Fachthema

Mobil mit Koffer oder Kasten

Ob klassische Verkaufstour oder Eventbacken mit dem mobilen Holzofen: Der Weg hin zum Kunden vor Ort verspricht gute Geschäfte


Von Ulrike Hoffmeister

Jeder vierte Bäcker nutzt die Chancen des mobilen Verkaufs. So das Ergebnis einer regionalen Studie in Sachsen, die sich mit dem Thema Nahversorgung befasste. Es gibt viele gute Gründe, diesen Vertriebsweg zu wählen. Ein Grund für die gute Perspektive im Tourengeschäft ist allein schon die demografische Entwicklung: Senioren nutzen den Lieferservice gerne, weil sie dann selbst nicht zum Bäcker fahren bzw. gehen müssen. Um erfolgreich in das Geschäft einzusteigen, gilt es das richtige Verkaufsfahrzeug zu kaufen. Bei der Wahl spielt nicht nur die gewünschte Verwendung – ob als Marktstand- oder Tourenwagen – eine Rolle: Auch der Innenausstattung gebührt besondere Beachtung, denn sie bestimmt über eine gelungene Warenpräsentation und muss gleichzeitig praktische Arbeitsabläufe ermöglichen.

Viel Platz bieten Koffer-Aufbauten. Basis ist ein Pritschenwagen ohne Ladefläche. Statt Pritsche wird ein Aufbau aus Kunststoff oder auch Aluminium hinter das Fahrerhaus (mit Durchgang) gesetzt. Großer Vorteil: viel Raum, Nachteil: Überhang zu den Seiten. Gamo und Borco-Höhns bieten diese Version beispielsweise an und verwenden Basisfahrzeuge von Fiat, Renault, Opel, Citroen oder natürlich auch von Mercedes Benz und versehen sie mit eigenen Tiefrahmengestellen und Aufbauten.

Einen anderen Weg gehen die sogenannten „Ausbauer“ wie Kohl + Sohn mit dem Kasten-Ausbau. Sie nutzen ein Serienfahrzeug, einen Transporter wie den Mercedes Sprinter zum Beispiel oder den Renault Master. Der Innenraum wird – ähnlich wie beim Campingfahrzeug – ausgebaut. Vom Serientransporter unterscheiden sich die Fahrzeuge durch die Verkaufsklappe an der rechten Fahrzeugseite und bei hochwertigen Ausbauten durch die komplette Isolierung des Verkaufsraumes. BSK beispielsweise baut den Mercedes Benz Sprinter und auch den VW Crafter zum Verkaufsfahrzeug um. Der Mercedes Sprinter ist der meistverkaufte Transporter und wegen seiner Solidität und Zuverlässigkeit bei hohen Kilometerleistungen geschätzt.

Ob Kasten-Ausbau oder Koffer-Aufbau ist zuerst eine Frage der Nutzungsart und der Wirtschaftlichkeit. Neben einigen Gemeinsamkeiten gibt es viele Unterschiede wie Fahreigenschaften und Verkaufshöhe zum Beispiel. Bedeutender Unterschied ist die Raumgeometrie. Ein aufgesetzter Koffer – gleich ob aus Aluminium oder Kunststoff – ist stets eckig. Der Koffer ist breiter als das Fahrzeug und schon aus diesem Grund geräumiger als die Transportervariante. Aber auch schwerer und etwas schwieriger zu fahren. Die Firmengruppe Georg Fischer baut ihre Kofferaufbauten bis zu 500 kg leichter als einige Mitbewerber, was die Wagen wendiger macht und sich nicht zuletzt positiv beim Spritverbrauch bemerkbar macht. Die Aluwände können zudem nach einem Unfall repariert werden – Haarrisse wie bei GFK-Aufbauten sind ausgeschlossen. Die eckige Form des Kofferaufbaus erleichtert den Innenausbau mit Serien-Modulen, ob beim Brotregal, der Theke oder einem Spülbecken. Die Hersteller können kostengünstige Standards verwenden. So stattet Gamo seine Verkaufsfahrzeuge bereits serienmäßig auch mit Kühltheke, Handwaschbecken mit Heißwasser aus und bietet darüber hinaus Fahrzeuge, die sich als Snackmobile oder rollende Filiale mit Ladenbackofen profilieren können.

Die größten Koffer-Verkaufsfahrzeuge weisen mit einem sieben Meter langem Kofferaufbau eine stattliche Verkaufsfläche auf. Standard sind Verkaufsraumlängen von knapp über drei Metern bis zu vier Metern. Wegen der Überbreite – Kofferaufbauten sind ca. 2,20 Meter breit, bieten die Fahrzeuge Raum für einen bequem breiten Gang. Auch zwei Verkäufer können gut nebeneinander arbeiten, ohne sich gegenseitig zu behindern.

Ausgebaute Kastenfahrzeuge nutzen hingegen den vom Hersteller im Serien-Transporter vorgegebenen Raum.

