Ernährungs- & Warenkunde
Proteingehalt sinkt ab
Der Klimawandel verändert auch die Nutzpflanzen
Stuttgart (p). Die Pommes werden giftig, das Bier schäumt nicht mehr und Brot backen wird unmöglich – die Treibhausgase in der Luft verändern nicht nur das Klima, sondern auch unsere Lebensmittel.
Das zeigen jetzt Experimente der Universität Hohenheim. In High-Tech-Feldexperimenten haben Agrarbiologen Weizen, Gerste und Kartoffeln den Umweltbedingungen der Zukunft ausgesetzt. Fazit: Nicht nur die Erträge, auch die Zusammensetzungen der Pflanzen ändern sich – und das nicht unbedingt zum Guten.
Mehrere Arten von Gerste, Weizen und Kartoffeln haben die Hohenheimer Pflanzenökologen solchen Experimenten unterzogen. Die Pflanzen mussten dabei in Klimakammern mit CO2-Konzentration zurechtkommen, die einem Wert entsprechen, der in 50 Jahren auf der Erde erwartet wird.
Anschließend wurde die Qualität der Frucht analysiert. Das Ergebnis ist wohl ernüchternd: „Durch den erhöhten CO²-Wert in der Luft wachsen die Pflanzen zwar besser und erbringen einen größeren Ertrag, jedoch weicht die Qualität der Nutzpflanzen vom Normalzustand ab“, sagt Prof. Dr. Fangmeier. „Brot kann aufgrund der fehlenden Klebefähigkeit des Weizens nicht mehr gebacken werden, Bier kann weniger schäumen und Pommes Frites könnten sogar giftig für den Menschen sein.“ Und weil auch die Pflanzen für Tierfutter weniger Nährwert haben, müssen Landwirte größere Mengen verfüttern.
Schuld daran sind vor allem veränderte Proteinkonzentrationen in den Pflanzen. Denn unter erhöhtem Kohlendioxidgehalt der Luft benötigen die meisten Pflanzen weniger Proteine und damit weniger Stickstoff in den Blättern – und haben dann weniger Stickstoff zur Verfügung, den sie während der Reifung in die Früchte transportieren können.
„Die künftige Luftzusammensetzung führt dazu, dass bestimmte Enzyme in der Pflanze effektiver arbeiten und die Pflanzen weniger Stickstoff aufnehmen. Auch andere Mikronährstoffe, die für unsere Ernährung wichtig sind, nimmt die Pflanze nur noch begrenzt auf, sagt Prof. Dr. Fangmeier. „In 50 bis 100 Jahren liefern die heutigen Sorten unter diesen veränderten klimatischen Bedingungen nicht mehr die Erntequalität, die wir brauchen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir in Zukunft neue oder veränderte Pflanzenarten zur Lebensmittelproduktion benötigen“, sagt Prof. Dr. Fangmeier.
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