Unternehmensführung
Mentale Erfolgs-Ressourcen nutzbar machen
Kompetenztag des LIV Bayern: „Glückmachergespräche“ sorgen für neuen Schwung im Betrieb / Stress-Situationen sicher bewältigen

Der Referent führte der bayerischen Bäckerzunft vor, dass man in der „Laternen-Haltung“ positive Geschichten negativ wahrnimmt.
Mit Fragen wie: „Treiben sie Sport?“, Geht es ihnen gut?“, „Kennen sie ihre Leistungsgrenzen?“ bereitete LIV-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Filter das Publikum auf spannende – und entspannende – Seminarinhalte vor.
Positive Stimmung zulassen
Klaus Rempes Erfolgsprogramm will bisher ungenutzte mentale Erfolgs-Ressourcen intelligent nutzbar machen. Der Mentaltrainer forderte die Teilnehmer immer wieder zu Mitmach-Übungen auf. Am Beispiel der Körperhaltung machte er unterschiedliche Wahrnehmungsmöglichkeiten deutlich. So habe man mit der „Laternen-Haltung“ kaum Chancen, sich über etwas Positives zu freuen. Zum Beweis: Während die Teilnehmer mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern verweilten, schilderte der Coach einen traumhaften Aufenthalt in der Südsee – die meisten wollten danach aber nicht dort hin, denn ihre Haltung hatte keine positive Stimmung zugelassen.
Das Gegenbeispiel: Wer sich durch den „Punchingball“-Übung (man schlägt auf einen imaginären Ball oberhalb des Kopfes und lacht dabei) oder durch die „Griff“-Übung“ (man zieht sich lachend an imaginären Griffen hoch) gutstimmt, kann ein unangenehmes Gespräch oder Telefonat mit einem „Ko-Bro“ (Kotzbrocken) ohne größere emotionale Schwierigkeiten bewältigen.
Gradmesser für Erfolg
Auf Rempes Frage, woran Erfolg gemessen werde, kristallisierte sich heraus: Emotionen sind der Gradmesser dafür. Um sich positiv zu positionieren, braucht es oft eine Veränderung des Denkens. Denn mit der inneren Überzeugung liegt man auch in der Außenwirkung richtig – fühlt man sich sexy, dann ist man es (und umgekehrt)!
Diesen Umstand können die Bäcker auch für ihre Betriebe nutzen. Vor allem das Verkaufspersonal muss überzeugt von der Ware und von der Qualität der Dienstleistung am Kunden sein. Laut Rempe sind bei der „Kunden-Begegnung“ Ouvertüre und Finale (also Anfang und Schluss des Gespräches) am wichtigsten. Der Kunde merke sich, wenn er überraschend netter, menschlicher behandelt werde.
Das „FKK“-Prinzip
Der Mentaltrainer warnte aber davor, als Betriebsinhaber nun gleich ein Bündel Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen und einzufordern, sondern empfahl maximal zwei. Und: Sehr positiv wirkten sich vorbereitende „Glückmachergespräche“ im Betrieb aus.
Dabei gehe es darum, alle sechs Monate zu erfahren, was den einzelnen Mitarbeiter glücklich machen würde. Der große Vorteil laut Rempe: Als Chef erfahre man, was die Beschäftigten bewegt, wie man sie loben und motivieren oder auch deren Potentiale erkennen kann. Man müsse auch keine Angst haben, dass man nicht alle Wünsche erfüllen könne; über alles lasse sich reden.
Zur guten Teamarbeit gehört auch Rempes „FKK“-Prinzip: „F“ steht für sportliche Fairness. Denn als Chef müsse man immer kommunizieren, was man konkret möchte. Das „K“ steht für Klarheit. So müssen Anweisungen formuliert sein, denn: „Klarheit schafft Energie!“ Das zweite „K“ steht für Konsequenz: Für gute Arbeit müsse der Mitarbeiter Lob und Anerkennung erhalten, aber genauso sollte man Fehler ahnden. Spontan fügte der Referent noch ein weiteres „K“ zu seinem „FKK“-Prinzip an – für „Kümmerer“. So solle der Chef, auch wenn selbst im Stress, immer ansprechbar für seine Mitarbeiter bleiben und sich soweit möglich um ihre Bedürfnisse und Wünsche kümmern.
Apropos Stress: Nach dessen Bewältigung (und dem dadurch ausgelösten Adrenalin-Schub) erlebt man letztlich Freude bzw. Lebensfreude. Die Gefahr besteht laut Klaus Rempe darin, sich nur noch in Stresssituationen wiederzufinden, regelrecht zu „brennen“ und mit dem weit verbreiteten „Burn out“-Syndrom Bekanntschaft zu machen. Man ist „platt“, aber das Hormon Adrenalin puscht Energie, unterdrückt Durst, Hunger, Schmerz etc., denn man ist ja „auf der Flucht“. Kommt nach einer „Adrenalin-Küche“ gleich die nächste, ist „mentale Selbst-Verstümmelung“ mit Schlaflosigkeit, Schmerzsymptomen etc. vorprogrammiert. Um sie zu erkennen, ist die Beobachtung der Umwelt wichtig – und Urlaub, Erholung, bevor sich der Körper durch einen Herzinfarkt „erholt“.
Nicht selbst im Wege stehen
Zum Abschluss führte Rempe den Anwesenden noch einem Trick vor. Er fragte: „Kann man innerhalb von 45 Sekunden einen gewöhnlichen Strohhalm durch eine rohe Kartoffel stoßen, ohne weitere Hilfsmittel? Die Mehrzahl der Anwesenden sah sich nicht dazu in der Lage, aber der Motivator und drei Teilnehmer bewiesen, dass dies möglich ist. Er erinnerte so noch mal daran, dass es auf die Einstellung ankommt: Man könne nicht alles schaffen, aber doch vieles, wenn man sich nicht selbst im Wege stehe.
Um an diesen Seminartag anzuknüpfen, bekommen die Teilnehmer in Kürze „Impulsbriefe“ zugeschickt. Die sollen sie immer mal wieder an ein oder zwei Prinzipien erinnern, um diese bald zu Automatismen werden zu lassen.
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