Unternehmensführung

Konsequent und mit klaren Zielen handeln

BKV-Nord-Fachtagung über Betriebswirtschaft und Steuerrecht: Verstärkt auf Kostenreduzierung und Zukunftsstrategien setzen


Lübeck (uho). Zwei Themen bot der BKV-Nord auf seiner 8. betriebswirtschaftlichen Fachtagung an. Und beide drehten sich ums Geld. Über „Kampf den Kosten“ referierte Sigurt Jäger, Betriebsberater des Rheinischen Bäckerhandwerks. Herbert Voss, Steuerberater, informierte über Neues aus dem Steuerrecht.

Rohstoffe im Visier

„Mehr Umsatz, weniger Kosten, weniger Tilgung, weniger Eigenentnahme – das sind Ihre einzigen Möglichkeiten, Kosten einzusparen“, begann Sigurt Jäger sein Referat und lenkte auf den Rohstoffeinsatz. Der Betriebsvergleich 2004 aus Niedersachsen vom Steuerberatungsbüro Voss, Schnitger, Steenken, Bünger & Partner aus Oldenburg schlüsselt die Kosten auf. Ganz oben auf der Liste stehen, dass im Durchschnitt 13,56 Prozent der Rohstoffeinkäufe dem Weizenmehl gelten, 7,88 Prozent den Backfetten und 3,77 Prozent dem Käse für den Snackbereich. Die nächsten Plätze im Rohstoffranking: Fertigmehl Kuchen, Brotbackmittel, Brötchenbackmittel, Feinbackmitteln. „Beschäftigen Sie sich von A bis Z mit Ihren Rohstoffen“, riet Sigurt Jäger. „Erstellen Sie eine Liste mit sämtlichen in Ihrem Haus vorhandenen Rohstoffen und verhandeln sie über die Preise.“

„Fertigmehl, Fertigmischungen, das heißt, wir bieten auf breiter Front dasselbe. Damit wird es aber unglaublich einfach, etwas anders zu machen. Käse für Snacks an dritter Stelle bei den Rohstoffeinkäufen! Was machen wir da eigentlich?“, mahnte Sigurt Jäger.

Retourenkosten steuern

Jäger erinnerte daran, dass die Retourenkosten von den variablen Kosten abhängen. Sieben Prozent Retouren können so teuer sein wie 17 Prozent Retouren. Das ist abhängig von der Deckungsspanne der Produkte. „Retourenkosten können Sie steuern. Fragen Sie sich, welches Ihre kontaktstärksten Produkte sind. Bei den fünf besten Produkten müssen Sie Retouren haben. Die Sortimentsstruktur lässt sich durch Produktkalkulation und intelligente Präsentation beeinflussen.“

Überhaupt dürfe man das wichtigste Ziel nicht aus dem Blick verlieren. „Sagen Sie sich ‘Ich will wissen, warum meine Wareneinsatzquote so ist wie sie ist und wie ich sie günstig beeinflussen kann’.“

Wichtig: Preiswürdig sein

Ein ganz schwieriges Thema sind Preisnachlässe. Wer mit dem Instrument Preis spielt, der muss sich die Wirkung sehr genau ansehen. „Greifen Sie nicht so tief und machen Sie keine regelmäßigen Preisnachlässe“, riet Sigurd Jäger. Wer trotz Preisnachlass verdienen wolle, müsse oft unrealistische Umsatzsteigerungen erzielen. Das gilt umso mehr, je geringer die Deckungsspanne des Produktes ist. „Das Entscheidende ist nicht billig, sondern preiswürdig zu sein. Kunden sind bereit, für gute Backwaren auch Geld auszugeben. Liefern Sie Argumente.“

Kennzahlen und Personalkosten

Mit Kennzahlen muss man sich auch dann befassen, wenn man die Personalkosten analysieren will. Fuhrpark und Kommissionierung sollten zwischen vier und sechs Prozent vom Umsatz einer Filiale liegen. Bei größeren Entfernungen auch acht bis zehn. „Und fragen Sie sich, ob Ihr Personal richtig eingesetzt ist, prüfen Sie Tageszeiten und Stundenumsätze.“ Verkaufsschulungen versteht der Betriebsprüfer als Instrument, den Umsatz zu erhöhen und dadurch den Personalkostenanteil zu senken. Für Werbung wird viel Geld ausgegeben. „Überlegen Sie sich drei Gründe, warum der Kunde gerade bei Ihnen einkaufen soll,“ riet Jäger. „Und versuchen Sie, bessere Argumente zu finden als ‘Qualität, Service und Frische’, denn das sind Selbstverständlichkeit und kein besonderes Merkmal. Entwickeln Sie ein Motto und füllen Sie es mit Inhalt.“

Werbung in Anzeigenblättern hält Jäger für teuer wegen der hohe Streuverluste, stattdessen empfiehlt er aktive Pressearbeit.

