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Kochen vor den Augen der Kunden


Der Bäcker im Baumarkt ist in Fachkreisen hinlänglich bekannt, doch im erzgebirgischen Rodewisch wunderten sich vor rund fünf Jahren die Verbraucher erst einmal über diese neue Kombination in ihrer Stadt (7.700 Einwohner). Mittlerweile aber übt die Allianz eine spürbare Anziehungskraft zum Vorteil beider Partner aus. 270 bis 400 Kunden zählt die Stangengrüner Mühlenbäckerei AG heute täglich in ihrer Filiale im Baumarkt, wenige Kilometer vom Firmensitz entfernt. Zunächst war Unternehmenschef Volker Seifert davon ausgegangen, dass der Baumarkt nur ein Ort für das Imbiss- und Cafégeschäft sei, doch die Praxis belehrte ihn eines besseren. Backwaren- und Snackverkauf haben sich auf ein Verhältnis von 50 zu 50 Prozent eingepegelt.

Seit etwa einem Jahr hat die Baumarkt-Bäckerei-Filiale ein neues Outfit: Mit dem Umbau des Baumarktes erhielt sie einen Extra-Raum außen, am Baumarkt-Eingang. Damit steht ihr mehr Platz zur Verfügung und die Möglichkeit, bereits eine Stunde vor der Baumarkt-Öffnungszeit das Frühstücksgeschäft mitzunehmen. Neben einer geräumigen Kühltheke zur Snack-Präsentation und -Zubereitung steht auch eine große Bräter-Platte an vorderster Front im Geschäft. Großen Anteil am jetzigen Erscheinungsbild der Filiale hat der Ladenbauer ENS – Nestler Ladenbau – aus dem nahen Glauchau. Er hat die Ladenmöbel während des Umbaus des Baumarktes eingelagert und anschließend so umgebaut und ergänzt, dass sie optimal dem leicht veränderten Verkaufskonzept der Bäckerei entsprechen und lückenlos in den neuen Verkaufsraum passen.

Kombinationen kommen gut an

Zum Snackangebot gehören reich belegte Kleingebäcke, Überbackenes, Pizzen, heiße Würste von der deftigen Knacker bis zur zarten Wiener, Suppen, Vitamin-Salate und frisch Gebratenes. Dazu kann der Kunde unter verschiedenen Beilagen wählen: Brötchen, Spirelli, Kartoffelsalat oder Bratkartoffeln. Gerade die vielen Kombinationsmöglichkeiten nach individuellen Vorlieben kommen bei der Kundschaft gut an, wie Bezirks-Verkaufsleiterin Marina Billen berichtet. Deshalb werden auch belegte Brötchen auf Kundenwunsch vor aller Augen frisch zubereitet.

Auf engem Raum möglichst viel Umsatz zu erzielen, das ist das Bestreben des Unternehmenschefs Volker Seifert bei der Filial-Gestaltung. Bevorzugte Filialstandorte sind für ihn Verbrauchermärkte und Einkaufszentren, die jede Menge Kauflustige anziehen. Da liegt es nahe, so viel teuren Raum wie nur möglich direkt dem Verkauf zu widmen. Der Warenpräsentation gehört die Hauptaufmerksamkeit auch in der Filiale im Baumarkt. Die frische Zubereitung der Snacks zählt hier mit zur Warenpräsentation. Der Vorbereitungsraum im Hintergrund beansprucht nur wenige der zur Verfügung stehenden 50 Quadratmeter, beschränkt sich auf Kühltechnik, Herd und Spülmaschine. Bräter-Platte ist der Clou

Die Hälfte der Verkaufstheke gehört der Snackvorbereitung und -Präsentation. Auf einer gekühlten Fläche werden eine Auswahl belegter Gebäcke, Salate und zum Überbacken oder zur Erwärmung vorbereitete Snacks präsentiert, daneben steht ein großer gußeiserner Suppentopf mit hausgemachter Soljanka – dem Renner unter den Suppen. Ein Ladenofen, der auch zum Backen der meisten Kleingebäcke dient, sowie zwei Mikrowellen vervollständigen die Snack-Einrichtung. Auf der Theke hat das Verkaufspersonal außerdem Platz zum Belegen der Gebäcke und Herrichten der Portionen.

Der Clou allerdings ist die Bräter-Platte in der Theke. Schnitzel, Bratwurst oder Bratkartoffeln werden darauf vor den Augen der Kunden frisch zubereitet. „Ich habe mir diese Form der Zubereitung erst einmal bei anderen Kollegen angesehen“, erzählt Volker Seifert. „Ich finde es einfach super, wenn man als Kunde bei der Zubereitung seiner Mahlzeit zuschauen kann.“

Snacks werden selbst entwickelt

Für Verkauf und Imbiss-Zubereitung stehen vier Verkäuferinnen, die in zwei Schichten arbeiten, bereit. Erfahrungen bei der Speisenzubereitung haben sie größtenteils von zu Hause mitgebracht. Bei der Auswahl des Verkaufspersonals wird im Unternehmen laut Marina Billen vor allem Wert auf die richtige Ausstrahlung gelegt, weniger auf Qualifikation. Fit gemacht werden die neuen Verkäuferinnen durch die erfahrenen Kolleginnen und durch Schulungen im Unternehmen. Die Snackzubereitung erfolgt nach exakten Vorgaben, kreativen Ideen des Verkaufspersonals steht man ebenfalls aufgeschlossen gegenüber. In der bäckereieigenen Entwicklungsabteilung werden auch neue Snack-Ideen zur Produktionsreife geführt.

Vier Filialen mit Front-Cooking

Bäckereichef Volker Seifert zählt zu den erfolgreichsten Unternehmern der Branche. Er hat seit der Wende aus einem Kleinstbetrieb ein Unternehmen mit 72 Filialen (4 mit Front-Cooking) in einem Umkreis von zirka 120 km bis nach Bayern und einem Jahresumsatz von rund zwölf Millionen Euro aufgebaut.

Anbieter siehe Seite 15. (pöt)


Artikel vom 09.02.2006
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