Reportage

Mehr Komfort – weniger Stress

Die Bäckerei Steiskal, Kiel, setzt auf Mietkleidung für alle Mitarbeiter / Das einheitliche Auftreten zieht sich durch alle Abteilungen


Von Ulrike Hoffmeister

Der „Kasten“ ist knallrot. Schon von Weitem ist das flache, lange Gebäude durch seine auffällige Farbe zu erkennen. Wenn man sich nähert, ist der Schriftzug „Steiskal“ zu lesen. Er ist gelb. Gelb und Rot sind die Hausfarben der Bäckerei Steiskal in Kiel. Gelb und Rot sind das Logo, die Außenfassade des Betriebsgebäudes und die Berufskleidung der Mitarbeiter. Das Corporate Design durchzieht alle Unternehmensbereiche.

Das neue Betriebsgebäude ist ein flacher langer Kasten. Lange getönte Fensterfronten begleiten die Längsseiten. Von außen dunkel, von innen taghell liegt die Produktion mittendrin. Hier wird für 40 Filialen in und um Kiel gebacken. „Wir wollten einen Zweckbau, der offen und transparent ist“, sagt Eckhard Schütz. Offenheit gehört zur Unternehmensphilosophie. Fast täglich lassen sich Gruppen durch das Herz des Unternehmens führen. „Wir wollen zeigen, dass wir kein Industriebetrieb sind, sondern ein Handwerksbetrieb vor Ort“, sagt Eckhardt Schütz. „Das Schlüsselwort ist Authentizität. Wir wollen kein anonymer Nahrungsmittelkonzern werden“.

Über eine breite Stahltreppe führt der Weg in die große Produktionshalle. So fröhlich farbenfroh das Gebäude außen ist, so streng, klar und rein ist die Produktion: helle Bodenfliesen, stählerne Öfen und blanke Maschinen. Alles ist neu. Die Mitarbeiter-Kleidung passt sich farblich an: Bäckerhose, Schürze, weißes Polohemd. Der Produktionsleiter trägt eine weiße Jacke.

Jeder hat drei Garnituren

„Seit acht Jahren nutzen wir einen Berufsbekleidungs-Mietservice“, sagt Eckhardt Schütz. Wir hatten das freigestellt. Aber alle Mitarbeiter haben sich dann für Mitkleidung entschieden.“ Jeder Mitarbeiter hat drei Garnituren, die mit Namensschild gekennzeichnet sind. Eine wird getragen, eine zweite liegt im Schank, die dritte ist in der Reinigung. Hosen werden zwei Mal in der Woche gewechselt, Shirts und Vorbinder täglich.

„Seitdem wir den Mietservice nutzen, haben auch die Verkaufsleiter weniger Stress“, sagt Eckhardt Schütz. Die Kleidung sieht einheitlich gepflegt aus. Als die Mitarbeiter noch selbst dafür zuständig waren, gab es dann doch ab und an Diskussionen. „Der eine bügelte nicht gerne und gut. Der andere hatte es nicht so mit dem richtigen Waschen.“ Einen Nachteil hat aber auch Mitkleidung. Sie braucht Platz im Betrieb. DBL beliefert die Produktion und jede Filiale direkt und individuell. In einer Filiale steht ein Schrank, in dem die Wäsche hängend aufbewahrt wird. In anderen Filialen liegen Blusen und Hosen zusammengefaltet im Regalschrank. In der Herren-Umkleidekabine steht ein großer Metallbehälter, in dem die Wäsche gesammelt wird. Im Damen-Umkleideraum sind es Stoffsäcke.

Schuhe und Mützen sind im Privatbesitz der Mitarbeiter. Die Mützen würde Eckhardt Schütz auch gerne mieten. Das Problem: Es ist fast so schwer, einen Anbieter zu finden wie eine wirklich gute Mütze. „Diese hier“, sagt Eckhardt Schütz und nimmt seine vom Kopf, „hat einen festen Schirm. Nach drei Mal waschen franst sie aus und hängt wie eine Gardine vor dem Gesicht.“ Letzte Woche hat er ein anderes Modell getestet.

Am Ende der Produktion, hinter der letzten Reihe Backöfen, wird es bunt. Bis zur Decke stapeln sich rote und gelbe Kunststoffkästen. Rot gekleidet sind die Mitarbeiterinnen im Abwasch, in der Kommissionierung und die Fahrer. Rote Latzhosen, dazu eine rote Jeansjacke. „Die Kleidung muss robust und unempfindlich sein“, sagt Eckhardt Schütz. Im Winter ergänzen Westen die Garnitur. Auch die Latzhosen stammen aus dem DBL-Sortiment. „Zufall, dass die Farbe dem Steiskal-Rot entspricht“, sagt Schütz.

Seit acht Jahren im Einsatz

Im neuen Firmengebäude liegt auch ein Backhaus-Café. Frühstücks-Gäste können zusehen, wie die Bäcker arbeiten. An der Wand hängen großformatige Fotos, die Bäcker bei der Arbeit zeigen. Sie lachen, sie sind schwarz-weiß. In der Werbung arbeitet Steiskal mit starken Emotionen. Farben und Nicht-Farben werden sehr bewusst und gezielt eingesetzt.

Im Verkauf sind in 40 Filialen rund 270 Mitarbeiterinnen beschäftigt. Auch sie tragen rote Hosen, dazu gelbe Blusen. Die beiden Männer, die in den Filialen arbeiten, sind wie Bäcker gekleidet. Acht Jahre schon ist diese Kollektion im Einsatz. „Es wird Zeit für eine neue“, sagt Eckhardt Schütz. Nach den Jahren haben sich alle daran ein bisschen satt gesehen. Ein Gremium aus Filialleitern, Verkaufsleitern und Betriebsrat arbeitet schon an einer neuen. Die neue Berufskleidung wird eigens für Steiskal entworfen werden. Und die neue Kleidung wird allen gefallen. Das ist wichtig, denn wer seine Kleidung nicht mag, fühlt sich darin nicht wohl. Und das spürt der Kunde.


Artikel vom 06.08.2008
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