Mobiles Handwerk
Mit Begeisterung im mobilen Verkauf aktiv
Die Bäckerei und Konditorei Görlitz in Neu Kaliß setzt auf den Vertrieb mit Verkaufsfahrzeugen / Spezialität sind individuelle Tortenkreationen

„Der Kunde will immer wieder überrascht werden“ – Bäckermeister Roland Görlitz hat immer mehrere Ideen gleichzeitig, die er möglichst alle zum Wohle seines Unternehmens umsetzen möchte. Fotos: Werth
Bäckerei ist eine Institution
Roland Görlitz? – die Frage wird in der Regel mit einem wohlwollenden Nicken bestätigt. Das ist unser Bäckermeister in der Schulstraße. Der gebürtige Neu Kalißer ist in seinem Heimatort eine Institution, zählt wie der Bürgermeister, die Feuerwehr und eben dem im ortansässigen Verein organisierten „närrischen Volk“ zum gern gesehenen dörflichen Umfeld. Dafür „spuckt“ er täglich aufs Neue voller Elan in die Hände. Görlitz steht nämlich meist um 3 Uhr morgens in seiner Backstube, um die ersten Vorbereitungen für den Arbeitstag zu treffen und seinen Backwaren den letzten Schliff zu geben.
Was dort geknetet und geformt wird, kann sich nicht nur sehen lassen. Frisches Brot mit Ballaststoffen und Jodsalz, das Riesenschrotbrot (ein dunkles Körnerbrot), auf Wunsch geschnitten, sind die Renner unter den vielen Produkten des Hauses. Und einfach nur lecker. Acht Kolleginnen und Kollegen der zusammen 18 Mitarbeiter starken Mannschaft helfen ihm in der Produktion. Die drei Frauen vom Verkaufsmobil, langjährige Mitarbeiterinnen mit zehn und mehr Jahren Betriebszugehörigkeit, kommen so gegen 6 Uhr, um die drei Mobilfahrzeuge zu bestücken. Ab etwa 7 Uhr morgens geht es dann „on the road“ auf schnellen Wegen in die Nachbarorte.
Von Verkaufswagenklappe zu Haustür wird das volle Sortiment angeboten und findet guten Zuspruch.
Festtagstorten sind Spezialität
Eine Besonderheit aus dem Hause Görlitz sind die hausgemachten und individuell gestalteten Tortenleckereien. Bis in die Region Hamburg ist der Ruf dieser Kunstwerke aus Biskuit, Sahne, Marzipan etc. mittlerweile vorgedrungen. An Spitzentagen werden schon mal 20 und mehr Torten hergestellt, mit Foto des Geburtstagskindes, einer speziellen Farbe, Verzierungen vom Lieblingshund oder in Herzform. Ein Blick auf die Umsatzstruktur zeigt den hohen Anteil des Konditorgeschäftes: Brote und Brötchen machen etwa 60 Prozent des „Kuchens“ aus, der Rest der Erlöse verteilt sich auf Feinbackwaren und Torten.
Mobiler Verkauf mit dem Trabi
Im Jahr 1997 hat Görlitz Junior die Geschäfte von seinem Vater übernommen. Der war damals gerade 60 Jahre (und mit 21 Jahren damals jüngster Meister seiner Branche), konnte ruhigen Gewissens an seinen Sohn weiterreichen und hilft heute immer mal wieder kurz aus, wenn beim Sohn Bedarf und bei ihm Muße ist und er nicht gerade auf Reisen weilt. Von seinem Vater kennt der junge Görlitz auch den mobilen Verkauf. Seinerzeit noch per selbst gebautem Holzanhänger und dem Trabi als „Zugpferd“.
Nach Meisterlehre in Schwerin und Neubrandenburg und einer Weiterbildung zum Konditor musste sich Görlitz noch einige Jahre im elterlichen Betrieb „freistrampeln“. Er sei immer wieder zu Schulungen, Seminaren etc. vom Vater geschickt worden. Was damals oft nervte, weis Görlitz heute umso mehr zu schätzen. Immer neue Ideen fließen in die Produktion, den Arbeitsablauf und die Verwaltung des Betriebes ein.
Motiviertes Verkaufsteam
„Ein Fahrzeug sollte pro Tag nicht mehr als etwa 80 km unterwegs sein“, gib Görlitz vor. Dann geht nach seiner Erfahrung die Kosten-Nutzen-Rechnung optimal auf. Von Dienstag bis Sonnabend kommt im Kreis Ludwigslust die Ware zum Kunden. Ein motiviertes Verkaufsteam und schicke, gepflegte Fahrzeuge sind laut Görlitz das beste Aushängeschild. „Unsere Mitarbeiter sind unser höchstes Gut“. Wie in jedem Betrieb gebe es auch mal Streitigkeiten und die Notwendigkeit eines „Machtwortes“. Doch schätzt er generell die hohe Identifikation und Selbstständigkeit seines Personals sehr.
