Erfolgskonzepte
Mit traditionellen Rezepten Zukunft meistern
Stefan Jeckstadt hat die Bäckerei seiner Chefin Christel Koppitz in der brandenburgischen Prignitz übernommen / Fahrverkauf als 2. Standbein
Quitzow (ec). Es war ein mutiger beruflicher Schritt, den Stefan Jeckstadt Anfang September unternommen hat. Er übernahm die Bäckerei von Christel Koppitz, die aus gesundheitlichen Gründen im Berufsleben etwas kürzer treten musste.
Damit hat der 26-jährige den Fortbestand des Unternehmens gesichert. 5 Arbeitsplätze blieben erhalten „und mit vereinten Kräften wollen wir versuchen, die Zukunft der Traditionsbäckerei wirtschaftlich zu meistern.“ Stefan Jeckstadt gibt sich allerdings keinen Illusionen hin, dass es ein einfacher Weg für alle sein wird.
Der Entschluss, sich selbstständig zu machen, war für den jungen Meister jedoch kein unüberlegter Sprung ins kalte Wasser. Die Bäckerei Koppitz ist für ihn schon seit seiner Lehre so etwas wie ein zweites Zuhause. Unter Udo Koppitz begann er seine Bäckerlaufbahn, „obwohl ich lieber Elektriker geworden wäre.“ Er hörte jedoch auf seinen Onkel, der einmal gesagt haben soll, „wo Wasser reingerührt wird, damit kann man Geld verdienen.“ Und so wurde Stefan Jeckstadt Bäcker. Meister Koppitz konnte den jungen Nachwuchs nur kurze Zeit auf seinem Ausbildungsweg begleiten. 13 Tage nach Lehrbeginn verstarb Udo Koppitz, der den Betrieb 1976 in zweiter Generation übernommen hatte.
Christel Koppitz besaß keinen Meistertitel und war somit nicht befähigt den Betrieb auf der vorhandenen Basis weiterzuführen. Mit Hilfe von Altmeister Willi Irgang gingen die Geschäfte aber weiter und auch Stefan Jeckstadt durfte seine Ausbildung fortsetzen. Während die Männer in der Backstube die Regie übernahmen stand die Chefin in der kleinen Landbäckerei hinter dem Verkaufstresen. 2005 sollte nun aber Schluss sein, eine ideale Lösung fand sich mit der Übernahme durch Stefan Jeckstadt.
Dieser hat sich ein klares Konzept für sein zukünftiges Berufsleben zurechtgelegt. „Den Fortbestand des Unternehmens sichern, Arbeitsplätze erhalten und erst einmal sehen, dass wir alle gemeinsam über die gerade schwierigen finanziellen Runden kommen.“ Der Name der vor 73 Jahren vom Schwiegervater Willy Koppitz gegründeten Bäckerei wurde beibehalten. Stefan Jeckstadt hat die Bäckerei nur gepachtet. „Über einen Kauf will ich jetzt noch nicht, aber vielleicht später einmal nachdenken.“ Aus dem Geschäftsleben hat sich Christel noch nicht zurückgezogen. Nach wie vor ist sie für den Verkauf zuständig. Wenn Entscheidungen zu treffen sind, hat allerdings der neue Inhaber das alleinige Sagen. „Ich möchte aber keinesfalls auf den fachlichen Rat meiner früheren Chefin verzichten.“
Investieren ja, aber in einem vertretbaren Rahmen, „mit dem man sich nicht allzu abhängig von den Banken macht“, lautet eine Devise von Stefan Jeckstadt. Das Handwerk soll auch in Zukunft aller Geschäftsbemühungen an oberster Stelle stehen. Alle Backwaren werden ausschließlich auf Natursauerteigbasis hergestellt. Mit eine wichtige Voraussetzung, damit der vorhandene Kundenstamm gesichert und weiter ausgebaut werden kann. Dazu sollen in Zukunft auch traditionelle Backverfahren gehören, die sich der junge Unternehmer aus alten Rezepturen wieder zusammenstellen will.
Gerade in einer ländlich geprägten Region wird es immer schwieriger die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens zu erhöhen oder zumindest auf einem vorhandenen Wert zu halten. „Die Großmärkte vor der Stadt machen uns sehr zu schaffen, ebenso die Discounter, die einfach zu viel anbieten und damit die Kunden natürlich auch im Backwarenbereich an sich binden. Da können wir nur mit unserem Argument des soliden Handwerks punkten und überzeugen.“
Mit einem Verkaufswagen sichert Stefan Jeckstadt einen Teil seiner Umsätze. In einem Umkreis von 20 Kilometer um den Produktionsstandort Quitzow werden die Backwaren von Haus zu Haus, aber auch auf Märkten verkauft. Mit einer Ausdehnung auf 30 Kilometer sollen weitere Ressourcen ausgeschöpft werden. „Eine schwierige Sache, da immer mehr Kollegen mit einem Verkaufswagen unterwegs sind.“ Trotzdem denkt der Jungunternehmer über die Anschaffung eines zweiten Verkaufswagens nach, der dann mit satten 37.000 Euro zu Buch schlägt. Ein zusätzlicher Arbeitsplatz würde damit geschaffen. An Ausbildung denkt Stefan Jeckstadt im Moment allerdings noch nicht. Der 2003 auf der Basis einer Ausnahmebewilligung erworbene Meistertitel berechtigt ihn zwar zur Ausbildung, „aber ich werde damit noch einige Zeit warten.“ Auch mit einer Filiale will er sich noch nicht so recht anfreunden, obwohl für ihn eine solche Idee nicht von der Hand zu weisen ist. Keinesfalls soll ein solches Geschäft aber im Vorraum eines Supermarktes angesiedelt werden.
In der Backstube ist Stefan Jeckstadt maschinell gut ausgestattet und hofft mit dem vorhandenen Potenzial noch einige Jahre arbeiten zu können. Alle notwendigen Dinge, darunter Gärraum und Froster sind vorhanden. Nur der aus dem Jahr 1977 stammende 4-Etagen-Backofen könnte in Zukunft Probleme machen. Er war einer der ersten Exemplare in der brandenburgischen Prignitz, der mit Öl betrieben wurde und bis heute auf dieser Basis beheizt wird.
Direkt nach der Übernahme hat Stefan Jeckstadt für den Wochenanfang eine Neuerung eingeführt. War die Bäckerei bis dahin montags geschlossen, können die Kunden nun bis 12 Uhr frische Backwaren einkaufen.
Ein schwieriges Thema, mit dem sich auch die Kollegen von Stefan Jeckstadt tagtäglich beschäftigen müssen, ist eine dem Unternehmen gerecht werdende Preisstruktur für alle angebotenen Waren. Gestiegene Rohstoffkosten, hohe Energiepreise und Lohnnebenkosten zwingen zu immer enger werdenden Kalkulationen. „Eine Anhebung der Verkaufspreise muss in einer Region mit einer Arbeitslosenquote von mehr als 20 Prozent mit sehr viel Fingerspitzengefühl vorgenommen werden.“ Für Stefan Jeckstadt steht aber außer Zweifel, „dass ich um eine teilweise Erhöhung einiger Preise auf Dauer nicht herum kommen werde.“
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