Aus- & Weiterbildung
Strategische Entscheidungen leicht gemacht
Das neue bro:Tplus beherrscht Teilkostenrechnung, Rezeptverwaltung und Nährwertberechnung / Schwerpunkt liegt auf der Kalkulation

Aus der Rezeptur heraus werden auf der Grundlage des Bundeslebensmittelschlüssels die Nährwerte und Allergene bestimmt.
Diese Schnellkalkulation und noch sehr viel mehr beherrscht das neue bro:Tplus, das der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks (ZV) auf der iba in München präsentierte und das jetzt der Fachpresse vorgestellt wurde.
Diese Software, die ursprünglich das Bindeglied der drei früheren Software-Entwicklungen des ZV – dem Teilkostenkalkulation bro:T, dem Nährwertberechner PIN und der Rezeptentwicklung brotmanufaktur – werden sollte, ist jetzt als eigenständiges Programm entstanden und wurde als moderne Datenbank-Software mit großer Offenheit für zukünftige Anforderungen programmiert. Damit sollen aber keine professionellen Software-Anbieter vom Markt gedrängt werden, sondern bro:Tplus diene als Strategieprogramm zur Ergänzung der Branchenprogramme, wie der Projektleiter des ZV, Dipl. Volks- und Betriebswirt Frank Rennebarth, erklärte: „Wir wollen mit der Software vor allem bei der Kalkulation Standards setzen, denn nur wenn unsere Mitglieder in diesem Bereich fit sind, bleiben sie wettbewerbsfähig.“
Schwerpunkte des Programms
So liegen auch die Schwerpunkte des Programms auf zwei Bereichen – der Kalkulation und der Produktinformation/Nährwertberechnung. Die Rezeptverwaltung ist zwar auch mit dabei, bietet aber nicht die Möglichkeiten, die ein Warenwirtschafts- und Bestellwesensystem zur Verfügung stellt. Für diese Programme werden Schnittstellenmöglichkeiten angeboten, die sich professionelle Software-Häuser vom ZV kostenlos bereitstellen lassen können. Eine erste Schnittstelle wurde hier zum Warenwirtschaftssystem von Bizerba geschaffen, das die von bro:Tplus ermittelteten Produktinformationen in sein System übernimmt und für die Verkaufsberatung zur Verfügung stellt. Weitere Öffnungen soll es in Kürze für „Backon“, dem Controllingprogramm des Württembergischen Landesinnungsverbandes geben.
Wie der Programmierer von bro:Tplus, Markus Messemer, erklärte, können die Daten der drei älteren Programme – bro:T, PIN und brotmanufaktur – problemlos in das neue bro:Tplus importiert werden. Da aber das neue Programm etwas anders aufgebaut ist als die alten, werden immer wieder Daten nachgefragt, die unter größerem Aufwand nachgetragen werden müssten. Deshalb empfiehlt Messemer, der übrigens selbst auch Bäcker gelernt hat, die Grundwerte komplett noch einmal einzugeben. Das sei aufgrund der bequemen drag&drop-Funktionen relativ einfach erlernbar, aber doch mit einem Zeitaufwand verbunden.
Hier bietet der ZV für eine Gebühr von rund 1000 Euro eine zweitägige Dateneinpflege vor Ort durch Messemer selbst an, verbunden mit einer Einzelschulung. Wer dies selbst machen möchte, sollte auf alle Fälle eine Schulung an einer der Fachschulen der Akademie des Handwerks belegen.
Aktualisierung übers Internet
Da in der Vergangenheit relativ viele Softwareentwicklungen immer wieder die Neueingabe der Daten verlangt haben, soll dies bei bro:Tplus nicht mehr passieren. Die Software sei für die zukünftigen Anforderungen programmiert und biete laufend Aktualisierungen übers Internet an. So können eventuelle Programmierfehler ausgemerzt, aber auch neue gesetzliche Vorgaben, beispielsweise bei Änderungen der Kennzeichnung, problemlos eingespielt werden. Auch eine Service-Hotline (1 Euro/Minute) steht zur Verfügung und eine Fernwartung ist möglich. Die laufenden Updates sind alle kostenfrei.
Die Anforderungen an den Computer sind nicht ganz so hoch, wie man auf den ersten Blick erwarten würde. bro:Tplus läuft auf Rechnern mit Betriebssystemen ab Windows NT aufwärts; Windows XP wäre zwar besser, aber auch mit Windows 2000 sei man im grünen Bereich, so Messemer.
