Unternehmensführung
Klare Ziele sind die Grundlage seines Erfolges
Bäckermeister Jens Hennig setzt auf leistungsabhängigen Lohn und ein lückenloses Kontrollsystem / Produktivitätssteigerung und Umsatzzuwachs

Bäckermeister Jens Hennig hat in seinem Betrieb eine konsequent leistungsabhängige Entlohnung eingeführt und fährt damit gut.
Die Anfänge des Unternehmens liegen im Jahr 1913. Aus der kleinen Bäckerei der Kaiserzeit wurde mittlerweile ein Unternehmen, das allein am Produktionsstandort Pegau 60 Mitarbeiter beschäftigt. Rund 130 weitere sind in den 25 Filialen von Hennigs Bäckerei und den beiden Eiscafés tätig. Für das Jahr 2005 wurde ein Netto-Umsatz von 6,5 Mio. Euro angepeilt, per 30. Juni 2005 waren bereits 3,3 Mio. Euro eingenommen worden.
Voll auf lokale Werbung gesetzt
Die Stadt Pegau und damit auch Hennigs Bäckerei haben eine geographische Besonderheit: Südlich der Stadt Leipzig gelegen, befinden sich beide in der Nähe des „Drei-Länder-Ecks“ von Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. „Das hat für die werblichen Aktivitäten eine klare Konsequenz: Es gibt praktisch keine sinnvolle Möglichkeit, für unsere Produkte in einem überregionalen Rundfunksender oder einer überregionalen Zeitung zu werben“, erklärt Jens Hennig. „Aus diesem Grund müssen wir auf lokale Werbung setzen.“ Ergänzt wird diese durch Werbung per Lieferfahrzeug und in den eigenen Filialen. Das geschieht zum Beispiel mit Hilfe von Plakaten und Aushängen, aber auch durch den Einsatz eigener Bäckertüten.
Um so größere Bedeutung kommt einem einheitlichen optischen Auftritt der Bäckerei zu, um bei den Kunden einen klaren Wiedererkennungseffekt zu erzielen. In Zusammenarbeit mit einer örtlichen Werbeagentur wurde deshalb ein lustig dreinschauender Bäckerbursche entwickelt, der als Sympathieträger und Werbemotiv für Hennigs Bäckerei fungiert, „Henni“, so der Name des Burschen, verdankt seinen Namen einer Kundenbefragung. Unter dem Motto „Ihr Pegauer Frischebäcker“ kommt er mal auf einem Skateboard daher, tippelt mit einem Brot unter dem Arm über den Computerbildschirm und grüßt von den Lieferwagen des Unternehmens. Außerdem wirbt Henni für die Premiumprodukte von Hennigs Bäckerei.
Mit „Premium“ gegen „Billig“
Seinen Berufskollegen rät Bäckermeister Jens Hennig, sich vom Tagesgeschäft nicht völlig vereinnahmen zu lassen. „Wer Erfolg haben und sich mit seinem Unternehmen am Markt behaupten will, der kommt nicht umhin, klare Ziele zu formulieren und diese auch den Mitarbeitern deutlich zu machen“, betont er. „Für uns lauten diese Ziele: Wir wollen die Besten werden und uns mit Qualität, Kompetenz und Freundlichkeit von anderen Anbietern unterscheiden.“ Hennig sieht es als besonders wichtig an, durch Alleinstellungsmerkmale unverwechselbar zu werden. „Allein über den Preis kann ein Bäcker nicht im Wettbewerb bestehen. Billig backen können andere besser als wir“, sagt er. Die angestrebte Alleinstellung könne darin bestehen, eine spezielle Marktnische zu belegen oder, wie im Fall von Hennigs Bäckerei, durch Premiumprodukte dem ruinösen Preiskampf aus dem Weg zu gehen. Als weiteres Unterscheidungsmerkmal zu anderen Anbietern sieht Jens Hennig das erfolgreiche Eis- und Cafégeschäft.
Vorsicht lässt Hennig beim Liefergeschäft walten, „Viele meiner Kollegen fahren hier handfeste Verluste ein“, ist Hennig überzeugt. „Wer das vermeiden will, muss genau auf die Zahlen achten und im Zweifelsfall auf Umsatz verzichten.“ Aus diesem Grund hält Jens Hennig sich bei Ausschreibungen zurück und hat auch klare Regeln im Hinblick auf mögliche Preisnachlässe. „Maximal 23 Prozent Rabatt und zwei Prozent Skonto sind im Liefergeschäft drin, mehr gibt es nicht“, verdeutlicht er seine Grenze.
Mitarbeiter sind eingebunden
