Unternehmensführung

Mit langfristiger Strategie Kosten minimieren

Energiespar-Tagung der Verbände Baden und Württemberg: Gesamtkonzept zur Energiekostenreduzierung für Backöfen und Kälteanlagen wichtig


Pforzheim (dk). Zwar zeigen selbst einfache Maßnahmen ihre Wirkung, aber um effektiv Energie zu sparen, kommt man um ein durchgängiges, langfristig geplantes Konzept nicht herum – dies war das Fazit von Dipl. Ing. Jörg Knapp vom Fachverband Sanitär, Heizung, Klima (SHK) Baden-Württemberg im ersten Vortrag der Energiespar-Tagung.

Wenn man den Energieverbrauch einzelner Verbraucher und deren Anteil an den Gesamtkosten einer typischen Bäckerei betrachte, so seien die Bereiche Backen und Kühlen/Gefrieren die größten Energiefresser, wobei der Kostenanteil der Kälteerzeugung durch den Energieträger Strom verhältnismäßig hoch sei. Deshalb sollten die kurz- und langfristigen Maßnahmen zur Einsparung sich in erster Linie auf diese beiden Bereiche konzentrieren, so der Referent.

Leerlaufzeiten minimieren

Beim Backen werden nur 36 Prozent der eingesetzten Energie tatsächlich genutzt, die restlichen 64 Prozent verschwinden durch Abgas-, Oberflächen- und Schwadenverluste. Bei Leerlaufbetrieb des Backofens geht zwar durch die Oberflächenabstrahlung viel Energie verloren, aber über 40 Prozent auch durch das Abgas. Um Leerlaufbetrieb zu verhindern, sollte der Ofen so eingeschaltet werden, dass er erst zum geplanten Bedarfszeitpunkt mit optimaler Hitze zur Verfügung steht. Auch sollten die Öfen möglichst immer zu 100 Prozent ausgelastet sein. Die Belegung sollte so geplant werden, dass immer unter Volllast gebacken werden kann. Wenn dies nicht möglich ist, sollte lieber ein Ofen abgeschaltet werden und dabei auch noch die Restwärme zum Backen genutzt werden.

In die gleiche Richtung zielt der Tipp, den Betriebsablauf so zu organisieren, dass zuerst das Backgut mit den höheren Temperaturen in den Ofen kommt und dann das mit den niedrigeren. Somit wird eine gleichmäßigere Temperaturkurve des Ofens vorgegeben, an stelle eines dauernden auf und ab beim Heizen.

Schwadengabe beschränken

Die Schwadengabe sollte auf das nötige Maß beschränkt werden. Hierbei sollten beim händischen „Dampfen“ eingefahrene Gewohnheiten in Frage gestellt, bei Computerprogrammen die eingestellte Literzahl überprüft werden. Besonders bei letzterem wird die einmal eingestellte Menge immer wieder abgerufen, ohne dass sie vielleicht notwendig wäre. Hierdurch sind Einsparungen bis zu zehn Prozent möglich.

Reinigung der Brenner

Aber auch der gute Zustand der Brenner trägt dazu bei, Verluste zu minimieren. Durch das Ansaugen von staubhaltiger Luft wird die Verbrennung beeinträchtigt. Hier kann mit vierteljährlicher Reinigung und halbjährlicher Wartung viel erreicht werden. Die Reinigung der Filter und der Gehäuse könne der Bäcker selbst erledigen, die Wartung sollte er den Profis überlassen, so Dipl. Ing. Knapp. Wo der Bäcker noch selbst Hand anlegen könne, sei bei der Entkalkung der Schwadenapparate. Diese sollten regelmäßig nach Herstellerangaben vom Kalk befreit werden.

Weitere Einsparungen sind durch den Einbau einer Abgasklappe und durch die Abwärmenutzung von Abgas und Schwaden für Warmwasser und Heizung möglich. Weiter empfahl der Referent den Einsatz von Stufenbrennern, die Dämmung der Herdtüren und den Einsatz von Herdgruppensteuerungen. Bei der Erneuerung eines Backofens sollte innerhalb eines langfristig angelegten Einsparkonzepts über einen Energieträgerwechsel und über eine Prüfung des benötigten Spitzenbedarfs nachgedacht werden. Vor allem in Betrieben, die Elektroöfen im Einsatz haben, sollten diesen Energieträger in Frage stellen, denn Strom sei immer noch die teuerste Energie.

BHKW erzeugt viel Wärme

Den Einsatz von Blockheizkraftwerken (BHKW) sehe er mit gemischten Gefühlen, so der Referent. Diese Aggregate seien nur dort sinnvoll, wo Stromverträge mit hohen Spitzenleistungen bestehen und wenn damitder hohe Pegel gekappt werden kann. Denn beim Betrieb eines BHKW wird aus der eingesetzten Energie nur ein Viertel Strom, aber dreiviertel Wärme erzeugt. Und hier sollte genau überlegt werden, weil die entstehende Wärme ja weggebracht werden muss.