Das Geschick besteht darin, den vorgegebenen Raum optimal auszustatten, um viel Verkaufs- und Lagerfläche unterzubringen. Fischer und auch Gamo bauen sowohl Koffer- als auch Kastenwagen, bei den Kastenwagen fällt der Gang in der Regel enger aus. In der Länge der Verkaufsfläche sind die Unterschiede nicht groß. Der längste Mercedes Sprinter misst 4,70 Meter. Beim Transporter ist die konstruktionsbedingte Form des Laderaums – anders als beim eckigen Koffer – innen abgerundet. Ausbauten, die diese runde Form auffangen und nutzen, sind handwerklich aufwändiger herzustellen und deshalb in der Regel teurer als Serienmodule, die in den Kofferaufbauten eingesetzt werden.

Wichtig in jedem Verkaufsfahrzeug ist eine robuste und solide Inneneinrichtung. Angefangen mit einer multifunktionalen Arbeitsplatte mit integrierter Kassenschublade, über die Regale an der Rückwand bis hin zu technischen Geräten wie Kühlung, Ofen oder Bain-Maries.

Besonders Tourenfahrer wissen das aus Erfahrung: alles muss fest an seinem Platz bleiben – auch im Extremfall. Im Koffer und im Kasten: Regal, Tresen und Ablagen sind gewöhnlich auf 60 mal 40 Zentimeter große Normbleche ausgelegt.

Das Material der Ausbauten ist kunststoffbeschichtetes Holz oder man verwendet Faserplatten. Holz ist – genau wie im stationären Verkauf – aus hygienischen Gründen nicht zulässig. Die Tresen bestehen aus Sicherheitsglas und schlagfestem Kunststoffglas. Rahmen sind aus Edelstahl und Aluminium. BSK setzt im Brotregal herausnehmbare Alu-Rundstäbe ein und im Handelswarenregal herausnehmbare Glasvorsätze. Das erleichtert die Reinigung.

Ein Innenausbau ist immer dann leicht sauber zu halten, wenn er wenig Ecken und Kanten und viele Rundungen und Kehlen hat. Die Einhaltung der Hygieneverordnung nach DIN 10500 nehmen Fahrzeugbauer wie Kohl + Sohn zum Mindeststandard bei der Einrichtung und legen Wert auf eine darüber hinaus insgesamt reinigungsfreundliche Konstruktion aller Bereiche. Borco-Höhns testet gegenwärtig Flächenbelege, die antibakterielle und fungizide Eigenschaften haben.

Kasten wie Koffer können eine einteilige oder auch mehrteilige Verkaufsklappe haben. Sie wird möglichst tief angesetzt, um dem Kunden viel Präsentationsfläche zu zeigen. Die Mehrheit der Klappen wird nicht mehr manuell, sondern elektrisch bedient. In einigen Modellen, bei Gamo serienmäßig, gibt ein Warner akustischen Alarm, wenn der Verkäufer mit geöffneter Klappe anfährt. Das passiert nicht selten.

Die Verkaufshöhe, die Stehhöhe der Verkäufer, ist ein wichtiger Faktor. Ideal ist es, wenn sich Kunden und Verkäufer auf Augenhöhe begegnen. Das Verkaufsfahrzeug erreicht diesen Zustand natürlich nicht. Am tiefsten steht der Verkäufer im frontangetriebenen Koffer-Fahrzeug mit Tiefrahmen. Kofferaufbauten sind grundsätzlich niedriger als ausgebaute Kastenfahrzeuge.

Koffer-Fahrzeuge mit Vorderradantrieb sind dabei generell tiefer als heckangetriebene. Bei Fiat zum Beispiel ist die Verkaufshöhe rund 20 Zentimeter niedriger als bei heckangetriebenen Fahrzeugen.

Für die neue Generation des Sprinters bietet Mercedes alternativ eine Tiefrahmen-Variante an, die den Unterschied zum Fiat auf zwei Zentimeter schrumpfen lässt. Vorderradantrieb haben neben dem Fiat Ducato auch der Citroen Jumper, der Renault Master, Peugeot, Ford und Opel. Hinterradgetrieben ist neben dem Mercedes auch der VW Crafter. Vorteil des Heckantriebs: der Verschleiß bei Achsen und Lagern ist geringer wegen der günstigeren Gewichtsverteilung. Vorteil des Frontantriebes: meist geringeres Eigengewicht und damit höhere Nutzlast. Eine ordentliche Motorleistung und eine komfortable Reserve beim Gesamtgewicht zählen ebenfalls zu den Kaufkriterien. Bäcker, die ihr Programm zum Beispiel um Snacks und belegte Brötchen erweitern wollen, brauchen Gewichtsreserven für mehr Kühlung und die dazugehörige Energieversorgung. Schnellster Kasten ist der Mercedes Sprinter mit 160 PS, beliebt als flottes Kurierfahrzeug und auf der Linksspur aller Autobahnen zu Hause. Touren-Bäcker sieht man nicht auf der Autobahn, die fahren Landstraße. Der meistverkaufte Bäcker-Sprinter bei BSK beispielsweise hat 90 PS und drei Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Das entspricht einer Zuladung je nach Ausbau von 250 bis 550 Kilogramm.

