Unternehmensführung
Kreative Ideen bei der Personalsuche gefragt
Unternehmensführungstagung LIV Bayern: Marketingprofi Roland Albert: „18-Jährige Mitarbeiter sollten 17-jährige Azubis einstellen“

Die persönliche Entwicklung jedes Mitarbeiters sollte regelmäßig beobachtet werden – der positive/negative Trend sollte sich aufs Jahresgehalt durchschlagen, so Albert.
Diese „soft skills“ wie Sozialkompetenz, Teamgeist, Zuverlässigkeit oder logisches Denken werden immer wichtiger, sagt Roland Albert. Der fränkische Marketing- und Vertriebsprofi forderte bei der 14. Unternehmensführungstagung des LIV Bayern in Nürnberg ihre stärkere Beachtung schon bei Neueinstellungen: „Sie wollen doch keine grauen, stromlinienförmigen Mitarbeiter!“
Freizeitinteressen nachfragen
Aber wie blickt man hinter die Kulissen, wenn 90 Prozent der Aussagen in einem Vorstellungsgespräch „erstunken und erlogen“ (Albert) sind? Zum Beispiel so: „Schlagen Sie ein Gespräch nicht im Betrieb, sondern beim Bewerber daheim vor.“ Da sehe man das soziale Umfeld, aber auch das Maß an Ordnungs- und Sauberkeitssinn. Und wenn jemand ein solches Treffen ablehne, sei der Grund klar. Für Albert die wichtigste Frage an Job-Interessenten: „Was machen Sie in Ihrer Freizeit?“ Denn wer brauche einen einsamen Computerfreak oder Ikebana-Liebhaber? Wer ehrenamtlich in Verein oder Feuerwehr arbeite oder freiwillig einen Erste-Hilfe-Kurs besuche, sei richtig – das zeige Kommunikationsfähigkeit, Eigeninitiative, Verantwortungsgefühl.
Der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann stellte den 74 Teilnehmern der zweitägigen Veranstaltung auch die Frage: „Warum stellt immer der Chef die Leute ein?“ Ideal sei doch, wenn die 18-jährigen Mitarbeiter, die wissen, wie ein 17-Jähriger „tickt“, einen jungen Bewerber unter die Lupe nehmen. Das habe ein bekannter Bäcker vorgemacht. Ergebnis: „Fünf neue Auszubildende – und alle topp!“ Dabei stellten die begeisterten Lehrlings-Rekrutierer ihre Stellenausschreibung auf eine eigene Internet-Seite und legten Wert auf Online-Bewerbung. Der Grund: „Wer nicht mal daheim mit dem PC umgehen kann, den wollen wir hier nicht.“
Nachwuchs per Live-Casting
Ein anderes ebenso jugendgerechtes wie medienwirksames Beispiel der Nachwuchswerbung: Lehrlingsauswahl als Live-„Casting“ in Zusammenarbeit mit einem lokalen Radiosender. Dabei werden teils im Studio, teils im Betrieb Spielchen (Wettbacken) mit den Bewerbern absolviert und Interviews geführt. Laut Albert sorgen die Radiomoderatoren für den zugehörigen Spaß; der Betrieb könnte einen Tag der offenen Tür mit einbauen.
Ob all sowas nicht die Seriosität der eigenen Bäckerei in Zweifel ziehe, wurde gefragt. „Im Gegenteil“, betonte der Referent. Der Medienzuspruch sei gut fürs Image und bringe neuen Schwung; die traditionellen Werte seien nicht gefährdet. Außerdem: „Die jungen Leute, die wir brauchen, wachsen so auf!“
Regelmäßige Beurteilungen
Um „normale“, langweilige Bewerber abzuhalten, sollte man auch nicht scheuen, mal eine Stellenanzeige im Stil von „Chaotischer Chef sucht …“ zu schalten. Habe man gute Leute, sollte man diese mit Fortbildungs-Gutscheinen (Budget: 1 bis 2 Prozent vom Jahresumsatz) beispielsweise zum Betriebswirt des Handwerks motivieren und zu Führungskräften machen.
Zur Bestandsaufnahme, wie die persönliche Entwicklung verläuft, empfahl der Experte, regelmäßige Soll/Ist-Profile jedes Einzelnen zu erstellen. Kriterien sind dabei z.B. in der Produktion: Freundlichkeit, Fachliches Können/ Leistungen, Zuverlässigkeit/ Pünktlichkeit, Reklamationsbearbeitung, Arbeitstempo/ Schnelligkeit, Qualitätsbewusstsein/Kontrolle und das Verhalten untereinander. Vom positiven/negativen Trend (bestätigt in einem Orientierungsgespräch) würde er 10 Prozent des Jahresgehalts abhängig machen.
Zivilcourage fördern
Keine Angst übrigens vor gelegentlichem Widerspruch eines Mitarbeiters: Konfliktfähigkeit und Zivilcourage bezeichnete Albert mit als wichtigste „soft skills“. Die Leute bräuchten Führung, aber man könne sie ebenso mitentscheiden, miteinkaufen, mitdenken lassen – das steigere ihre Identifikation mit dem Betrieb und wecke Potenzial für die Zukunft.
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