Mobiles Handwerk
Nahversorger auf direktem Weg zum Kunden
Bäckermeister Fischer, Harz, macht seinen Hauptumsatz über den mobilen Verkauf mit einem ausgefeiltem Tourengeschäft

Das Kernteam der Bäckerei Fischer OHG mit Horst Fischer, Ehefrau Ilona (Mitte), Tochter Evelyn Blumenhagen und Ehemann Ulrich( hinten rechts).
Tochter Evelyn Blumenhagen – ebenfalls Bäckermeisterin – ist Mitgesellschafterin der OHG. Ihr Ehemann Ulrich hat aus Liebe und praktischen Überlegungen vom Tierwirt zum Bäcker umgeschult und ist in erster Linie in der Backstube und dreimal wöchentlich sehr erfolgreich auf dem Wochenmarkt. Wachstum wird ganz wesentlich durch das ausgefeilte Tourengeschäft mit zur Zeit fünf mobilen Filialen erarbeitet. Fischer: „Wir haben uns in den vergangenen Jahren recht gut aufgestellt und versuchen mit Hilfe des Fuhrparks die entstandenen Marktlücken zu schließen.
Mit Entwicklung zufrieden
Die Zeiten für Investitionen sind bei weiter zögerlichem Verbraucherverhalten momentan nicht günstig. Konsolidierung und Kosten drücken ist in vielen Betrieben die Regel. Fischer senior stimmt jedoch nicht in die allgemeinen Wehklage der Branche ein. Mit dem Stammgeschäft und vier Touren Überland und auf Wochenmärkten sei man zufrieden. Lediglich eine Filiale, die auf 400 Euro-Basis betrieben werde, müsse wohl über kurz oder lang geschlossen werden. Mit dem fünften Mobilfahrzeug und der jetzigen Routenplanung sei man ebenfalls am Hadern.
Bei guten Tagesumsätzen – und am Wochenende schon mal sehr guten – ist der Verkauf über die Fahrzeugflotte von Borco-Höhns für Fischer aber insgesamt nicht wegzudenken. „Fast 70 Prozent des gesamten Umsatzes – auch 2005 wieder nahezu stabil – wird mit den Verkaufsfahrzeugen gemacht“, sagt Fischer. Außer Anzeigen im Gandersheimer Kreisblatt seien die mobilen Werbetafeln auf Rädern gerade bei den älteren Stammkunden eine wichtige Institution und Anlaufstation. „Wenn Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe fehlen und kein Auto zur Verfügung steht, sind wir Versorgungsquelle mit frischen Waren und Kontakt zur Außenwelt“, erklärt Fischer.
Mobiles Geschäft ausgebaut
Seit 1954, dem Beginn seiner dreijährigen Lehre, ist Fischer im Bäckereigeschäft tätig. Gleich im Anschluss wechselte er in den elterlichen Betrieb. Bereits einige Jahre später, genau 1965 bis 1967 wurde der Betrieb verlagert in einen ehemaligen Bauernhof aus dem Jahr 1752. An die enormen Umbauarbeiten erinnert sich Fischer heute eher mit Unbehagen. Doch die Mühen hätten sich gelohnt, der Standort mit großzügigem Grundstück sei optimal. Mit der Geschäftsübernahme vom Vater im Jahr 1985 folgte der Entschluss, mit dem mobilen Verkauf im Umkreis von Kalefeld ein zweites geschäftliches Standbein aufzubauen.
Heute sind besagte fünf Fahrzeuge auf Tour, manche Verkäuferin wie schon wie Christa Lange und Andrea Thormann bis zu zwei Jahrzehnte, also von Beginn an, dabei. Mit dem Schließen von Ladengeschäften anderer Bäcker der Region baute Fischer sein mobiles Geschäft nach und nach aus. Wie weit sich der Markt verändert hat, ist laut Fischer allein an der Zahl der Wiederverkäufer abzulesen. „Von ehemals 11 sind heute noch drei übrig.“ In der Gemeinde Kalefeld gibt es bei rund 7000 Einwohnern mittlerweile drei Supermärkte, dem allgemeinen Trend folgend. So steht auch für Fischer und Team aus 20 Mitarbeitern für das laufende Jahr erhöhte Kosteneffizienz auf dem Geschäftsprogramm.
