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Hier wird das Gesundheits- Bewusstsein bedient
Der Naturmarkt Dr. Engelmann in der City von Zwickau, einer sächsischen 100.000-Einwohner-Stadt an der Mulde, erfreut sich regen Besuchs: Ärzte aus der ganzen Stadt kaufen hier ein, aber auch deren Patienten,
fit aussehende Senioren und
junge Eltern oder einfach Neugierige.
Realisiert wurde die komplette Einrichtung von ENS-Ladenbau, einem handwerklichen Ausstatter aus dem nahen Glauchau, der über langjährige Erfahrungen in der Ausstattung von Bäckerei-Geschäften verfügt und schon mit besonders gelungenem Holz-Interieur und mancher Innovation („Brötchenkarussell“) auf sich aufmerksam machen konnte.
Einfach und zweckmäßig
„Das hätte sicher super toll ausgesehen: Das ganze Geschäft eingerichtet mit Naturholzmöbeln im Bauernstil. Doch wir haben bewusst darauf verzichtet und nur einen Teil der Ausstattung – die Backwarentheke und einige Regale – in Naturholz gestaltet. Daneben haben wir lieber die zweckmäßigen Warenträger eingesetzt, wie man sie in jedem normalen Einkaufsmarkt finden kann“, erläutert Dr. Bernd Engelmann, Inhaber des Naturmarktes Dr. Engelmann in Zwickau, das Einrichtungskonzept seines vor fünf Jahren eröffneten Geschäftes. Die bewusste Zurückhaltung hat einen wohlüberlegten Grund: „Damit wollten wir den Passanten eventuelle Schwellenängste nehmen, denn teure, stilechte Ausstattung suggeriert auch hohe Preise beim Angebot.“
In Dr. Engelmanns Naturmarkt wirkt und wirbt die Warenfülle für sich, jeder kann sich mit der verpackten Ware selbst bedienen und in Ruhe Preisvergleiche anstellen. Demnächst will der Geschäftsinhaber die Ladenausstattung von ENS modernisieren lassen.
Die Backwaren stehen im 160m² großen Naturmarkt im Blickpunkt. Wer eintritt oder nur durch eines der Schaufenster ins großzügige, hell erleuchtete Geschäft schaut, erspäht zuerst die vielfältigen rustikalen Brot- und Brötchensorten am Backwarenstand mit Bedienung sowie das Angebot an Blechkuchen und anderen süßen Gebäcken hinter der Glastheke. Backwaren machen etwa ein Fünftel des gesamten Naturmarkt-Umsatzes aus und werden an Ort und Stelle frisch gebacken. Rechts daneben gibt es Molkerei- und Wurstwaren in Kühlvitrinen, links fällt der Blick auf eine große Fülle Lebensmittel aus dem Bereich Bio-Vollwertkost in SB-Regalen. Im Naturmarkt Dr. Engelmann gibt es alles, was sich der gesundheitsbewusste Esser nur wünschen kann: Vom Bio-Joghurt bis zum Bio-Gemüse, von Vollkorn-Nudeln bis zu vegetarischen Brotaufstrichen, von exotischen Urgetreidekörnern bis zur Frischflockenmühle für den Haushalt, vom Bio-Wein bis zum Vollwert-Kochbuch.
Aus der Not wurde ein Geschäft Der promovierte Lebensmitteltechniker und Konditormeister Bernd Engelmann führte bis vor einem Jahr neben seinem Naturkost-Geschäft in Zwickau eine traditionsreiche Konditorei mit rund 20 Beschäftigten. Nebenbei unterrichtete er auch an der Berufsschule. Inzwischen hat er die Konditorei verpachtet. Gesundheitliche Probleme lösten bei ihm schon vor 15 Jahren nicht nur das Nachdenken über die eigene Ernährung aus, sondern auch den Wunsch, seine Mitmenschen von der Notwendigkeit einer gesunden Ernährungsweise zu überzeugen. Er stellte seinen Betrieb teilweise auf Vollwert-Bio-Backwaren um, wurde Schnitzer-Bäcker und Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und ähnlichen Organisationen, liest wissenschaftliche Publikationen zum Thema und hält Vorträge im Lions- und Rotary-Club, vor Kindergärtnerinnen oder Schulklassen. Gesunde Ernährung wurde für ihn zum wichtigsten Thema, das in ihm wahre Leidenschaft weckt.
