Mobiles Handwerk

Selbst Neulinge sind immer richtig auf Kurs

Im mobilen Verkaufsfahrzeug der Bäckerei Jendraß ist ein Navigationsgerät aus der Schifffahrt im Einsatz / Jeder Haltepunkt ist programmiert


Baddeckenstedt (hjw). „Super Gerät, sehr gutes Kartenmaterial, Routen können am PC erstellt oder mit dem Gerät aufgezeichnet werden“. Bäckermeister Olaf Stahlhut aus Baddeckenstedt in der Nähe Goslars ist mit seiner neuesten technischen Errungenschaft sehr zufrieden. Immer wenn krankheits- oder urlaubsbedingt Personal bei ihm ausfällt, kommt die kleine schwarze Box mit Farbdisplay in seinen drei mobilen Verkaufsfahrzeugen zum Einsatz.

Die einfache Bedienung sei genial, meint der vor rund zwanzig Jahren vom Metallfachmann ins Bäckerhandwerk gewechselte Stahlhut. Mit dem Bedienen ist das jüngste „Spielzeug“ des Betriebes mit ernsthaftem geschäftlichem Hintergrund gemeint. Der neue „StreetPilot 2720“ kündigt der Bäckerfamilie Abbiegungen mit seiner Text-to-Speech-Sprachausgabe namentlich an. Und anders als bei herkömmlichen Navigationssystemen werden dabei Namen von Straßen, Plätzen und Sonderzielen mit angesagt. „Bis zu 250 Standpunkte können per Hand am Gerät oder am PC problemlos eingestellt werden“, ist Stahlhut
als Technikfreak mehr als zufrieden.

„Wir sind ständig in Bewegung“

Der Liebe wegen ist der heute 56 jährige seinerzeit in den Betrieb des Schwiegervaters eingetreten. Gemeinsam mit Ehefrau Symone, die den Verkauf im Ladengeschäft leitet, sind seitdem viel Energie und neue Geschäftsideen mit Investitionen in den Verkaufsbetrieb und die Backstube geflossen. Ebenso in das Geschäftsmodell des mobilen Verkaufens in den umliegenden Dörfern.

An 5 bis 6 Tagen in der Woche sind zwei Verkaufswagen – geordert beim Herstellerwerk Borco-Höhns in Rotenburg – im Dienste der Bäckerfamilie auf Achse. Zwischen Baddeckenstedt und Goslar, von Hoheneggelsen bis Peine, werden etliche Haltestellen meist in Wohngebieten, vor einer Tankstelle, einem Schlachterladen und auch vor Firmen (in diesem Falle sind belegte Brötchen besonders gefragt) angesteuert. Das ist mit unserem Stammpersonal und Verkäuferinnen eine sprichwörtlich eingefahrene Sache, meint Stahlhut. Das Motto heiße, „wir sind ständig in Bewegung“ .

Bei insgesamt sechs Fahrerinnen bzw. Fahrern kommt es laut Stahlhut durch Urlaub oder Krankheit immer mal wieder vor, dass improvisiert und organisiert werden muss. Wer fährt die frei gewordene Verkaufstour? Stahlhut: „Die Einarbeitung des Personals auf neuen Strecken im Umkreis bis zu 40 km von Baddeckenstedt – gefahren wird immerhin von morgens um 8Uhr bis in den späten Nachmittag hinein – dauert in der Regel bis zu einer Woche. In dieser Zeit ist also ständig eine weitere Arbeitskraft zeitlich gebunden.“

Zielgenaues programmieren

In dieser Situation kam Stahlhut die Idee der Navigation im Fahrzeug. Entgegen den gängigen Geräten für den privaten Einsatz, wo meist nur von A nach B und zurück die Fahrtroute eingegeben werden kann, biete das insbesondere in der Seefahrt benutzte Gerät die Möglichkeit, mehr als 250 Haltepunkte einzuprogrammieren. Das funktioniere sehr zielgenau in Abständen von etwa 10 m; jeder neue Halt werde mit einer Flagge auf dem Navigations-Bildschirm kenntlich dargestellt. Bis auf plusminus 5 m genau könne somit jeder neue Fahrer die Verkaufstour abfahren.

Eine Erleichterung im Arbeitsalltag, die sich Stahlhut gut für seine Kollegen des fahrenden, weil verkaufenden, Bäckerhandwerkes vorstellen kann. Die Ortung erfolgt mittels „Globalem Positionsbestimmungssystem“ (GPS), also Satelliten gestützt.

Zurück zum eigentlichen Handwerk: Der mobile Verkauf war in dem 600-Seelen-Ort Baddeckenstedt schon immer angesagt. Mittlerweile hat es Stahlhut mit mehreren mobilen Bäckern zu tun, die zum Teil auf den gleichen Verkaufstouren ihr Glück versuchen. Das durch den Boom an neuen Supermärkten und Billiganbietern produzierte Bäckersterben hat auch vor dem Kreis Wolfenbüttel nicht halt gemacht. Traditionelle Bäckereien aus den angrenzenden Dörfern mussten nach den Worten Stahlhuts in den vergangen Jahren schließen.

Besinnen auf eigene Produkte

Die Bäckerei Jendraß setzt in dieser Situation auf bewährte Qualität und Vielfalt sowie guten Service im Ladengeschäft und im mobilen Verkauf. Der Laden als Anlaufpunkt im Dorf ist an sieben Tagen in der Woche von 6 Uhr (Sonntags ab 7 Uhr) bis 17 Uhr durchgehend geöffnet. „Hier kennt jeder jeden und die Welt ist noch weitestgehend in Ordnung“, hält Stahlhut zufrieden einen Schwatz mit dem örtlichen Polizeihauptmeister. Vor allem das reichhaltige Kuchensortiment mit den Sahnetorten vom Feinsten komme bei den Kunden gut an, denn im näheren Umkreis gibt es kaum vergleichbares. Allerdings sitzt auch hier die Konkurrenz backender Großkonzerne, die an große Handelsketten liefern, im Nacken. „Da hilft nichts anderes, als das Besinnen auf gut hergestellte eigene Spezialitäten und der Anspruch, immer wieder neue, interessante Kuchenprodukte anzubieten“, meint Ehefrau Symone.

„Neben dem klassischen Brot- und Brötchensortiment macht die Sparte Feingebäck rund 50 Prozent am Gesamtumsatz aus“, so Stahlhut. Ebenso verhalte es sich mit der Aufteilung zwischen stationärem und mobilem Verkauf. 100 Prozent Handarbeit ohne Zusatzstoffe sei sein bestes Argument für die Kunden gegenüber der billigeren Massenware. Zur Vielfalt des Ehepaares Jendraß-Stahlhut und seiner 20 Mitarbeiter gehört ein Café, das auch am Sonntag geöffnet ist. Dann stehen ausnahmsweise die rollenden Filialen auf Rädern still.

Infos zum Navigationsgerät:

Tel. 089 858364-0

www.garmin.de

Ist aber auch über Amazon oder Conrad Elektronik etc. zu erwerben.


Artikel vom 16.08.2007
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