Unternehmensfuehrung

Handwerker oder Unternehmer?

Wenn der Betrieb zukunftsorientiert gesteuert werden soll, gehört der Inhaber als Chef auf die Kommandobrücke


von Werner Bayer

Für die Führung von Betrieben gibt es keine allgemein gültigen Erfolgsrezepte nach dem Muster „Man nehme ...“ Gefragt sind vielmehr individuelle Lösungen: Der Chef muss seinen eigenen Erfolgsweg finden. Muss die individuelle Situation seiner Firma analysieren und auf dieser speziellen Basis eine individuelle Strategie erarbeiten, die dann mit individuellen Plänen zielorientiert und systematisch umgesetzt wird. Hier ist der Chef gefordert: als Visionär, als Stratege, als Richtungsweiser, als Koordinator, als Steuermann – kurz: als Führer.

Die Realität schaut leider ganz anders aus. Nur wenige Betriebehaben wirklich eine langfristige eigene Strategie, an der sich alle Entscheidungen und Aktivitäten ausrichten.

Häufiges Problem: Die Chefs sind nicht Führer, sondern Ausführer. Sie verschleißen sich in einer Vielfalt von Alltagstätigkeiten, verlieren dadurch den Überblick und vernachlässigen ihre zentralen Führungsaufgaben. Die Folge: Das Unternehmensschiff dümpelt orientierungslos und schwerfällig im Schlingerkurs vor sich hin.

Gerade Kleinstbetriebe kommen automatisch irgendwann an einen Punkt der Entscheidung. Beispiel: Bäcker Hans Fleißig macht sich mit einem kleinen Familienbetrieb selbstständig. Schnell sprechen sich seine Qualitäten herum. Die Kunden kommen denn auch immer zahlreicher, so dass er eine zusätzliche Mitarbeiterin für den Verkauf einstellen muss. Aus zwei werden schnell drei, dann vier, dann fünf ... – und aus dem Back-Handwerker Hans Fleißig wird ein Back-Unternehmer. Ein Chef also, der plötzlich zahlreiche andere verantwortliche Aufgaben bewältigen muss: organisieren, kalkulieren, motivieren, delegieren, koordinieren, kontrollieren.

Klare Entscheidung gefordert

Hier ist von Hans Fleißig rechtzeitig eine klare Entscheidung gefordert: Will er seinen Betrieb bewusst klein halten? Sieht er den Schwerpunkt seiner Tätigkeit darin, weiterhin selber in der Backstube handwerklich aktiv sein? Oder heißt sein Ziel Wachstum? Will er seinen Betrieb vergrößern, Einzugsbereich und Kundenkreis erweitern? Hat er also unternehmerischen Ehrgeiz?

Mit beiden Varianten kann er Kunden Nutzen bieten und persönliche Erfüllung finden. Wenn aber die Entscheidung für die Unternehmer-Variante ausfällt, bleibt Hans Fleißig keine Wahl: Er muss die unternehmerische Verantwortung annehmen, sich also intensiv um Führung, Steuerung und Entwicklung seines Betriebes kümmern.

Eigenen Erfolgsweg gehen

Es bestätigt sich immer wieder: Unternehmen sind dann erfolgreich, wenn sie ihren eigenen Weg gehen. Wer sich ständig nach anderen richtet, sich an Strategien, Handlungen, Preisen und Produkten anderer orientiert, der wird stets hinterherhinken und dort hinkommen, wo alle anderen auch landen.

Deshalb: Nehmen Sie Ihren Erfolg selbst in die Hand! Erarbeiten Sie sich eine eigene Strategie, basierend auf der „4A-Regel“ („anders als alle anderen“). Finden Sie die für Sie passende Nische, in der Sie Ihre einzigartigen Vorzüge und Stärken besonders gut zur Geltung bringen können. Und gehen Sie mit vorausschauender Planung selbstbewusst Ihren eigenen Weg!

Dieses Nachdenken über den eigenen Weg ist keine einmalige Aktion. Sehen Sie es als permanente Aufgabe und als Kern Ihrer Führungsverantwortung an:

Warum sollten Kunden ausgerechnet bei mir einkaufen wollen?

Warum sollten gute Frauen und Männer ausgerechnet in meinem Betrieb arbeiten wollen?

Patentrezept: Nutzen bieten

Wenn Sie sich mit diesen beiden Fragen beschäftigen, landen Sie automatisch beim zentralen Erfolgsfaktor unternehmerischen Handelns, quasi bei einem Patentrezept für menschenorientierte Betriebsführung: Welchen Nutzen biete ich meinen Kunden und Mitarbeitern, den andere nicht bieten? Was haben die Menschen davon, dass es unseren Betrieb gibt?

Auf den Antworten können Sie Ihre individuelle Firmenstrategie aufbauen, sie sind eine stabile Grundlage für alle Ihre Planungen, Entscheidungen und Aktivitäten.


Artikel vom 29.04.2008
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