Täglich verbringt Dr. Engelmann nun in seinem Naturmarkt einige Stunden, und wenn ein Kunde Fragen hat, gibt er gern sachkundige Auskunft. Zur Demonstration wurde auch ein Plakat mit übergroßem Getreidekorn und all seinen vitamin- und ballaststoffreichen Bestandteilen an die Wand gepinnt. Dr. Engelmann wurde zum gefragten Fachmann für Ernährungsangelegenheiten in der ganzen Stadt, und bei ihm kann man auch all das kaufen, was man für eine gesunde und trotzdem vielseitige Ernährung benötigt. Dabei können bei ihm auch Menschen mit besonderen Allergien wie Zöliakie ein reichhaltiges Angebot und daneben praktische Antworten auf Ernährungsfragen finden. Der 62-jährige hat aus der einstigen Not eine Tugend gemacht, daraus wurde eine Berufung und ein erfolgreiches Geschäft.
„In der Konditorei war für mich die gleichzeitige Herstellung von herkömmlichen Back- und Konditoreiwaren und Vollwert-Bio-Backwaren immer mit inneren Konflikten verbunden, denn wer sich für Bio entscheidet, sollte es eigentlich konsequent tun. Deshalb habe ich mich vor gut einem Jahr dazu entschlossen, die Konditorei abzugeben und nur noch Vollwert-Bio zu backen“, erzählt Engelmann. In der kleinen Backstube hinter dem Brotregal im Naturmarkt hat Bäckermeisterin Susanne Deinert ihr Reich. Frühmorgens sorgen Engelmann und sie für volle Regale und Körbe mit Brot und Brötchen. Anschließend ist die Bäckerin noch einen Gutteil des Tages mit der Herstellung von Nachschub und frischen Naschereien beschäftigt. Im Verkauf sind zwei weitere Mitarbeiterinnen beschäftigt.
Weizen wird in der Gesundheitsbäckerei von Dr. Engelmann überhaupt nicht verwendet, für Vollkorn-Landbrot und einfache Brötchen stellt Dinkel wegen seines geringeren allergenen Potenzials die bessere Alternative dar, so wie für viele der rund je 20 Brot- und Brötchensorten und 15 verschiedene Sorten Kuchen und Feingebäck. So wie Engelmann denken inzwischen viele Ernährungsbewusste. Außerdem kann der Kunde hier solche ausgesprochenen Spezialitäten wie Amaranthbrot (nach Schnitzer-Rezeptur) oder Essener Brot finden. Zu jeder Brotsorte gehört auch ein kleiner „Brotpass“, den die Kunden mitnehmen können, um sich noch nachhaltiger zu informieren. Brot und Brötchen machen rund 90 Prozent des Bäckerei-Umsatzes aus, aber selbst die Naschereien sollen noch einen hohen gesundheitlichen Nutzen bringen. Statt Rüben- oder Rohrzucker wird im Kuchen nur der weniger süße Honig verwendet.
Überzeugter Vollwert-Bäcker
Die „Auswüchse“ der gegenwärtigen Bio-Welle lehnt der Naturmarkt-Chef aber ab. Zu viel Zucker und ausgemahlenes Mehl finde sich auch in manchem Bioprodukt. Die Menschen würden es in gutem Glauben kaufen, sich gesund zu ernähren, dabei würden sie mit der Zeit davon ebenfalls krank, Gebrechen wie Alters-Diabetes, Herzprobleme usw. seien die Folgen.
Wenn schon Bio, dann muss es laut Engelmann auch um gesundheitlich besonders wertvolle Nahrungsmittel gehen, und er will den Kunden auch nur noch das verkaufen, was seiner Überzeugung nach wirklich gesund ist. Vor allem ballaststoffreiche Nahrung sei für die Gesundheit und das Wohlbefinden wichtig. Functional-Food-Produkte lehnt der Vollwert-Bäcker aber ebenfalls ab. Außerdem müsste er für Functional Food Vor- und Fertigmischungen verwenden. Doch die „Tütenbäckerei“ lehnt er ebenfalls ab. Die einzigen Backwaren, die er zum eigenen Sortiment hinzu kauft, sind glutenfreie Backwaren, weil da kein „Stäubchen“ glutenhaltiges Mehl rankommen dürfe.
Anbieter siehe Seite 16. (pöt)
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