Reportage
Mit Snacks on Tour
Bäckermeister Waggershauser (Ravensburg) startete mit einem Frühstücks-Liefergeschäft / Inzwischen sind vier Snackmobile unterwegs
Von Hans Stumpf
In der Bäckerei von Hans-Peter Waggershauser in Ravensburg-Obereschbach wird handwerklich gearbeitet und das soll auch so bleiben. Das heißt aber nicht, dass man keine neuen Wege geht. Dies macht Waggershausen durchaus und sehr erfolgreich. Ein wichtiges Standbein der Bäckerei sind die Snackmobile, die Firmen in der Region mit Frühstück und Mittagstisch versorgen.
Inzwischen stehen der Bäckerei vier Verkaufsmobile zur Verfügung. „Der erste Kauf wurde wegen der räumlichen Nähe mit Gamo getätigt“, blickt Hans-Peter Waggershauser zurück. Die Nähe zum Gamo-Werk ist für ihn sicherlich ein Vorteil. „Gerade unsere ersten Gebrauchtfahrzeuge mussten öfters in die Werkstatt. Da ist es gut, wenn schnell ein Leihfahrzeug zur Verfügung steht.
Heute sind es vier Neufahrzeuge, die der Bäckerei gehören. Neben zwei großen Fiat Ducato mit Kofferaufbau, sind dies ein Opel Vivaro – ebenfalls mit Kofferaufbau – und ein Renault Master, bei dem das Verkaufmobil im serienmäßigen Kastenaufbau integriert ist. „Das Zugfahrzeug war uns eigentlich egal“, sagt Waggershauser ohne Umschweife. So habe er, als sich eine neue Tour anbot, den Opel gekauft, weil dieser schnell zur Verfügung stand.
Schnelles Snackgeschäft
Dagegen legt Hans-Peter Waggershauser viel Wert auf die Einrichtung der Verkaufsmobile. Die Fiat Ducato wurden deshalb gekauft, weil hier ein großer Verkaufsbereich zur Verfügung steht. „Ein Fahrzeug ist mit zwei Mitarbeiterinnen unterwegs. Da muss genügend Platz zum Verkaufen sein“, zeigt der Bäckermeister auf. Der Platz und eine sinnvolle Anordnung der Funktionsmöbel seien wichtig, um die Kunden schnell bedienen zu können. „Das erwarten die Kunden, da sie in der Pause nur wenig Zeit haben.“ Gleichzeitig werde so sichergestellt, dass die festen Tourenzeiten eingehalten werden.
Das Snackangebot hat sich zum rentablen Geschäft entwickelt, für das allerdings auch einiges getan werden muss. Hierzu kann Hans-Peter Waggershauser zwei Erfahrungen weiter geben: „Die Einstellung der Mitarbeiter muss stimmen und die Fahrzeugtechnik muss passen.“ So hat man begonnen, belegte Brötchen und heiße Würstchen aus den Verkaufsfahrzeugen heraus anzubieten. Die beiden großen Verkaufsmobile sind mit entsprechender Technik ausgestattet. In mit Gas beheizten Bain-Maries – Warmhaltegeräten mit Wasserbad – werden die warmen Snacks auf die Fahrt mitgenommen. In den beiden kleinen Fahrzeugen werden die Essen in Warmhalteboxen transportiert.
Doch bevor die Fahrzeuge auf Tour gehen, müssen sie erst einmal bestückt werden. „Wir bereiten soviel wie möglich vor“, zeigt Hans-Peter Waggershauser auf. Das geht sogar soweit, dass die Brötchen für die Wiener Würstchen bereits in der Backstube aufgeschnitten werden. „Immer mit dem Ziel, die Kunden so schnell wie möglich zu bedienen.“ Auch der gesamte weitere Betriebsablauf ist darauf ausgerichtet, dass die Fahrzeuge absolut pünktlich vom Hof fahren können.
Tour mit Mittagstisch
Sind die Verkaufsfahrzeuge vom Hof, beginnen die Vorbereitungen für die nächste Tour. „Ich kenne wenig Bäcker, die auch einen Mittagstisch über das Verkaufsmobil anbieten“, schmunzelt Hans-Peter Waggershauser. Für die zweite Tour fährt das erste Fahrzeug um 10.30 Uhr vom Hof. Diesmal vor allem mit Angeboten für den Mittagstisch.
Wurden für das Frühstücksgeschäft nur Wiener Würstchen und Fleischkäse-Brötchen warm angeboten, so ist das Angebot an warmen Speisen zur Mittagszeit größer. Geschnetzeltes ist zum Beispiel so ein Gericht. Typisch schwäbisch gehören meist auch Spätzle dazu. Gekocht wird dies alles in der Bäckerei. Die Zutaten, die nicht über die Bäko beziehbar sind, holt sich Bäckermeister Waggershauser im Großmarkt. Fleisch und Wurst werden von zwei regionalen Metzgern zugekauft, zumal im Laden des Stammhauses auch eine Wursttheke bestückt wird.
Die heißen Gerichte werden für die Verkaufsmobile in Gastronormbehältern umgefüllt und in den Bain-Maries verstaut. In den beiden kleinen Fahrzeugen werden die Gastronormbehälter in Warmhalteboxen gestellt. Draußen bei den Firmen erfolgt der Abverkauf mit Einweggeschirr. Jeweils zwei Gerichte stehen dabei täglich zur Auswahl.
Begonnen als Lückenfüller
Im mobilen Verkauf sah Hans-Peter Waggershauser 2003 eine Möglichkeit, die umsatzschwachen Tage zu stärken. Ausgestattet mit einem gebrauchten Transporter, belieferte er die erste Firma mit Frühstück. Das Risiko sah hier der Bäckermeister als gering an, da wenig investiert werden musste.
Trotzdem ist es nicht so einfach, wie man jetzt vermuten könnte. „Es ist keine Universallösung für jede Bäckerei“, warnt Waggershauser. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nennt der Bäckermeister als oberste Gebote im Frühstücksgeschäft mit Firmen. „Nur der Winter kann uns aufhalten“, sagt Waggershauser und auch nur dafür hätten die wartenden Mitarbeiter Verständnis.
Die beiden Filialen sind nur zwei bzw. fünf Kilometer vom Stammhaus entfernt. Mit den Back- und Snackmobilen geht es gegenwärtig bis maximal 15 Kilometer Fahrtstrecke von der Backstube weg. Nur so kann nach Meinung von Hans-Peter Waggershauser auch der wichtige Frischeaspekt transportiert werden.
Obwohl nur Firmen angefahren werden, sind die vier Gamo-Fahrzeuge nicht als reine Snackmobile unterwegs. „Der Backwarenumsatz ist nicht zweitrangig“, zeigt Waggershauser offen auf. So würden sowohl für das Frühstück Produkte aus der Backwarentheke und dem Brotregal gekauft, als auch zum Mitnehmen nach Hause. Gerade berufstätige Hausfrauen nutzen diesen Service.
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