Auch für Heizungs- und Warmwasseranlagen gebe es Einsparpotenzial. Neben der regelmäßigen Wartung des Wärmeerzeugers sollten Kessel, die älter als 15 Jahre sind, ausgetauscht werden. Diese Investition ergäbe eine Einsparung von 10 bis 20 Prozent und werde noch verstärkt durch das Dämmen der Heizungs- und Warmwasserleitungen. Ist für die Warmwasserversorgung eine Zirkulationspumpe vorhanden, sollte diese durch einen Thermostat oder eine Zeitschaltuhr gesteuert werden. Weitere Einsparungen bringe die Begrenzung der Warmwassertemperatur auf 60 °C und das direkte Ansteuern von Warmwasserverbrauchern, wie Spül- und Waschmaschine, mit vorgewärmtem Wasser.

Kälte als Stromfresser

Der Einsatz von Kälteanlagen in der Bäckerei ist deshalb so kostenintensiv, weil der eingesetzte Energieträger Strom relativ teuer und der Wirkungsgrad durch die ungenutzt weggeführte Abwärme relativ nieder ist. Deshalb sollte sich der Bäcker beim Kauf von Kälteanlagen genau überlegen, für welche Zwecke die Anlage gebraucht wird und die Größe und Technik darauf abstimmen.

Als schnelle Kostensenker gelten nachfolgende organisatorische Maßnahmen. Wichtig ist die Einstellung der optimalen Kühl-/Gefriertemperatur, denn eine Temperaturanhebung um 1°C reduziert den Energieverbrauch um zirka 4 Prozent. So banal das klingen mag, die Türen sollten nur so oft wie nötig geöffnet werden. Hier ist die Unterweisung der Mitarbeiter entscheidend, „und wenn neben der Tür ein Schild angebracht wird: Türe schließen bei Verlassen“, so Knapp zur Praxis in der Bäckerei. Das gleiche gelte für das Abschalten der Beleuchtung bei Nichtbedarf.

Lamellen in die Türe

Eine Einsparung von bis zu zehn Prozent bringe die Verwendung von Kälteschutzvorhängen, die als Lamellen in die Türöffnung eingebaut werden. Auch sollte eine Teilbelegung der Kühlräume weitestgehend vermieden werden, um Leerlaufverluste zu verhindern. Viel bringe auch der Austausch von defekten Dichtungen, denn durch beschädigte Gummilippen ist ein Strommehrverbrauch von bis zu 40 Prozent durchaus möglich.

Offene Bereiche abdecken

Bei Kühlgeräten im Verkaufsraum sind die offenen Bereiche große Energiefresser. Hier können durch Nachrüstung mit durchsichtigen Plexiglasscheiben als Schiebe- oder Klappöffnung Kosten gespart werden. Wo dies nicht möglich ist, sollten die offenen Kühlbereiche wenigstens über Nacht abgedeckt werden. Weiter sollte geprüft werden, ob Kühlgeräte über Nacht abgeschaltet werden können. In diesem Zusammenhang muss aber auch auf hygienische Aspekte geachtet werden, da hier eine schnellere Verkeimung möglich ist.

Eine bessere Wärmeabstrahlung und dadurch einen geringeren Energieaufwand bewirkt die regelmäßige Reinigung der Kühlrippen am Verflüssiger. Dieser sollte möglichst in einem kühlen, staubfreien Raum aufgestellt sein. Hierbei gilt, dass eine Temperaturabsenkung der Umgebungsluft am Verflüssiger eine Einsparung von etwa vier Prozent erzielt. Deshalb sollte für gute Durchlüftung gesorgt werden. Die Nutzung der Abwärme am Verflüssiger sei laut Dipl. Ing. Jörg Knapp ab einer Kälteleistung von 10 kw sinnvoll. Diese kann über einen Zwischenspeicher zur Warmwasservorerwärmung genutzt werden.

Durchgängiges Gesamtkonzept

In seiner abschließenden Zusammenfassung machte Knapp deutlich, dass es wenig sinnvoll sei, beim Energiesparen nur einige wenige der genannten Punkte zu beachten. Wichtig sei ein durchgängiges Gesamtkonzept mit einer langfristigen Planung einschließlich der Gebäudeisolierung. Auch koste es deutlich mehr, an bestehenden Anlagen energiesparende Technik einzubauen. Deshalb sei es vor allem bei Neuanschaffungen sinnvoll, Backofen oder Kälteanlagen so zu kaufen, dass alle Möglichkeiten für die spätere Energiespar-Nachrüstung offen sind.


Artikel vom 06.04.2006
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