Marketing_Verkauf
Lob ist mehr als nur ein Wort
Die ersten Tage im Betrieb: Die neuen Auszubildenden wollen und müssen richtig geführt werden
Von Margit Winkler

Anerkennung und richtig geführte Kritik schon vom ersten Tag an motiviert und macht selbstbewusst, so wie bei Verkäufer-Azubi Matthias Kunzmann. Foto: Winkler Foto: Winkler
Neben dem Betrieb bildet bei der dualen Ausbildung die Schule eine wesentliche Rolle. Doch beide, Schule und Betrieb, haben eines gemeinsam: Das Berufsbildungsgesetz fordert in §14 Abs. 1 Nr. 5 den Erziehungsauftrag des Ausbilders: „Der Ausbildende hat dafür zu sorgen, dass der Auszubildende charakterlich gefördert sowie sittlich und körperlich nicht gefährdet wird.“ In den Betrieben, in denen die Mitarbeiter wie Familienangehörige im positiven Sinne des Wortes behandelt werden, wird der Erziehungsauftrag in aller Regel auch gelebt. Doch der Alltag holt uns alle immer wieder ein. Daher hier ein paar Tipps, um von Anfang an dafür zu sorgen, dass alles reibungslos klappen kann.
Den ersten Tag vorbereiten
Sicher macht es in Bäckereien kaum Sinn, über so genannte Einführungstage nachzudenken. Dies ist für mittlere und große Betriebe zweckmäßig. Diese Tage dienen dazu, dass Ängste der Azubis abgebaut werden und die Strukturen und Gepflogenheiten im Unternehmen von Anfang an kommuniziert werden.
Um gut vorbereitet zu sein, stellen einige Bäckereien persönliche Ordner für die Auszubildende zusammen. Darin befinden sich: Prospekte und Informationen der Bäckerei, Kontaktdaten, Aufstellung der Filialen, die Namen der Mitarbeiter, Geburtstagsliste, Auflistung der Ladenzeiten, Ausbildungsvertrag, Wichtiges zur Hygiene, Kleiderordnung, Platz für das Berichtsheft, evtl. Lehrplan für das erste Lehrjahr, falls vorhanden einen Blanko-Beurteilungsbogen und einen Urlaubsantrag. Alternativ bietet sich eine Liste der grundlegenden Informationen an. Alleine durch das Besprechen dieser Unterlagen wird der Azubi mit dem neuen Umfeld vertraut, Befürchtungen können schon gleich abgebaut werden und er erhält eine bessere Vorstellung von seinem neuen Alltag und den Erwartungen des Chefs.
Klarheit schafft Sicherheit
Ansprechpartner (Paten) festlegen, wenn Chef/in nicht vor Ort ist: Klarheit schafft Sicherheit. Und das brauchen die jungen Leute. Legen Sie fest, wer der Ansprechpartner für den Azubi ist, wenn Sie nicht vor Ort sind. Das ist für das gesamte Betriebsklima von Vorteil. Stimmen Sie sich mit der Person ab, der Sie diese Aufgabe übertragen.
Der junge Mensch braucht ständig eine Rückkopplung über seine Arbeit. Genau so wie er darauf angewiesen ist, Lob und Anerkennung zu erfahren, wird er sich an die Grenzen herantasten. Auszubildende wollen wissen, wie weit sie in einer bestimmten Situation gehen dürfen, was sie sich erlauben können, was nicht. Dabei helfen schon schlichte Signale wie Bestätigung oder Korrektur. Auf Bewertungen sollte unbedingt verzichtet werden.
Für das Gelingen der Entwicklung des Auszubildenden zum Gesellen oder zur Fachverkäuferin ist nicht nur die Wahl der richtigen Maßnahme von Bedeutung sondern auch die Art und Weise. Erfolgreiches Verhalten wird beibehalten, wenn es verstärkt wird, Fehlverhalten wird eher verändert, wenn es sanktioniert wird.
