Reportage

Nächste Ausfahrt: Bäckerei

Die Schwarmstedter Bäckerei Vatter hat ihre neue Produktion mit großzügigem Café auf 13.500 m² Fläche direkt an der Autobahn A7 gebaut


Schwarmstedt (p). „Die schlechteste Entscheidung ist, gar keine zu treffen“ – Eckehard Vatter aus Buchholz an der Aller bei Celle ist vermutlich auch deshalb ein so erfolgreicher Unternehmer, weil er keine wichtigen Entscheidungen scheut und immer wieder die Weichen für die Entwicklung seiner Bäckerei neu gestellt hat. Sein jüngstes Großprojekt war der Neubau der Produktion mit angrenzendem Café auf einer 13.500 m² großen Fläche in einem Gewerbegebiet direkt an der Autobahnabfahrt A7 Schwarmstedt. Das Projektmanagement und die Produktionsplanung lagen bis zur Fertigstellung in den Händen von Elekom Technik aus Buchholz bei Hamburg.

„Die alte Produktion war zu klein geworden. Außerdem hatten wir zu wenig Büroräume für die Verwaltung. Wir hatten uns alle nicht mehr richtig wohl gefühlt“, sagt der 58-jährige Konditormeister. Aber so sachlich und einfach, wie das hinterher klingt, war der ganze Entscheidungsprozess natürlich nicht. „Wir haben viele Jahre überlegt und wussten lange nicht, welchen Weg wir gehen sollten“, erinnert sich Vatter.

Der Unternehmer hat sich ausrechnen lassen, was teurer wird – Anbau oder Neubau. Aber zur kaufmännischen Seite kommt noch eine psychologische Komponente. Ein großes Darlehen muss aufgenommen werden, es geht um viel Geld. Lohnt sich das? Die Vatters ließen sich letztlich deshalb auf das Millionenprojekt ein, weil sich ihr Sohn Robert entschieden hat, den Betrieb weiterzuführen. Der 21-Jährige hat nach dem Abitur inzwischen eine Bäckerlehre beendet und arbeitet zur Zeit noch in einer anderen Bäckerei.

Maßgeschneiderter Betrieb

Nachdem die Entscheidung für den Neubau endlich gefallen war, hat der Unternehmer Vatter viele Betriebe gesehen und musste schnell feststellen: Den einen vorbildlichen Betrieb gibt es nicht. „Jeder legt auf etwas anderes Wert. Man muss sich seine Halle schon maßschneidern.“ Wie soll der Baukörper gestaltet sein? Welche Technik soll hinein? Ist der Standort der richtige? Alle diese Fragen mussten im Vorfeld geklärt werden, damit das Objekt zukunftsfähig gestaltet werden kann. Vatter hat sich deshalb nicht nur einen Architekten, sondern auch das Ingenieurbüro Elekom als Generalplaner ins Haus geholt.

In den Gesprächen mit dem Planungsbüro kristallisierte sich dann langsam heraus, was für Vater und Sohn wichtig ist. Sie wollten für die Zukunft mehr auf Qualitätssicherung als auf Expansion setzen. „Schon seit Jahrzehnten gehört es zu unserer Philosophie, keine Tüten aufzureißen. Wir arbeiten nur mit Sauerteig und kochen noch jede Creme von Hand.“ Neue Technik, die zur bestehenden hinzukommen sollte, wurde nach diesen Gesichtspunkten ausgewählt. Beispielsweise arbeiten Vatters mit Stikken-, Wagen- und Etagenöfen sowie mit einem Pellet-betriebenen Holzofen. Zudem wurden die Lager- und Kühlkapazitäten und der Snackbereich deutlich größer gestaltet.

Besonders freut sich der Bauherr über die eingehauste Verladung. So können die Lkws jetzt wind- und wettergeschützt bequem beladen werden. Dieser Teil des Neubaus eignet sich darüber hinaus zur Erweiterung – sollte die Entwicklung irgendwann doch noch einmal in Richtung Vergrößerung gehen.

Wichtig war Vatter auch, das Objekt optisch ansprechend zu gestalten. Sowohl die Mitarbeiter als auch der Chef selbst sollten sich im neuen Gebäude wohlfühlen. Deshalb sind die Wände im Bürotrakt in heller, freundlicher gelb-oranger Mischtechnik gestrichen, es liegen echte Tonziegel auf dem Dach und das Chefbüro hat eine eigene Dusche und Toilette.

4000 m² Fläche hat der neue Gebäudekomplex, 3000 m² davon beherbergt die Produktion. Auch ein Café mit 100 Sitzplätzen ist angegliedert. Weil es sich in direkter Konkurrenz zu McDonalds und einem BP-Tankstellenrestaurant befindet, sollte es hinter den Mitbewerbern um die Kundengunst nicht zurückstehen, musste es auffällig sein. „Wir sind deshalb in die Höhe gegangen“, sagt Vatter. Seine Halle hat eine Höhe von 9,50 Metern, an der Außenwand ist eine auffällige Fassadenmalerei zu sehen, die zwei traditionelle Handwerksbäcker bei der Arbeit, einige Backwaren und eine zufriedene Kundin mit einer dampfenden Tasse Kaffee zeigt.

Angenehmes Raumklima

Die große Bauhöhe sorgt einerseits für Aufmerksamkeit, andererseits für ein sehr angenehmes Raumklima sowohl in der Produktion als auch im Cafébereich. Zudem bot sie die Chance zu einer interessanten Dekoration im Café. Über der Theke ist eine dreidimensionale Kulisse aus Treppen, offenen Türen und Mauern entstanden, die zum Hinschauen anregt und die Fantasie beflügelt.

Im Juli 2008 war schließlich Einweihung des Neubaus. An die Zeit des Umzugs erinnert sich Vatter mit Grausen. Obwohl er sich theoretisch darauf vorbereitet hatte, dass nicht alles glatt laufen kann. Doch an welcher Stelle die Schwierigkeiten konkret auftreten, kann vorher niemand wissen. Dass zum Beispiel die Verwiegeanlage nicht funktionieren oder die Anbindung der Kassen aus den Filialen aussetzen würde, darauf musste reagiert werden, sobald der Fehler bekannt wurde. „Die ersten acht Wochen nach dem Umzug sind die schlimmsten. Man glaubt, man ist umgezogen und dann fangen neue Schwierigkeiten erst an.“ Doch Vatter ist auch in diese Phase nicht unvorbereitet gegangen. Das Planungsbüro Elekom hat den Bauherrn so gut wie möglich darauf vorbereitet und beim Ablauf begleitet. Die Fachleute gehen erfahrungsgemäß von rund einem Jahr Umgewöhnungszeit aus.

Die Standortentscheidung hat sich schon nach kurzer Zeit als richtig erwiesen. Die Kunden nehmen das Café sehr gut an. Vier neue Filialen sind seit der Eröffnung hinzugekommen. Die Mitarbeiter, denen während der Phase des Umzugs und der Inbetriebnahme viel Stress und Überstunden zugemutet worden waren, fühlen sich im neuen Gebäude sehr wohl. „Die Stimmung ist gut“, freut sich auch Eckehard Vatter.


Artikel vom 25.01.2010
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