Hochgesteckte Unternehmensziele lassen sich nur erreichen, wenn die Mitarbeiter die Unternehmensphilosophie verstehen und konsequent unterstützen. Um das zu gewährleisten, setzt Jens Hennig in seinem Betrieb auf regelmäßige Schulungen und eine konsequent leistungsabhängige Entlohnung. Zu diesen Schulungen zählen „normale“ Weiterbildungen und Lehrgänge sowie der Austausch mit befreundeten Berufskollegen ebenso wie interne Veranstaltungen. So finden jährlich Arbeitsschutz- und Hygieneschulungen statt, einmal im Jahr gibt es zudem eine Betriebsversammlung für alle festangestellten Mitarbeiter. „Dabei spiele ich mit offenen Karten“, betont Jens Hennig. „Meine Leute erfahren, wo wir hinwollen und wo wir stehen. Dazu gehören auch ganz klare Umsatzzahlen.“ Zusätzliche Schulungen finden für alle Mitarbeiter halbjährlich auf Abteilungsebene statt, alle sechs Wochen werden gesonderte Veranstaltungen für die Filialleiter durchgeführt. Auf diese Weise werde erreicht, so Jens Hennig, dass aktuelle Informationen die Mitarbeiter in Produktion und Verkauf schnell und verlustfrei erreichen. „Und außerdem fühlt sich jeder Angehörige meines Betriebes ernst genommen, denn er wird nicht mit irgendwelchen Phrasen abgespeist, sondern erfährt genau, was Sache ist.“
„Zwei Fehler hat jeder frei“
Mit der leistungsabhängigen Entlohnung in Produktion und Verkauf hat Jens Hennig seit rund sieben Jahren gute Erfahrungen gemacht. Läuft es rund um die Backöfen gut, spüren das die in der Produktion tätigen Bäcker am Monatsende auf ihrem Gehaltskonto. Werden Fehler gemacht, ebenfalls. „Zwei Fehler hat jeder frei, kommen weitere hinzu, geht's an die Leistungsprämie“, erläutert Jens Hennig das Prinzip. Und: Prämien werden nur gezahlt, wenn ein Mitarbeiter auch tatsächlich Leistung bringt. Bei Fehlzeiten entfällt die Prämie. Das führte dazu, dass es in Hennigs Bäckerei praktisch keine „unerklärlichen Fälle“ von Unpässlichkeit über einen oder zwei Tage hinweg gibt. „Ist ein Mitarbeiter wirklich länger krank, finden wir auf alle Fälle eine für beide Seiten akzeptable Lösung“, so der Chef.
Dass dieses System funktioniert, verdeutlicht der Bäckermeister mit dem erreichten Produktivitätszuwachs. Als der leistungsabhängige Lohn vor sieben Jahren eingeführt wurde, produzierte jeder Mitarbeiter in der Backstube stündlich Waren im Wert von 112 DM. Mittlerweile liegt dieser Wert bei 98 Euro pro Stunde.
Lückenlose Kontrolle
Leistung muss sich auch im Verkauf lohnen. Das ist für Jens Hennig eine unumstößliche Tatsache. „Wenn's dort nicht läuft, steht die Produktion auf verlorenem Posten“, betont er. Aus diesem Grund werden die Verkäuferinnen am Umsatzzuwachs ihrer Filialen beteiligt. Exakt ein Zwölftel des innerhalb eines Jahr erzielten Umsatzwachstums der jeweiligen Filiale kommt unter den dort tätigen Mitarbeiterinnen zur Verteilung. Dabei werden auch diejenigen Frauen nicht vergessen, die in einer Filiale nur für einige Wochen ausgeholfen haben. „Das System ist transparent und für alle Mitarbeiter nachvollziehbar“, macht Jens Hennig deutlich.
Und es lohnt sich: Vierstellige Extra-Ausschüttungen an die Verkäuferinnen in guten Filialen sind keine Seltenheit. Testeinkäufe in Zusammenarbeit mit Berufskollegen und gänzlich Außenstehenden tragen dazu bei, weitere Reserven zu erschließen. Darüber hinaus sorgt ein Warenwirtschaftssystem in Hennigs Bäckerei dafür, dass Retouren lückenlos erfasst und abgerechnet werden. Wer hier nicht konsequent sei und die Kontrolle vernachlässige, öffne unehrlichem Verhalten Tür und Tor.
Die Kombination aus klarer Unternehmensphilosophie und leistungsabhängiger Entlohnung bleibt für Hennigs Bäckerei nicht ohne Konsequenzen – im positiven Sinne: Das Unternehmen erzielt jährlich ein zweistelliges Umsatzplus auf der bestehenden Filialfläche. Neue Filialen sorgen für zusätzlichen Zuwachs. Die Produktion am traditionellen Standort ist bis an ihre Grenzen ausgelastet. „Für uns gibt es daraus nur eine Konsequenz“, erklärt Jens Hennig. „Wir müssen bauen.“ Geplant sind 1200 Quadratmeter Produktionsfläche sowie Raum für Expedition und Verwaltung.
Weitere Nachrichten aus Praxis vom 12.01.2006:
Molke-Kwass versäuert Roggenbetontes
Süße Nashörner für Zoo
Überwachung im Paket
Öffnen auf Knopfdruck
Dekorativ und farbenfroh
Sicher beim Verarbeiten
Für Ernährungsbewusste
Langfristigen Erfolg schaffen
Schenkung wird steuerpflichtig
Kriterien bei Kreditvergabe

RSS

Zur Bildergalerie "Backkongress 2011"