Sparpotenzial ausloten

Auf unnötige Kosten überprüfen sollte jeder Betrieb auch seine Versicherungen, den Fuhrpark und die Verpackungen. Mieten seien manchmal verhandelbar. Sparpotenzial gäbe es auch bei den Nebenkosten wie Strom, Berufsbekleidung oder Wasser. Für nicht Kanal belastendes Trinkwasser könne man einen Befreiungsantrag von den Abwasserkosten stellen.

Kosten sparen ist die eine Seite. Nicht aus den Augen verlieren dürfe man dabei aber die Unternehmensstrategie. Dabei böten Betriebsvergleiche aus ERFA-Kreisen und Sparkassenberichte interessante Vergleichswerte.

Ein Erfolgsrezept sieht Jäger in einem hohen Backwarenanteil, weil er einfach zu bewirtschaften ist. Snacks hingegen sind personalintensiv. Lukrativ sind Marktgeschäfte, weil die Miete gering ist, das Sortiment eng, die Öffnungszeiten kurz, und dadurch der Personalkostenanteil relativ geringer. Ähnlich attraktiv sind Verkaufstouren über Land.

Interessant sind Mieten, die fünf Prozent vom Umsatz nicht übersteigen. Da müsse man die Vorkassenzonen und Center-Standorte ganz genau prüfen.

Filialtypen mit guten Renditen sind – erstens – Vorstadtgeschäfte mit geringer Miete. Zweitens: Geschäfte an Ausfallstraßen mit niedrigen Mieten. Dort sind auch Snacks im SB-Betrieb lukrativ, dazu gehört aber ein massiver Marktauftritt mit breiten Läden und gesamtem Cafébereich-Sortiment. Drittens: Full-Service-Bäckereien im ländlichen Bereich, die von 6 bis 19 Uhr durchgehend geöffnet sind.

Jägers Fazit: Viele Wege führen zum Erfolg, dabei müsse man stets ein klares Ziele haben und wirklich sehr konsequent handeln.

Der gläserne Steuerzahler

Einen ganzen Berg Papier gab Steuerberater Herbert Voss den Tagungsteilnehmern mit auf den Weg: „Aktuelles zum Steuerrecht“.

Seit dem 1.1.2005 gelten für die Altersversorgung wesentliche Neuerungen. „Und die sind so kompliziert, dass sie nach einem Beschäftigungsprogramm für Steuerberater aussehen“, urteilte Voss. Beispiel: Für die Besteuerung der Basisversorgung gilt eine Übergangsregelung, in der sich der Besteuerungsanteil von Jahr zu Jahr verändert. Unter Basisversorgung versteht der Gesetzgeber die Beiträge zu den gesetzlichen Rentenversicherungen und berufsständischen Vorsorgeeinrichtungen, die Rentenleistungen erbringen.

Mit Eigenkapital Schulden tilgen

Grundsätzlich empfiehlt Voss derzeit, Eigenkapital besser für die Schuldentilgung einzusetzen. „Sparen Sie im Monat 500 oder 1000 Euro auf einem eigenen Konto an und sprechen Sie mit Ihrer Bank über eine Kompensationvereinbarung“. Das angesparte Kapital wird dann mit dem Kredit verrechnet.

Eine Kapitallebensversicherung hält Voss für unattraktiv, weil die Renditen derzeit nicht stimmen. Kapital, das ins eigene Unternehmen gesteckt werde, erbringe deutlich bessere Renditen. Eine Risikolebensversicherung bleibe jedoch interessant zur Absicherung eines Kredits.

Eigenkapital zu schaffen, ist die wichtigste Aufgabe. Zum einen werden die Banken immer kritischer bei der Vergabe von Krediten. Zum anderen bekommen attraktive Unternehmen in absehbarer Zeit bessere Zinskonditionen als wirtschaftlich weniger gut abgesicherte.

„Seit dem 1. Juli 2005 haben wir den gläsernen Steuerpflichtigen“, warnte Voss. Seit diesem Datum sind Banken in Europa verpflichtet, Kontrollmitteilungen über Zinseinkünfte an die bundesdeutschen Behörden ausgeben. In vier Ländern kann alternativ eine 15-prozentige Zinsabschlagsteuer gewählt werden, die anonym abgeführt wird.

Seit 2002 hat die Finanzverwaltung das Recht, im Rahmen von steuerlichen Außenprüfungen, die per Datenverarbeitung erfasste Buchführung elektronisch zu prüfen. „Prüfen Sie ihre Kassengeschäfte“, riet Voss. Die Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren bleibt bestehen.

Welcher Umsatzsteuersatz gilt?

Ein strittiges Thema ist die unterschiedliche umsatzsteuerliche Behandlung von verzehrfertigen Speisen. 16 Prozent Umsatzsteuer gilt auf den Verzehr an Ort und Stelle, dem Restaurationsumsatz. Sonst greift der ermäßigte Steuersatz. Voss empfahl, den prozentualen Anteil zu ermitteln. Der müsse über einen Zeitraum von drei Monaten erfasst werden und gelte dann für fünf Jahre.


Artikel vom 06.07.2005
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