Verkauf & Marketing

Im Frühjahr auf Brotdiät

Viele Gelegenheiten für Bäcker, Kunden zur gesunden Ernährung mit Brot zu beraten


Fett enthält je Gramm über neun Kalorien, Kohlenhydrate und Eiweiß jeweils gut vier. Eine fettreiche Kost ist meist eine kalorienreiche. Daraus ergibt sich die wichtigste Empfehlung beim Abnehmen: Fett zu sparen. Das gilt vor allem für versteckte Fette in Milchprodukten, Käse, Wurst, Knabbereien und Süßwaren.

Die Kohlenhydratlieferanten Brot, Reis, Nudeln dagegen sättigen, enthalten wenig Fett und viele lebensnotwendige Nährstoffe. Das gilt vor allem für Vollkornvarianten. Sie sind fester Bestandteil einer gesunden Ernährung – auch einer kalorienreduzierten und für die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit unentbehrlich. Übergewichtige Kunden, die berichten, mit weniger oder ganz ohne Brot besser abzunehmen, vergessen meist, dass sie gleichzeitig Butter, Wurst und Käse sparen.

Die Tücken des Knäckebrotes

Dem Trockenprodukt Knäckebrot haftet das Image eines leichten Lebensmittels an. Tatsächlich wiegt eine Scheibe nur etwa zehn Gramm und liefert rund 35 Kalorien. Um mehr auf dem Teller zu haben, ersetzen Abnehmwillige gerne eine Scheibe Brot durch zwei bis drei Scheiben Knäckebrot.

Die Brotkalorien verändern sich so kaum. Allerdings vergrößert sich durch den Tausch die Oberfläche, die es zu bestreichen und zu belegen gilt. Die Löcher und Rillen darauf erschweren es zusätzlich, Butter dünn zu streichen. Machen Sie Ihre Kunden darauf aufmerksam. Empfehlen Sie einen Teil der trockenen Scheiben mit Tomaten, Quark oder sehr magerem Schinken zu belegen und auf Streichfett zu verzichten.

Dickes Brot, dünner Belag

Rund 22 Kilogramm Käse isst jeder Deutsche pro Jahr. Wenig beliebt: fettarme Sorten. Der Grund ist, dass Fett die Rahmigkeit und den Geschmack von Käse verbessert. Quark, Harzer, Hüttenkäse lautet der magere Standard. Ergänzt wird er von Weich- und Schnittkäse, meist in der Dreiviertelfettstufe mit 30 Prozent Fett in Trockenmasse (i.Tr.). Das absolute, also das tatsächlich im Produkt enthaltene Fett beträgt hier zwischen 12 und 15 Prozent. Edamer, Gouda und Butterkäse mit 45 Prozent Fett i.Tr. enthalten bis zu 28 Prozent absolutes Fett. Eine durchschnittliche Portion von 35 Gramm bereichert eine Mahlzeit um rund neun Gramm Fett und 120 Kalorien. Das ist mehr als eine Scheibe Brot enthält.

Fettarme Wurst und Fleischwaren gibt es in großer Auswahl. Schinken, Bratenaufschnitt, Fleischsülzen zählen mit weniger als fünf Prozent Fett zu den sehr mageren Sorten. Gut doppelt so viel liefert Wurst mit Magerfleischeinlage wie Bierschinken. Wurst lässt sich dünner schneiden als Käse. Eine 25-Gramm-Portion Bierschinken, ausreichend für eine Scheibe Brot, liefert rund 45 Kalorien und drei Gramm Fett.

Empfehlen Sie abnehmwilligen Kunden, das Brot dick zu schneiden und dünn zu belegen. Saftiges Gemüse wie frische Tomaten, Paprikastreifen, Gurkenscheiben werten die Brotmahlzeit optisch und geschmacklich auf.

Kuchen erlaubt

In der energiereduzierten Mischkost gibt es keine Verbote. Gelegentlich etwas Luxus wie eine kleine Süßigkeit, ein Stück Kuchen, ein Glas Wein hebt die Stimmung, vermeidet Heißhunger und hilft beim Durchhalten. Der Kunde entscheidet selbst, ob er während des Abnehmens Kuchen essen möchte oder lieber Vollkornbrötchen. Verlangt er ein bestimmtes Stück Kuchen, verkaufen Sie es ihm freundlich(?) auch dann, wenn es sich um Buttercremetorte handelt und er sich vorher über sein Gewicht beklagt hat. Fragt er jedoch nach kalorienärmeren Backwaren, empfehlen Sie Obstkuchen mit Biskuit, Hefe- oder Mürbeteig, leichtes Hefegebäck, auch mit Quark, Pudding oder Obst, Baiser, Biskuitplätzchen oder -kuchen ohne Schokolade. Ungünstig sind Sahne- und Cremetorten, Rührkuchen, Nusskuchen, Fettgebackenes, Blätterteiggebäck, schokoladenreiche Varianten. Diät-Kuchen ist für Diabetiker hergestellt und nicht immer kalorienarm. Bitte beachten Sie die jeweilige Nährstoffanalyse.

Nicht jeder will abnehmen

Übergewicht gilt in unserer schlankheitsbetonten Gesellschaft als Makel, der beseitigt werden muss. Ungebeten hageln häufig gut gemeinte Diättipps und Belehrungen auf den Betroffenen nieder. Doch vielleicht ist er gerade beim Abnehmen? Oder er will gar nicht, weil er zu seinem Gewicht steht! Oder es ist für ihn der falsche Zeitpunkt!

Beraten Sie jeden übergewichtigen Kunden wie einen normalgewichtigen, bis er von sich aus das Thema Abnehmen anschneidet.

Hören Sie ihm zu und gehen Sie auf seine Fragen ein. Stellen Sie ihm das geeignete Sortiment vor und überlassen Sie ihm die Entscheidung. Nur so trägt er selbst die Verantwortung für seine Ernährung.


Artikel vom 27.04.2007
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