Unternehmensführung

Sorgenkinder sind die mittelgroßen Betriebe

Wenig bis keine Bereitschaft zu Veränderungen / Erfolgsfaktoren für zukunftsorientierte Betriebsführung auf einer Tagung des BIV Südwest


Kaiserslautern (dtp). Drei Fachvorträge standen bei einer Informationstagung des Bäckerinnungs-Verbandes Südwest (BIV) auf der Tagesordnung. Es wurden Chancen zur Kostenreduzierung im Sektor Energie dargestellt. Neben Informationen zu den Beitragsbescheiden der Berufsgenossenschaft referierte Oliver Vogt über Erfolgsfaktoren für eine zukunftsorientierte Unternehmensführung.

Landesinnungsmeister (LIM) Volker Gögelein mahnte die Mitglieder, nicht nur die Festveranstaltungen wie das kürzlich gefeierte hundertjährige Jubiläum der Bäko Süd-West zahlreich zu besuchen. Genauso wichtig seien die Themen, die der BIV seinen Mitgliedern zur Unterstützung im Wettbewerb anbietet „Es ist schon erschreckend, wie wenig Interesse zum Teil in dieser Beziehung vorhanden ist“, sagte LIM Gögelein.

Oliver Vogt von der Gehrke-Gruppe Hannover, die rund 80 Bäckerei-Betriebe betreut, stellte deren Tätigkeitsfelder vor. Diese gliedern sich in Steuer- und Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung. Vogt ist Gesellschafter und Geschäftsführer im Bereich Unternehmensberatung. Er hatte einen ganz neu erstellten Betriebsvergleich mit Zahlen aus 2006 mitgebracht und erläuterte einzelne Positionen: „Der Markt wächst wieder, die Preisorientierung nimmt wieder ab, das Qualitätsbewusstsein steigt und es ist wieder Vertrauen vorhanden.“

Preise nicht pauschal erhöhen

Zu erkennen sei, die in der Größenpyramide in der Mitte liegenden Betriebe zeigten wenig bis keine Bereitschaft zu Veränderungen, sie seien damit die Sorgenkinder. Der Topp-Level hingegen glänze mit hoher Qualität und hohem Preisniveau, mit hohem Innovationsgrad, mit Spezialitäten, besonderer Atmosphäre, Stammkunden, Individualität sowie Service und Dienstleistungen.

Zu beachten sei, dass bei vorhandenem Mehrumsatz im Bereich Snacks zu wenig verdient werde – „das ist bedenklich.“ Der Wareneinsatz sei von 2005 auf 2006 zwischen 0,4 bis 7,6 Prozent gesenkt und der durchschnittliche Rohgewinn-Aufschlag sei mit 450 Prozent ermittelt worden. Im Jahr 2007 werde mit einer Kostensteigerung von zwei Prozent zu rechnen sein. Vogt empfahl, wenn Preise nach oben gesetzt werden, dann auf keinen Fall pauschal, sondern genau differenziert. Er wies weiter darauf hin, wenn zum Beispiel zehn Prozent Rabatt gewährt werden, müsse 33 Prozent mehr verkauft werden, um den Nachlass auszugleichen. Also sei sehr genau zu rechnen.

Vogt empfahl, klare Konzepte zu fahren. Falsch wäre etwa die Vermischung von Lieferungen und Franchising. Größenunabhängige Topp-Betriebe verfügten heute über eine klare strategische Positionierung, konsequente und zukunftsorientierte Mitarbeiterführung und einen Cash-Flow um die zehn Prozent. Für die Zukunft sollte an einer Erweiterung der Snack-Kompetenz, an Qualitäts-Führerschaft, Spezialsortimenten, Mitarbeiter-Beteiligungssystemen und Erhöhung des Cash-Flow auf 15 Prozent hin gearbeitet werden.

Für den Umgang mit Banken riet Vogt schneller und präziser zu werden. Deutlich zu erkennen sei, die Banken seien wieder leichter bereit, über die Finanzierung von Investitionen zu reden. Leider seien jedoch noch viele Unternehmen im „Blindflug“ unterwegs, zumal Rating einen immer umfangreicheren Stellenwert einnimmt. „Standardisierte und flexible Planungsprogramme werden verstärkt nachgefragt,“ sagte Vogt.

Optimierung des Ratings

Gehen Sie niemals unvorbereitet in ein Rating;

Versetzen Sie sich in die Denkweise der Bank;

Bestimmen Sie, wer aus welchen Gründen mit welchem Verfahren raten will;

Stellen Sie Controlling in den Mittelpunkt Ihrer Überlegungen;

Trainieren Sie das Bankgespräch;

Lassen Sie sich im Rating von qualifizierten und (von Banken) anerkannten Beratern begleiten;

Beginnen Sie rechtzeitig mit den Vorbereitungen;

Investieren Sie langfristig in Ihre Softwarelösung.

Stetiger Zugriff erforderlich

Zur Überwindung von Hindernissen sei primär ein Konzept zur Unternehmensplanung zu erstellen. Es sollte einfach und unkompliziert sein, auf die Bedürfnisse des Unternehmers und des Unternehmens zugeschnitten. Als dringend erforderlich gehöre dazu die Möglichkeit stetiger (webbasierter) Zugriffe auf individualisierte Reports und Kennzahlen. Weiter eine permanente Hotline sowie „Individual-Coaching“ vor Ort mit Unternehmer und Führungsteam in fest terminierten Zeitabständen.

Ein Unternehmens-Planungskonzept für einen Bäckereibetrieb könne etwa so aussehen:

Ein- bis Dreijahresplanung (inklusive Liquiditätsplanung);

Regelmäßige Soll-Ist-Vergleiche;

Aktualisierung der Planung einmal jährlich;

Planszenarien sollten jederzeit leicht und einfach zu erstellen sein;

Benchmarks von Top-Betrieben (Referenz-Betriebe ähnlicher Größenklasse) seien heran zu ziehen.

Zum Schluss stellte Vogt die erforderlichen Voraussetzungen für eine dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit vor:

1. Zeitgemäßer Marktauftritt,

2. Klare Standortstrategie,

3. Konsequente Mitarbeiterführung,

4. Ausgeprägte Kundenorientierung,

5. Hervorragende Qualität,

6. Interessantes Sortiment mit angemessenen Preisen.


Artikel vom 19.04.2007
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