Import des Bäko-Ordersatzes
Da bro:Tplus als modernes Datenbanksystem aufgebaut ist, greift es auf viele Daten zu und ändert durchgängig alle ausgegebenen Informationen bei einer Veränderung der Grundlagen. Deshalb ist die sorgfältige Eingabe der Grunddaten enorm wichtig. Mittels drag & drop-Funktion wird für jedes Produkt das Rezept, die Chargengröße, die verwendeten Rohstoffe und sogar der entsprechende Lieferant eingegeben, auch die Arbeitszeit pro Charge. Darauf basieren – vereinfacht gesagt – alle Daten der Nährwertberechnung und der Kalkulationen. Damit nun nicht jeder Rohstoff mit seinem Preis von Hand eingegeben werden muss, stellen viele Bäkos ihren Ordersatz per Datenträger oder online zur Verfügung. Da es auf diesem Gebiet aber viele Dateiarten gibt, wurde bei bro:Tplus die Möglichkeit für Softwareimporte ziemlich groß gehalten. Sogar auf die speziellen Anforderungen einzelner Bäcker könnte der Import angepasst werden.
Eingabe per drag & drop
Die Bedienung/Eingabe der Daten ist sehr einfach gehalten, denn mittels der drag&drop-Funktion zieht man die einzelnen Bausteine aus der Schnellzugriffsleiste und stellt sich so sein Rezept mit den entsprechenden Rohstoffen zusammen. Dies geht nach einer gewissen Zeit sehr zügig und mit der Übung kommt auch das Verstehen des Programmschemas. Im Hintergrund werden bei der Eingabe natürlich gleich die Verknüpfungen getätigt, die für die Nährwertberechnung und Kalkulation wichtig sind.
Die Nährwertberechnung basiert auf dem Bundeslebensmittelschlüssel und berechnet die „Big 8“ gegenüber dem alten PIN-Backwaren, das mit den „Big 4“ gerechnet hatte. Bei den „Big 8“ wurden die Nährwerte noch um die Anteile der gesättigten Fettsäuren, Zucker, Ballaststoffe und Kochsalz erweitert. Gleichzeitig werden auch die Zutatenliste, enthaltenen Allergene und auch Auflastung nach QUID (wertbestimmende Zutaten) erstellt – immer nach den aktuell geltenden gesetzlichen Vorschriften.
Rechnen mit Deckungsspannen
Die große Stärke von bro:Tplus ist aber die Kalkulation. Hier wurden bei der Neuprogrammierung die Erfahrungen mit dem alten bro:T sowie viele Anregungen aus der Praxis voll eingebracht. In bro:Tplus wird die Teilkostenrechnung verwendet, da sich diese gegenüber der Vollkostenrechnung durch eine größere Flexibilität und Genauigkeit auszeichnet. Die Vollkostenrechnung ist übrigens für Ausbildungszwecke optional erhältlich.
Die Teilkostenrechnung setzt die variablen Kosten eines Artikels (Arbeitszeit und Material) ins Verhältnis zum Netto-Verkaufspreis. Angegeben wird dieses Verhältnis in der „Deckungsspanne“. Die Frage ist: Wie viel Prozent des Netto-Verkaufspreises werden durch die Arbeits- und Materialkosten „verbraucht“. Der Rest dient dann zur Deckung der Fixkosten (Miete, Versicherungen, Verkauf) Wenn alle diese Fixkosten gedeckt sind, ist der Rest Gewinn. Der Deckungsbeitrag drückt die Deckungsspanne in Euro auf Basis des Netto-Verkaufspreises aus.
In bro:Tplus wird nicht eine Kalkulation je Artikel angelegt, sondern je Verkaufsort oder Lieferkunde. So können mittels verschiedener Szenarien die Auswirkungen auf die/den Deckungsspanne/-beitrag durchgespielt werden. Auch der Jahresdeckungsbeitrag pro Artikel, ABC-Analysen oder auch die Schnellkalkulation können erstellt werden, um nur einige der umfangreichen Kalkulationsfunktionen zu nennen.
bro:Tplus ist ein umfangreiches Kalkulationsprogramm mit Nährwertrechner und Rezeptdatenbank, das mit seinen eingebundenen Vorgängerprogrammen eigentlich nicht vergleichbar ist. Es bietet damit alle diese Informationen in einem Programm und ist Dank online-updates immer auf dem neuesten Stand. Vom Bedienungaufbau her ist es sehr einfach und intuitiv erlernbar, stellt aber an den Nutzer doch gewisse Ansprüche. Er muss einmalig die kompletten Rezeptur- und Rohstoffdaten einpflegen und das Wichtigste – er muss die grundlegenden Zusammenhänge bei der Preisbildung verstanden haben. Dafür erhält er aber ein praxisorientiertes Kalkulationsprogramm mit vielfältigen Funktionen und das bei einem Preis von 200 Euro für Innungsmitglieder – da macht das Kalkulieren richtig Spaß!
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