Aus- & Weiterbildung
Umfassende Ausbildung im Vordergrund
Gesellenprüfungsausschüsse informierten sich über Gestaltung von Prüfungen
Kaiserslautern (dtp). Für die Mitglieder in den Gesellenprüfungsausschüssen hatte der Bäckerinnungsverband (BIV) Südwest ein Informationsseminar angesetzt. Zur Entwicklung und Bewertung handlungsorientierter Prüfungsaufgaben nach der neuen Ausbildungsverordnung für Bäcker gab Leo Trumm umfangreiche Tipps und Hinweise. Trumm leitet als Bäckermeister und Dipl. Pädagoge die Erste Deutsche Bäckerfachschule in Olpe.
Nach Begrüßung und Einleitung ins Thema sowie Angaben zum geplanten Ablauf durch stv.LIM Willi Renner war Leo Trumm an der Reihe. Er umriss die Arbeit der Zentralen Aufgaben-Kommission (ZAK), die beim BIV Hessen ihren Sitz hat. Seine Ausführungen gliederte er in einen theoretischen und einen praktischen Teil.
Bezug zum „Gesamten“ im Blick
Die Definition von „handlungsorientiert“ sei „Ausführen einer gesamten Handlung des ganzen Herstellungsprozesses“ und dazu führte Trumm einzelne Elemente an:
Alle Planungen und Vorbereitungen
einschließlich der notwendigen mathematischen und kalkulatorischen Berechnungen.
Die gesamte Herstellung einschließlich aller Teilschritte.
Die Beurteilung des fertigen Produktes als Qualitätskontrolle.
Der Dialog mit dem Kunden – das Produkt ist dann gut, wenn der Kunde es akzeptiert – deshalb auch das Verkaufsgespräch.
Die Einbettung der gesamten Herstellung in den betrieblichen Gesamtzusammenhang.
Zur ergänzenden Frage „Wozu diese neue Methode?“ erklärte Trumm, die Tätigkeit in den Betrieben geschehe tendenziell sehr oft in der so genannten Postenarbeit. Das habe zur Folge, dass der einzelne Mitarbeiter nur noch Teiltätigkeiten souverän ausüben könne und damit den Bezug zur Gesamtherstellung eines Produktes und auch zu seinem Handwerk verliere. Von seiten der Bildungspolitik versuche man dieser Entwicklung entgegen zu treten und das Instrument dafür sei eben die Handlungsorientierung.
Trumm hob die neuen Punkte aus dem Ausbildungsrahmenplan und dem Berufsbild hervor.
Zum Beispiel bei der „Herstellung von Backwaren-Snacks“ unterteilte er in
Backwaren-Snacks aus Teigen mit tierischen und pflanzlichen Zutaten herstellen;
Brot und Kleingebäck belegen und garnieren;
Gebackene Snacks mit Auflagen und
Füllungen herstellen;
Backwaren-Snacks entwickeln.
Projektorientierung
Im praktischen Teil des Seminares stellte Trumm Vor- und Nachteile offener und geschlossener Fragen gegenüber. Er zog die Folgerung, dass keine der beiden Formen frei von Nachteilen ist, daher sei eine Synthese beider Formen anzustreben. „Die Kombination einer projektorientierten Aufgabe mit mehreren Situationsaufgaben einschließlich der dazu gehörenden Auswahlantworten kann als Synthese dieser Art angesehen werden.“
Danach stellte Trumm Prüfungsbereiche und Strukturen in Teil B der Gesellenprüfung dar und folgte mit der Bewertung der Prüfungsleistungen.
Beim praktischen Teil der Gesellen-Prüfung machte Trumm deutlich, dass Wahlpositionen vom Prüfungsausschuss(PA) festgelegt werden müssen, nicht vom oder von den Prüflingen. Wenn etwa das Herstellen von Feinen Backwaren aus Teigen oder Massen oder das Herstellen einer Torte vorgegeben sind, befindet der PA, was zu tun sei. Wobei der PA örtliche Gegebenheiten in seine Entscheidung einfließen lassen kann.
Es können weiter beim Fachgespräch durchaus mehrere Prüflinge zusammen genommen werden, „keiner muss zur Einzelprüfung.“
Trumm stellte die Elemente des handlungsorientierten Prüfens vor, die übersichtlich in Planen, Ausführen, Kontrollieren und Handeln im betrieblichen Gesamtzusammenhang gefächert sind. So gehöre zum Beispiel zum Element „Kontrolle“, dass die Abläufe reflektiert werden sowie die Beurteilung des Produktes im Sinne einer Qualitätskontrolle durchgeführt wird und dass Rückschlüsse für zukünftiges Handeln zu ziehen sind. „Hier“, betonte Trumm, „ist sehr viel Psychologie zum Vorteil des Lehrlings enthalten.“
Bei der Darstellung einer Musteraufgabe für Planung sagte der Pädagoge, es könnten, wenn gewünscht, auch Fotos angefertigt werden.
Nach den Ausführungen zur Beurteilung einer solchen handlungsorientierten Prüfung wartete Trumm mit einem Workshop-Gedanken auf. Er bat die Teilnehmer, in Gruppen eine Musteraufgabe für die praktische Prüfung zu entwickeln. Dieses Vorgehen könnte dafür geeignet sein, Stoff für Prüfungen für die nächsten Jahre zu liefern.
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