbeitszeit beläuft sich auf 5 bis 10 Manntage. Die Zertifizierung zum „QuH“-Unternehmen erfolgt alle zwei Jahre, wobei sich der Aufwand schon beim zweiten Mal deutlich verringert.

Viele Unternehmen führen diese Maßnahmen dann in Eigenregie durch und schreiben die einmal erhobenen Zahlen fort. Wichtig sei, sich jedes Jahr ein neues Ziel zu setzen, das nach Erreichung vom Prüfer kontrolliert wird.

Handlungsleitfaden im Internet

Bei der ersten Umsetzung des Maßnahmenkatalogs, die bis hin zur Pressearbeit geht, helfen die Berater der Handwerkskammern oder des Landesinnungsverbandes. Ihnen – und den interessierten Bäckereien – steht als Handlungsanleitung der vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz sowie dem Landes-Innungsverband für das bayerische Bäckerhandwerk herausgegeben Leitfaden für umweltorientiertes Handeln „Die umweltbewusste Bäckerei“ zur Verfügung.

Der 80seitige farbige Leitfaden ist als Nachschlagewerk konzipiert und kann im Internet abgerufen werden unter

www.umweltpakt.bayern.de

Weitere Online-Informationen

www. umweltbundesamt.de

www.dena.de

www.thema-energie.de

www.dbu.de

www.energiemanager.ihk.de

www.umfis.de

www.energieregion.de

www.bine.info


Artikel vom 27.04.2006
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