Marktfahrzeuge mit langen Standzeiten und kurzen Fahrzeiten haben meist Zugriff auf Strom von außen. Tourenfahrzeuge mit kurzen Standzeiten und längeren Fahrzeiten müssen ohne externe Stromversorgung auskommen. Sie werden von einer oder mehreren Verbraucherbatterien versorgt. Die wird nachts aufgeladen und beim Fahren von der Lichtmaschine.

Stromverbraucher sind im Bäckermobil die Kühlung, die Warmwasserbereitung und die Innenbeleuchtung, gegebenenfalls auch Mikrowelle und Backofen. Klein und leistungsschwach sind Geräte aus dem Campingbereich. Für den harten Einsatz an der Verkaufsfront sind sie nicht ausgelegt. Die meisten Bäcker sind zurückhaltend im Einsatz von Öfen in Verkaufsmobilen. Gewöhnlich sind nur Kühltresen und Boiler für die Warmwasserzubereitung am Waschbecken gewünscht. Das ist in erster Linie ein Platzproblem, kann zum Gewichtsproblem werden und erfordert eigentlich immer Erweiterungen bei der Energieversorgung. Eine Lösung bietet Gamo mit einem gasbeheizten Ofen mit vier Etagen für 60x40er Normbleche: So lassen sich auch beim mobilen Verkauf mit dem unwiderstehliche Duft von frischen Brötchen Zusatzverkäufe generieren.

Mikrowelle, Backofen, Kaffeemaschine, Tiefkühlung – technisch ist alles machbar, aber diese Geräte werden nicht so häufig verlangt. Allerdings stellt sich die Frage, ob das Snack- und Kaffeegeschäft den Umsatz auch am Verkaufsmobil noch deutlich steigern kann: Gamo stattet seine Top-Mobile auf Wunsch mit Hochleistungs-Backofen, TK-Truhe und 230Volt-Kühltheke aus, um mit dem Snackgeschäft zusätzliche Umsätze zu erzielen. Zur Grundausstattung sollte aber auf jeden Fall eine Kühlung im Backmobil zählen. Borco-Höhns arbeitet mit Freikühltheken mit Lamellenverdampfern. Auch die werden von der Batterie und über den Stromwandler versorgt. Sechs bis 14 Stunden – in der Standardausführung acht Stunden – hält der Tresen die Temperatur konstant. Energiebevorratung ist der „Flaschenhals“ im mobilen Verkauf.

Koffer oder Kasten – beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile, die sich aber je nach Einsatzbestimmung unterschiedlich auswirken. Der Koffer ist wegen seiner eckigen Bauweise und seiner Modul-Lösungen im Innenausbau preisgünstiger; besonders, wenn er zudem auf dem Rahmen eines französischen oder italienischen Herstellers steht. Die günstigste Lösung freilich sind Verkaufsanhänger, bei Fischer serienmäßig mit feuerverzinkten Fahrgestellen und Zugeinrichtungen ausgestattet. Besonders im Marktgeschäft werden sie gerne verwendet, denn sie bieten viel Platz für das, was auf dem Markt gefragt ist: eine hervorragende Warenpräsentation und Platz für Aktionen. Apropos Aktion: Eine interessante Alternative für den Verkauf auf Märkten sind zudem Anhänger mit mobilen Holzbacköfen, die auf Wochenendmärkten mit dem Duft frischer Brote, traditioneller Blech- oder Flammkuchen Kunden anlocken.

Das Schaubacken mit einem Holzbackofen gleicht einer Reise in die „gute alte Zeit“ und schafft bei Kunden nicht nur Vertrauen, sondern weckt gleich auch nostalgische Erinnerungen. Diesen Effekt nimmt der urige Schäfer-Marktwagen mit integriertem Holzbackofen von Häussler im Design gleich auf: Mit seinem Aufbau, komplett aus hellem Holz und dem Dauer-Holzbackofen Debo, ist dieses Backmobil eine besonders attraktive Möglichkeit, um auf Märkten und Festen als mobiler Holzofen-Bäcker zu faszinieren. Häussler bietet für den professionellen Verkauf auf Märkten außerdem ein Pavillon, das sich mit jedem Backmobil kombinieren lässt. Fündig auf der Suche nach Holzbacköfen für den mobilen Einsatz wird man auch bei Werz aus Heidenheim. Die speziell für den Transport ausgerichteten Öfen verzichten auf eine große Speichermasse, da auch während des Backprozesses nachgeheizt werden kann. Der Werz Öko-Holzbackofen erreicht in einer Aufheizzeit von 90 Minuten bereits die Hitze, um Brote mit der typisch kräftigen Kruste backen zu können. Dem lukrativen Abverkauf knuspriger Brote und leckerer Flammkuchen steht nichts im Wege: Ein lohnendes Geschäft, da Markt- oder Veranstaltungsbesucher bereit sind, für eine besondere Qualität und das Erlebnis auch einen angemessenen Preis zu zahlen.


Artikel vom 20.08.2008
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