Reportage

Mit flotten Ideen auf der Erfolgsspur

Christian und Annette Körber haben aus einem schlechten Standort einen profitablen Betrieb gemacht / Laden jetzt neu gestaltet


Kaufbeuren (p). Die klassische Handwerksbäckerei ist in der Regel ein seit mehreren Generationen bestehender Familienbetrieb. Geschäftsneugründungen kommen in der Branche so gut wie nicht mehr vor. Eine der erfreulichen Ausnahmen findet man in der 40.000 Einwohner zählenden Stadt Kaufbeuren.

Seit 1998 steuern dort Christian und Annette Körber ihren eigenen Betrieb in erster Generation mit kleinen, aber beharrlichen Schritten auf der Erfolgsspur. Pünktlich zum 10-jährigen Betriebsjubiläum können die beiden ihren Kunden jetzt endlich auch eine neue Ladeneinrichtung präsentieren.

Dieses Beispiel macht Mut, meint denn auch Dieter Rothe von Keller Ladenbau. Junge Meister und Meisterfrauen sehen hier den Beweis, dass erfolgreiche Existenzgründungen im Bäckerhandwerk möglich und machbar sind. Echte Erfolgsaussichten haben nur jene, welche Ihr Ziel mit der bekannten Devise „Dieser Weg wird kein leichter sein“ angehen.

Ausgezeichnete Fachleute

Schon als Schüler wusste Christian Körber: „Ich will Bäcker werden.“ 1992 beendete er seine Lehre mit „Sehr gut“. Zahlreiche Fortbildungsmaßnahmen halfen, seinen beruflichen Horizont zu erweitern. Sein guter Ruf als Zuckerartist, Schokoladen- und Marzipankünstler war schon damals beachtlich. Die Meisterprüfung legte er 1997 als Schwabens Jahrgangsbester mit dem Bayerischen Staatspreis ab. Seine Frau ist Konditormeisterin und steht ihm in nichts nach. Sie war Beste im Meisterkurs der Region Stuttgart.

Abgewirtschafteter Standort

Das frischgebackene Meisterpaar bekam kurz darauf einen Standort für ein eigenes Geschäft angeboten. Ein schon vor Jahren wegen eines Todesfalles aufgegebener Bäckereibetrieb in einem kleinen Siedlungsgebiet am Rande der Stadt. In den Jahren dazwischen hatten drei verschiedene Betreiber versucht, die Bäckerei weiter zu führen. Vergeblich, alle Versuche scheiterten, der Laden stand damals bereits über ein Jahr leer. Ein trostloses Bild und wirklich nicht die allerbesten Voraussetzungen für eine Geschäftsgründung. Doch Christian Körber hat zugegriffen, den Pachtvertrag unterschrieben und im Jahr 1998 wurde das Geschäft als Bäckerei Körber wieder eröffnet.

Der Anfang war nicht leicht. Annette Körber erinnert sich: „Es gab da schon Momente, wo wir im Laden dringend auf Kunden warteten und uns gegenseitig Mut machen mussten.“

Großes Einzugsgebiet

Doch sehr schnell hat sich im Umfeld herumgesprochen, dass in der Bäckerei ein neuer Wind weht. Die Kundenzahl stieg langsam, aber stetig. Die beste Qualität sprach sich rasch herum. Schon lange wird das Getreide selbst vermahlen und mit Natursauerteig gearbeitet. Dass keine Fertigbackmischungen verwendet werden, versteht sich von selbst. Inzwischen kommen viele Kunden von weit her. Für den guten Geschmack der vielfältigen und kreativen Produkte fahren manche Stammkunden speziell an den Wochenenden 20 km und mehr.

Ein weiterer dicker Pluspunkt, den die Körbers haben, liegt in ihrer natürlichen und offenen Art, auf die Menschen im Laden zuzugehen. Beinahe jeder Kunde kann inzwischen mit seinem Namen angesprochen werden. Persönlicher Kundenservice ist keine hohle Phrase, in Körbers Backstube wird er täglich praktiziert. Die Bäckerei funktioniert in mancher Hinsicht sogar als kleine Sozialstation, wo die Kunden auch mit persönlichen Dingen immer ein offenes Ohr finden.

Persönliche Kundenansprache

Offen geht man auch mit dem Wissen rund ums Backen um. Das Ehepaar Körber hat keine Scheu, ihren Kunden mit professionellen Rezepten, Tipps und Ratschlägen zu helfen. „Wir machen damit unsere Kunden zu Freunden“, sagt Christian Körber, „und Freunde kommen wieder.“ Gefestigt werden die Kundenbindungen nebenbei auch durch verschiedene Aktionen, die übers Jahr verteilt ablaufen. Mondscheinbäckerei, Adventsfenster, Tischfußballturnier, Spaghettiwettessen sind nur einige Stichworte aus dem reichhaltigen Repertoire. Höhepunkt in der Veranstaltungsreihe „Kundenbindung“ sind gemeinsame Ausflüge. Die letzte Tour führte nach Ulm, wo die Körbers ihren Kunden das Museum für Brotkultur zeigten.

Bei so viel Begeisterung und Liebe zum Beruf und zu den eigenen Produkten war es nur konsequent, dass die Körbers mit den Jahren ihren Platz in der Bäckerlandschaft der Region mehr und mehr festigen konnten. Fünf Jahre nach der Geschäftseröffnung kaufte Christian Körber schließlich den Betrieb und das Anwesen.

Renommee gefestigt

Doch schon stand ein weiteres Ziel vor Augen. Die Ladeneinrichtung war längst überfällig. Dem Umbau im Jahr 2007 war eine sorgfältige Planungsphase vorausgegangen. Zusammen mit Erwin Keller von Keller Ladeneinrichtungen wurde ein Konzept entwickelt, welches voll auf die Belange des Betriebes abgestimmt ist. Die neue Ladeneinrichtung passt zur Bäckerei Körber und das Umfeld. Genau wie bei den Backwaren stehen auch hier Material- und Verarbeitungsqualität im Vordergrund. Das Design unterstreicht die handwerkliche Tradition der Bäckerei. Der neue Laden ist eine ideale Bühne für die geschmackvollen und frischen Waren aus der Bäckerei und Konditorei. Die Warenpräsentation ist ansprechend, klar und strukturiert. Stil- und wertvolle Accessoires wie zum Beispiel ein limitierter Kunstdruck der Stadtansicht Kaufbeuren aus dem Jahr 1580 runden das Ambiente eindrucksvoll ab.

„Von nix kommt nix“

Alle Anstrengungen und Mühen mit der neuen Ladengestaltung haben sich voll ausgezahlt. Die Kunden honorieren das neue Geschäft, was nicht nur durch begeisterte Kundenaussagen, sondern eindeutig auch durch klare Zahlen belegt wird.

Leicht sind die ersten zehn Jahre nach der Geschäftsgründung nicht immer abgelaufen. Besonders am Anfang war außergewöhnlicher Einsatz nötig. Arbeitstage von 16 Stunden und mehr waren keine Seltenheit. „Von nix kommt nix“, so Christian Körber, „man muss im positiven Sinne schon etwas verrückt sein, um so was von Null weg auf die Beine zu stellen.“

Informationen:

Keller Ladenbau

Tel. 08375 8851


Artikel vom 09.06.2008
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