Görlitz: „Kürzlich fielen wegen des Grippevirus zwei Fahrerinnen aus. Die haben dann intern ihren Ersatz gemanagt, so dass trotz vorliegender Krankmeldungen alles reibungslos im mobilen Verkaufsgeschäft weiter lief. Das hat mich wirklich begeistert.“
Damit das so bleibt, tut der Firmenchef einiges. Für besondere Verkaufsleistungen gibt es neben dem Grundgehalt und der erfolgsabhängigen Provision dann vom Chef auch schon mal eine kleine Sondervergütung. „Ist der Umsatz besonders zufrieden stellend, lassen wir unser Personal gerne daran teilhaben“, so Ehepaar Görlitz.
Fuhrpark ist stets gepflegt
Ideenreich ist Görlitz auch, wenn sein Verkaufsfahrzeug gegen ein neues vom Rotenburger Herstellerwerk Borco-Höhns getauscht wird. „Eine kleine Kiste mit Schnäppchen ist dann mit an Bord, die Kunden werden informiert und können mit uns anstoßen. Und die meisten tun das auch gerne, ohne neidisch zu sein.“
Sein Fuhrpark ist stets gepflegt und herausgeputzt. Da sei er pingelig. Alle Selbstfahrer sind in Absprache mit Hersteller Borco-Höhns äußerst benutzerfreundlich für das Verkaufspersonal ausgestattet. Neben der elektrischen Verkaufsklappe sind Annehmlichkeiten wie Sitzheizung oder ein Radio für Görlitz selbstverständlich. Im ständigen Wechsel werden etwa alle drei Jahre die Fahrzeuge durchgetauscht, so das keines länger wie 7 Jahre in Görlitzs Region zum Einsatz kommt. Ein Rhythmus, der sich bewährt habe, ebenso wie die soliden „Koffer“, „made by Borco“. Görlitz nutzt seinen direkten Draht zur örtlichen Nissan-Werkstatt für Wartungsarbeiten. Sollte mal ein Ersatzteil benötigt werden, habe er den direkten Draht zu Stefan Kontag, Chef der Reparaturabteilung bei Borco-Höhns. Per Telefon oder Mail bekomme er Tipps und Informationen, den Rest organisiere er selbst.
Bäcker-Workshop für Schüler
Der stellvertretende Obermeister der Bäckerinnung tanzt auf vielen Hochzeiten wie zum Beispiel als Vorsitzender der Prüfungskommission. Zum selbst ernannten Tag des Sauerteiges überraschte Görlitz die Neu Kalißer Lehrer mit seiner Idee, mit dem Teig und Produkten aus seiner Backstube eine Klasse zu besuchen und dort einen Bäcker-Workshop zu veranstalten. „Viele wussten gar nicht, was Sauerteig ist“, so Görlitz. Anlässe wie „der Tag des Butterbrotes“ nutzt Görlitz dazu, auf gesunde Ernährung, das Bäckerhandwerk und seinen Betrieb aufmerksam zu machen.
Auch betriebswirtschaftliche Begriffe wie Cash Flow oder Waren- und Logistikoptimierung sind für den Familienvater keine Fremdworte. Sein jüngstes Bestreben gilt einer Ausschreibung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin. Die lobt nämlich den Unternehmerpreis 2007 im Bereich Nahrungs- und Genussmittel aus.
Innovative und erfolgreiche Ideen und Firmenstrategien sollen unterstützt werden. Nachdem Görlitz schon einmal vor wenigen Jahren unter den ersten drei Preisträgern landete, erhofft er sich diesmal das Siegertreppchen. Wenn es nach der Entwicklung seiner Absatzkurve geht, ist er auf einem guten Weg.
Informationen zu Borco-Höhns:
Tel. (04261) 671-0
www.borco.de
Weitere Nachrichten aus Praxis vom 05.07.2007:
„Billig ist der falsche Weg“
Richtige Brot-Einheiten für Diabetiker
Kostenlose Aktionspakete
Im Zeichen des Butterbrots
„Beruf mit allen Sinnen“ vermarkten
Viele Laderaumvarianten
Erste Hilfe im Betrieb
Für besten Geschmack
Integrierte Versorgung gestartet
Brötchen mit Malzextrakt

RSS

Zur Bildergalerie "Backkongress 2011"