Unternehmensführung

Neue Finanzierungsformen ins Auge fassen

Bei der Kapitalbeschaffung gewinnen alternative Geldgeber an Bedeutung / Vortrag von BM Martin Mahl zu Gründung und Finanzierung


München (gt). Jungen Unternehmern – ob Existenzgründer oder als Übernehmer eines bestehenden Betriebes – wird der Sprung in die Selbstständigkeit nicht leicht gemacht. Welche Probleme in der Praxis auftreten, darüber berichtete Bäckermeister Martin Mahl (30) aus Stetten a.k.M. in Baden-Württemberg bei einem Kongress in München.

Den Vortrag hielt der 30-jährige auf Einladung des Bundesministeriums für Wirtschaft im Rahmen der Fachtagung „Finanzierungs- und Gründungskonferenz“. Er hatte drei Jahre zuvor zusammen mit seiner Schwester den elterlichen Betrieb in 4. Generation auf der Schwäbischen Alb übernommen.

Betriebsübernahme als KG

Zu Beginn seines Referates stellte Martin Mahl sich und seinen bisherigen Werdegang vor, der nach Abitur und Zivildienst im Jahre 1995 mit der Ausbildung zum Bäcker begann. Es folgte ein dreijähriges Studium zum Diplom-Betriebswirt (BA) an der Berufsakademie Stuttgart.

Bereits während des Studiums besuchte Martin Mahl verschiedene Fortbildungen, unter anderem in den USA und war dabei zeitweise auch bei einer Bäckerei in München beschäftigt. Von 2001-2003 war er im elterlichen Unternehmen als Assistent der Geschäftsleitung tätig, bevor er die Prüfung zum Bäckermeister ablegte und am 1. Januar 2004 zusammen mit seiner Schwester Yvonne Mahl das bisher von den Eltern als Einzelunternehmen geführte Backhaus Mahl übernahm.

Bis zur Übernahme durch Martin und Yvonne Mahl war das Backhaus Mahl von den Eltern Volker und Karin Mahl als Einzelunternehmen geführt worden. Dabei war im Jahre 2003 mit 20 Filialen und 150 Mitarbeitern ein Umsatz von 6 Mio. Euro erwirtschaftet worden. Die 2004 zwecks Übernahme gegründete „Backhaus Mahl GmbH & Co.KG“ erzielt heute, zweieinhalb Jahre nach der Gründung, in 26 Filialen einen Jahresumsatz von 8Mio. Euro und beschäftigt derzeit 200 Vollzeitkräfte.

Zur Situation des alten Einzelunternehmens berichtete Martin Mahl, dass sie einerseits durch eine solide Qualitätspolitik und Ertragslage, andererseits aber auch durch eine nicht klar definierte Wettbewerbs-Strategie gekennzeichnet gewesen sei. Mit Blick auf die anhaltende Konsumzurückhaltung und des Preisdrucks durch Billiganbieter sei dies jedoch ein Problem und ein Grund für den Abschmelzungsprozess im Bäckerhandwerk. Von dieser Konzentration seien allen voran die kleineren Betriebe, aber auch industrielle Anbieter betroffen. Ursache dafür seien fehlende Nachfolge-Regelung, fehlendes oder unzureichendes Marketing, überzogene Investitionsbereitschaft, die anhaltende Konsumzurückhaltung und nicht zuletzt Schwächen im Management.

Einkaufserlebnis und Premium

Nüchtern sei auch die konjunkturelle Zukunft zu bewerten. Der Gesamtmarkt zeige nur geringe Steigerungsperspektiven und die Expansions-Strategie der auf Massenware spezialisierten Industriebetriebe stoße an ihre Grenzen. Es sei denn, die Handwerksbäcker geben Umsatz ab. Das Konsumverhalten differenziere sich immer stärker. Billigartikel werden vermehrt nachgefragt, denn die Kaufkraft in der Masse sinke weiter. Andererseits steige aber auch die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Artikeln. Die Suche nach Einkaufserlebnissen gewinne für immer mehr verwöhnte Kunden erst richtig an Bedeutung. Seiner Meinung nach sei es daher für den Handwerksbäcker die Ausrichtung zum Premiumbäcker als Anbieter mit einem hohen Qualitätsanspruch im Backwarensortiment gepaart mit einem guten Gastro-Konzept sinnvoll. Das Stichwort hierzu laute: „Einkaufserlebnis“. Trotz dem allgegenwärtigen „Geiz ist Geil-Gehabe“ haben die Verbraucher nach Meinung von Martin Mahl eine Vorliebe für Premium-Produkte entwickelt. Allerdings bedürfe es dazu einer starken Marke als Verkaufsargument.

Bei der Vorbereitung zur Übernahme verwies Martin Mahl auf die Veränderungen im Bankensektor und die Neuerungen, die das Kreditwesengesetz und Basel II mit sich brachten. Als weiteres Problem bezeichnete er die Unterkapitalisierung des alten Einzelunternehmens. Das Negativkapital sei in den vergangenen Jahren, möglicherweise sogar steuerlich sinnvoll, über die Gewinnsteuerung angewachsen.

Finanzierungsstruktur erarbeitet

Im Rahmen einer mehrmonatigen Vorbereitungs- und Realisierungsphase für die Unternehmensnachfolge habe man im Hause „Mahl“ neben dem Steuerberater, einen externen Unternehmensberater und die Hausbanken eng mit eingebunden. Für den notwendigen Kapitalbedarf wurde eine optimale Finanzstruktur erarbeitet. Die Mittel für Immobilien-Erwerb und Erweiterung der Produktion, aber auch für neue Filialen wurden unter Berücksichtigung der zukünftigen Kapitaldienstfähigkeit sorgfältig durchdacht und kombiniert.

