Reportage

Hygiene im Sekundentakt

Die Bäckerei Niehaves wäscht ihre Transportkisten mit einer Durchlaufwaschanlage von Kitzinger / Stündlich werden bis zu 600 Körbe gereinigt


Von Rainer Heck

Die westfälische Bäckerei Niehaves mit Sitz in Wickede entwickelte sich in den vergangenen drei Jahrzehnten aus einer kleiner Familienbäckerei zu einem Unternehmen mit 38 Filialen. In einem Umkreis von maximal 35 Kilometern rund um die Backstube werden die Backwaren verkauft. In der überwiegenden Zahl der Filialen sind Ladenverkauf und ein kleines Café mit gemütlichen Sitzplätzen kombiniert. 25 Sorten Brot und 15 Sorten Brötchen machen den Löwenanteil des Umsatzes aus. Feingebäcke und Snacks für den Verzehr vor Ort oder als Mitnahmeartikel runden das Sortiment ebenso ab wie der Verkauf von Kaffeespezialitäten.

Stark in der Region

Insgesamt sind 260 Mitarbeiter bei der Bäckerei Niehaves beschäftigt, davon zur Zeit elf Auszubildende. Die Inhaber, Hermann und Martin Niehaves, die den Familienbetrieb in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG führen, sehen sich als regionaler Anbieter, dessen Stärken in der Tradition ebenso liegen wie in der Entwicklung neuer Ideen rund um Brot und Kleingebäcke.

Zur Firmenphilosophie gehört auch das Engagement im sozialen Bereich. Getreu der Devise: „Aus der Region – für die Region“ werden nicht nur Kindergärten und Grundschulprojekte gefördert, besonders am Herzen liegt der Familie die Unterstützung von Projekten, die sich mit dem Umgang mit Lebensmitteln beschäftigen. Eigens hierzu wird ein Ernährungsberater engagiert, der in den Grundschulen und Kindergärten Kurse hält, in denen Kinder altersgerecht buchstäblich auf den Geschmack von traditionellen Backwaren gebracht werden.

Ausgezeichnetes Engagement

Nicht ohne Eigennutz, wie Hermann Niehaves gern zugibt. Denn wer als Kind ein gutes Bäckerfrühstück kennen und schätzen gelernt hat, bleibt der Bäckerei als Einkaufsstätte auch als junger Erwachsener treu. Bereits 1996 konnte die Familie Niehaves den Bundesehrenpreis vom damaligen Landwirtschaftsminister Borchert für ihr Engagement entgegen nehmen.

Während die Filialen möglichst nah beim Kunden „um die Ecke“ liegen, ist die Produktion in einem Industriegebiet in unmittelbarer Nähe zur Autobahn zu finden. In einer modernen Halle laufen alle Fäden von Backstube, Verwaltung und Distribution zusammen.

Der reibungslose Ablauf konnte beim Neubau und den bereits erfolgten Umbauten optimal konzipiert werden. Dabei kommt der Hygieneaspekt bereits bei der Anlieferung der leeren Transportkästen zum Tragen. Mehrere tausend Kisten in verschiedenen Formaten gilt es täglich zu reinigen und für die Kommissionierung der Ware schnellstens wieder bereit zu stellen.

Um diese Aufgabe im Sinne der Ökologie und Ökonomie meistern zu können, wurde vor zwei Jahren eine Kastenwaschanlage von Kitzinger installiert. „Wir haben lange nach der für uns passenden Anlage gesucht“, so Hermann Niehaves, „unter den zahlreichen Möglichkeiten überzeugte uns das Konzept von Kitzinger am besten.“

Waschen und trocknen

Besonders der robuste und einfach gegliederte Aufbau der Contino 600 Q gab den Ausschlag. An die Waschmaschine ist über einen 180 Grad Rollenumlauf der Trockner Contino 250 BS 2 angebaut, so dass die Kästen parallel zur Eingabe wieder entnommen und auf die Paletten gestapelt werden können. Die Stellfläche beträgt zwölf mal sechs Meter. Bedient wird die Kistenwäsche von zwei Personen, die 400 bis 600 Körbe pro Stunde reinigen und palettieren können. „Wir denken über eine automatische Be- und Entstapelung der Gebinde nach“, blicken die Brüder Niehaves in die Zukunft. Zwar ist die Kistenreinigung schon jetzt wesentlich schneller und wirtschaftlicher als zuvor, doch es geht um mehr. „Qualifizierte Fachkräfte hierfür einzusetzen, ist einerseits zu teuer, andere Mitarbeiter für eine monotone Tätigkeit zu finden, nicht einfach“, so die Erfahrung.