Unser Verhalten ist davon abhängig, mit welcher Konsequenz wir rechnen. Deshalb sollte das Verhalten von Chef oder Ausbilder eindeutig und entschieden sein.
Anerkennung motiviert
Eine Bestätigung für eine richtige Handlung ist minimal: „Das ist richtig so!“, „Das ist gut!“, ein „Danke“ oder „Prima“ reichen auch. Solche Bemerkungen werden ihre Wirkung nie verfehlen. Genauso reicht ein nonverbales Kopfnicken, Lächeln oder ein O.K. aus. Derartige Handhabungen sind meistens informell. Dagegen sollte Kritik und Tadel oder Anerkennung und Lob nicht nebenbei, sondern im geeigneten Rahmen stattfinden.
Vielleicht ist das der Grund, warum eine Anerkennung selten zu finden ist. Als Erklärung für die Zurückhaltung von Lob begegnen uns Sätze wie „Ich kann meine Auszubildende doch nicht wegen jeder Kleinigkeit loben“; „Für ihre Leistungen werden die bezahlt, warum noch zusätzlich anerkennen?“; „Solange ich nichts sage, ist alles in Ordnung, das wissen die.“ Wie viele Chancen zur Motivation und damit zur Leistungssteigerung werden täglich so vertan!
Richtig anerkennen heißt:
Aktuell anerkennen, im zeitlichen Zusammenhang zur Ursache.
Angemessen anerkennen, Übertreibungen werden als Ironie empfunden.
Den Grund für die Anerkennung präzise nennen.
Nicht nur Spitzenleistungen anerkennen, auch Versuche und Bestrebungen.
Auch die so genannten Schlüsselkompetenzen anerkennen, wie Freundlichkeit, Ausdauer, Hilfsbereitschaft.
Kritik ist nicht delegierbar
Niemand lässt sich gerne kritisieren. Aber auch die Umkehrung gilt: Niemand kritisiert gerne. Kritik ist für beide Seiten unangenehm. So entsteht ein Teufelskreis der Kritik, wenn der Auszubildende ein Fehlverhalten zeigt:
Der Ausbilder reagiert wortlos mit Abwendung: Der Auszubildende erlebt die Abwendung und verstärkt sein Fehlverhalten.
Der Ausbilder verstärkt seine Ablehnung, z.B. „schneidet“ er den Auszubildenden: Der Auszubildende begreift das Verhalten des Ausbilders nicht und verstärkt sein Fehlverhalten.
Kritik ist ein Teil der Führungsaufgabe und nicht delegierbar. Wer das Recht zur Kritik hat, hat auch die Pflicht dazu. Das „Glück der Selbstheilung“ stellt sich nur selten ein. Ohne Korrektur kommt es oft zu einer Verstärkung des Fehlverhaltens: ein Schrecken ohne Ende.
Selbstkontrolle
Wenn der Auszubildende für einzelne Aufgaben genaue Beschreibungen hat, kann er leichter darauf achten und so von Anfang an lernen.
Für den Verkauf hat man herausgefunden, dass es rund 10 Verhaltensweisen von Verkäuferinnen gibt, auf die der Kunde Wert legt. Für den Anfang reichen drei bis vier Merkmale aus, auf die der Auszubildende achten sollte. Am Besten geben Sie Ihrem Azubi eine kleine Liste. Diese Liste wird an einem nur für Verkäuferinnen und Auszubildenden einsehbaren Platz befestigt. Allein durch die Gegenwart der Liste kommt es zu einer Verhaltensanpassung. Zweitens sprechen Sie mit dem Auszubildenden konkret über die Erwartungen an die Arbeit und drittens können Sie damit sehr konkret loben und tadeln. So arbeiten Sie ständig an den Fähigkeiten des Auszubildenden. Wenn er eine Sache sehr gut beherrscht, streichen Sie diese einfach und ersetzen Sie durch eine weitere, neue Fähigkeit, die er jetzt umsetzen soll.
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