Neben eigenem Kapital, ERP-Programmen, KfW-Unternehmer-Darlehen und Eigenkapitalhilfe-Darlehen wurde die Mittelständische Beteiligungs-Gesellschaft Baden-Württemberg (MBG) für eine Beteiligung gewonnen. Im Hinblick auf das bisher negative Eigenkapital wären die mittel- und langfristigen Wachstumsmöglichkeiten eingeschränkt gewesen. Deshalb sei die Finanzierungsstruktur, insbesondere die Einbindung von mezzaninen Finanzierungsformen (Unternehmer-Kapital und MBG-Beteiligung) eine wesentliche Empfehlung der Hausbanken gewesen. Dies habe zu einer Stärkung des wirtschaftlichen Eigenkapitals geführt und beim letzten von der Hausbank durchgeführten Rating zum erfreulichen Ergebnis von 1c geführt

Behörden nur wenig flexibel

Als ein Hauptproblem für Existenzgründer und Nachfolger bezeichnete Martin Mahl die mangelnde Flexibilität der Behörden. Als besonders krasses Beispiel verwies er auf die Änderung der Firmierung, die bei Gewerbe-Anmeldungen als Neuanmeldung gehandhabt werde und bei mehreren Filialen zu erheblichen, aber doch vermeidbaren Kosten führe. Zu den weiteren Problemen der Praxis gehöre die unterschiedliche Auslegung von Lebensmittel- und Gaststättengesetzen, sowie Verordnungen der verschiedenen Behörden in unterschiedlichen Gemeinden.

Besonders krass sei dies bei der Müll-Entsorgung. Um Kosteneinsparpotenziale zu erschließen, habe man in der Firma bereits vor zwei Jahren ein eigenes Umweltmanagement-System eingerichtet. Dennoch sei man dieser Tage von den Abfallwirtschaftsämtern zur Anschaffung von 26 Restmüll-Behältern für alle Filialen verpflichtet worden, die jedoch aufgrund der eigenen zentralen Stoff-Entsorgungsstelle gar nicht benötigt werden.

Der Versuch, den Behörden 75 Prozent des geforderten Geldbetrages zu bezahlen, ohne dass sie die Müllbehälter zur Verfügung stellen müssen, wurde abgelehnt. Die Folge: Es wurden 26 Mülleimer geliefert und das Unternehmen zahle neben den Beschaffungskosten auch noch die monatlichen Grundgebühren, ohne dass die Container überhaupt genutzt werden.

Tipps für Gründer

Zur Chance von jungen Unternehmen, die häufig im zweiten oder dritten Jahr scheitern, erklärte BM Mahl:

Pflegen Sie als Existenzgründer und Unternehmer einen engen Kontakt mit der Hausbank, mit Gesellschaftern, mit Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer und ziehen Sie einen externen Unternehmensberater hinzu. Eine offene, aufgeschlossene und regelmäßige Bankenkommunikation gemäß den Basel II-Richtlinien gewinne auch im Zusammenhang mit den höher werdenden Rating-Anforderungen immer mehr an Bedeutung.

Schaffen Sie ein zeitnahes und detailliertes Controlling-System. Dieses sollte nicht erst auf Drängen der Kreditgeber, sondern ohnehin ein unverzichtbarer Bestandteil des Tagesgeschäftes darstellen.

Unternehmen, die modern finanzieren, benötigen mehrere, verschiedene Geldgeber. Banken und Sparkassen werden auch künftig die wichtigsten Finanzierungspartner für Unternehmen bleiben, alternative Investoren, wie Leasing- oder Factoring-Geber sowie Beteiligungsgesellschaften – wie im Fall Mahl die MBG – gewinnen an Bedeutung. Fallen die Bonitätsanalysen mal schlechter aus, dann könnte das im schlimmsten Fall schon einmal das Ende der Zusammenarbeit bedeuten.

Auf der Liste der zehn größten Finanzierungsprobleme taucht der Aspekt „Finden von Finanziers“ schon auf Platz vier auf. Nur getoppt von Finanzierungskosten, Offenlegungspflichten und Sicherheitenstellung, so eine Ernst & Young-Studie. Hier sollten Existenzgründer und Unternehmer sich im jeweiligen Bundesland auf jeden Fall genauestens informieren, welche Möglichkeiten die örtlichen Landesbanken bieten.


Artikel vom 20.07.2006
Drucken 

Weitere Nachrichten aus Praxis vom 20.07.2006:

Anschluss per Mausklick
Alternative Backmittel
Rationelle Rezeptideen
Rundum sicher verpackt
Exotische Kompositionen
Marketingvorteil nutzen
Einfaches Handling
Stromausfall ist ab sofort mit drin
Azubi auf die Anforderungen vorbereiten
Schwächen beseitigen

Kommentare

Aktuelle Meldungen aus Praxis


Abonnenten Bereich



Hilfe




Rezept der Woche

Tomaten-Brötchen
Rezept der Woche Gebäck mit Haferkleie und getrockneten Tomaten mehr ...




ABZ Newsletter

Nutzen Sie als Abonnent kostenlos unseren wöchentlichen Informationsdienst per E-Mail.

Jetzt anmelden!