Lediglich die Umrüstung auf jeweils andere Kistengrößen wird auch künftig von Hand geschehen. Auch dies stellt jedoch keinen großen Zeitaufwand dar, zumal die Waschanlage so geplant wurde, dass die verwendeten Kistengrößen unkompliziert programmiert werden können. Gefordert ist die Reinigung von Körben und Dielen in verschiedenen Höhen sowie Kuchenblechen. Die Kosten-Nutzen-Analysen für das optimale System laufen noch. Faktoren wie Arbeitssicherheit und Ergebniskontrolle im Sinne der neuen EU-Hygienerichtlinien sind zu berücksichtigen, Fragen nach dem Energieaufwand ebenfalls. Von der Möglichkeit, die Maschinen in das Wärmerückgewinnungskonzept des Unternehmens einzubeziehen, bis zur Nutzung eines Pufferspeichers reichen die denkbaren Varianten. Herzstück wird dabei die vorhandene Maschine sein, die mit einem wirtschaftlichen Umgang mit Energie und Reinigungsmitteln glänzt. Auch sind die Grenzen der Auslastung noch nicht erreicht.

Kompetenter Service

Für Martin Niehaves, der neben dem Bäckerberuf auch eine technische Ausbildung absolvierte, sind die geringe Fehleranfälligkeit und die leichte Zugänglichkeit der beweglichen Teile ausschlaggebend für seine Begeisterung. Sehr zufrieden zeigt er sich mit dem Service: „Da ist immer ein kompetenter Ansprechpartner am Telefon, mitunter sogar der Inhaber selbst.“ Einen Stillstand, der den Lieferbetrieb hätte ins Stocken bringen können, gab es bisher nicht.

Die Bäckerei Niehaves selbst ist auf Wachstum programmiert. Dabei stehen neue Filialen ebenso zur Debatte wie die Übernahme von kleinen Bäckereien, die keinen Nachfolger haben. Zudem konnte seit sieben Jahren mit der Produktion von Tiefkühlteiglingen ein weiteres Standbein aufgebaut werden.

Konstante Erfolgsgeschichte

Die Erfolgsgeschichte der Bäckerei Niehaves begann vor genau 31 Jahren, als Hermann Niehaves senior und seine Frau Hannelore mit einer Bäckerei in Fröndenberg den Schritt in die Selbständigkeit wagten. Bereits ein Jahr später wurde die erste Filiale in Menden eröffnet, inzwischen sind es 38. Das Erfolgskonzept der Sortimentsausweitung auf Konditoreiprodukte und der Angliederung eines Cafés mit Sitzplätzen wurde hier erstmals umgesetzt.

Die weitere Expansion vollzog sich getreu dem Anspruch an Regionalität und Frische in einem Umkreis von 35 km. 1998 wurde das Einzelunternehmen in eine GmbH & Co. KG umgewandelt, Sohn Hermann Niehaves jr. wurde gemeinsam mit seinem Vater geschäftsführender Gesellschafter des Familienbetriebes. In diesem verlegte die Familie den Produktionsstandort in ein Industriegebiet nach Wickede, da die bisherigen Räumlichkeiten keine Ausweitung mehr erlaubten.

Vor zwei Jahren erhielt der Betrieb die Bio-Zertifizierung und investierte in ein modernes EDV-System. Warenwirtschaft, Kassen, Versand und Bäckereisoftware sind seither vernetzt und erlauben die optimale Transparenz des Unternehmens. Die Steuerung aller wesentlichen Funktionen können jetzt zentral vorgenommen und überwacht werden. Seit 2008 liegt die Verantwortung für das Unternehmen bei Martin und Hermann Niehaves als Geschäftsführer. Ein weiteres Wachstum ist programmiert, zumal die baulichen Gegebenheiten eine Ausdehnung der Produktion erlauben.


Artikel vom 19.08.2009
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