Mit einer Großinvestition von 750.000 DM wurde vor wenigen Jahren die Technik mit Ofen und Froster runderneuert. Die Qualität aus dem Backhaus Fischer stimmt eh. Erst jüngst wurden wieder mehrere Brotsorten und vier verschiedene Stollen-Varianten mit Gold- und Silbermedaillen für hervorragende Qualität gemäß den hohen Ansprüchen und Richtlinien der DLG ausgezeichnet. Fischer-Spezialität ist das Delikatesskornbrot, ein geschnittenes Schwarzbrot, das nach dem Backen sterilisiert wird und so ohne Konservierungsstoffe etwa 4 Wochen haltbar ist.
Mobilität und Flexibilität
Der Kontakt zum Rotenburger Fahrzeughersteller Borco-Höhns ergab sich seinerzeit über das Unternehmen Tchibo, damals Großabnehmer für eigene Vertriebsaktivitäten über den Einzelhandel. Heute macht das Kaffeegeschäft im Betrieb Fischergerade noch 8 Prozent am Gesamtumsatz aus. Mobilität und Flexibilität ist hingegen das Gebot der Stunde. Die Verkäuferinnen (und ein Verkäufer) auf den Selbstfahrern sind mit Brot, Brötchen, Kuchen sowie der Bild-Zeitung, Kaffee und Handelsware nach Nachfrage von Dienstag bis Samstag in Aktion. Das Ziel sind Wochenmärkte in Northeim, Seesen, Bockenem und Bad Gandersheim sowie das Umland in einem Radius bis zu 30 km. Die ersten drei Fahrzeuge wurden gleich bar gekauft, natürlich in Abständen von einigen Jahren. In Zeiten von Basel II ist Fischer beim jüngsten Neuerwerb auf das Leasing-Modell der Rotenburger Hersteller eingeschwenkt.
Hochbetrieb ab 4.30 Uhr
An den Touren wird immer gefeilt: So gehört ein Brötchen-Service von 4.30 bis 7 Uhr morgens seit längerem mit zum Verkaufsplan. Am Samstag ist traditionell Hochbetrieb mit bis zu 400 Tüten, die dann mit drei Fahrzeugen ausgefahren werden. Zwischen 7.30 Uhr bis 17 Uhr sind alle Wagen auf Wochenmärkten und Überland von Haustür zu Haustür im Umkreis zu finden. Tochter Evelyn ist derweil immer dort, wo gerade „Not am Mann“ ist, sei es in der Herstellung von Kuchen, dem Zuordnen der Brötchentüten, dem mobilen Fahrzeugverkauf oder in der Buchhaltung. „Wir liefern überall hin, wo es gewünscht wird, Service wird groß geschrieben“, so Mitgesellschafterin Blumenhagen. Mutter Ilona, früher selbst aktiv hinterm Ladentresen, hält als gute Seele den Betrieb zusammen. Und Schwiegersohn Ulrich Blumenhagen ist gerade unterwegs ist mit Handzetteln, um das neueste Tourengeschäft wieder etwas anzukurbeln.
Weitere Nachrichten aus Praxis vom 17.02.2006:
Guter Geschmack darf etwas kosten
Zum Auftakt auf Amerika gesetzt
FIFA geht gegen WM-Trittbrettfahrer vor
Aufs Zweirad gesetzt
Seltener im Auto zum Einkauf
Immer frisch gepflegt
Erfrischendes mit Wellness-Image
Rustikal mit kräftigem Geschmack
Flotter Eis-Verkäufer
Verzieren in den Landesfarben

RSS

Zur Bildergalerie "Backkongress 2011"