Unternehmensführung
Geld nicht der einzige Leistungsanreiz
Fraunhofer-Studie zeigt: Auch der Wohlfühlfaktor im Betrieb ist wichtig für die Motivation
Stuttgart (rgb). Die Kasse muss beim Arbeitnehmer stimmen, will der Chef gute Leistungen von seinen Angestellten erwarten. Aber ebenso wichtig sind Wohlfühlfaktoren, die das Engagement der Mitarbeiter wecken. Eine Studie des Stuttgarter Fraunhofer Instituts für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO) hat ergeben, dass diese Anreize nicht unbedingt in barer Münze ausgezahlt werden müssen.
Wohlfühlfaktor einplanen
Nur für 21 Prozent der Mitarbeiter ist Geld allein ausschlaggebend, 61 Prozent schätzen ebenso immaterielle Gegenleistungen. Dazu zählen Weiterbildungsveranstaltungen, flexible Arbeitszeiten, Coaching-Angebote oder öffentliches Lob und Auszeichnungen. Das soziale Umfeld, die Akzeptanz des Mitarbeiters muss stimmen.
Human Resources nennen Wissenschaftler das Wissen und die Fähigkeiten der Mitarbeiter, die sie für die Arbeit preisgegeben, aber auch verstecken können.
Eine Verkäuferin kann korrekt und freundlich, aber auch freundlich und mit Engagement bedienen – diese Einstellung wird durch das Umfeld gefördert oder gebremst. Den Wohlfühlfaktor danken Angestellte mit entsprechendem Engagement. Eine Studie der Universität St. Gallen ergab, dass eigene Motivation und Selbstverwirklichung zu wesentlich effektiverer Arbeit führen als Pflichtbewusstsein.
Die Befragung von 2134 Mitarbeitern in 33 Unternehmen aller Branchen ergab jedoch, dass nur sechs Prozent diese idealen Arbeitsbedingungen genießen dürfen. Das amerikanische Marktforschungsinstitut Gallup veröffentlichte das erschreckende Ergebnis, dass 70 Prozent kaum Herzblut in ihre Arbeit stecken, und 20 Prozent gar kein Interesse an ihrer Arbeit haben.
Schlechte Streitkultur
Allen Betroffenen vorzuwerfen, sie hätten sich einen falschen Beruf ausgewählt, wäre wohl vermessen. Eher wird der deutschen harten Unternehmenskultur die Schuld gegeben, die Werte wie Macht, Verantwortung und Hierarchie vorherrschen lässt.
Zu viel Routine, Führung mit Angst oder eine schlechte Streitkultur wirken sich negativ auf die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und damit auf den Geschäftserfolg aus. „Wer nicht arbeitet, macht keine Fehler und wer keine Fehler macht, wird befördert”, drückt sich hier drin klassisch aus. Und auch die Erklärung „Der Chef hat es so angeordnet” zeugt von einer gewissen inneren Kündigung. Die Lösung liegt im wegschließen der Peitsche und im Anbieten des Zuckerbrotes.
Erfolgreiche Unternehmer haben Unternehmenskultur als einen strategischen Erfolgsfaktor erkannt. Auch wenn sich tatsächlich nur rund die Hälfte mit dem Thema intensiv beschäftigt. „Wer selbst nicht brennt, kann auch keine Mitarbeiter entflammen”, heißt das Zauberwort, wenn es nicht gelingt, Mitarbeiter auf Erfolgsfaktoren und Zielsetzungen der Firma einzuschwören. Die Bedeutung der Mitarbeitermotivation wurde zwar erkannt, aber sie wird nicht konsequent genug umgesetzt, wird den Chefs vorgeworfen.
Allein finanziell Anreize können die Motivation wenig fördern, denn auf dem Gehaltszettel sind diese Prämien nach Abzug aller Steuern und Abgaben kaum noch bemerkbar. Weil dies der Unternehmer nicht beeinflussen kann, braucht es andere Anreize, dass sich die Mitarbeiter den Kopf darüber zerbrechen, wie Arbeitsabläufe beispielsweise optimiert werden könnten. Insgesamt beziffern Wirtschaftswissenschaftler den Schaden, der durch mangelndes Engagement der Mitarbeiter entsteht, auf jährlich bis zu 260 Milliarden Euro.
Chef muss Ziele vorgeben
Wer als Chef keine Ziele setzt, kann von seinen Mitarbeitern nicht erwarten, dass sie die Segel mit dem Wind setzen, und viele Erfolge bleiben deshalb Zufallsprodukte als Eintagsfliegen. Umwälzend wären klare Zielvorgaben zu Jahresbeginn, die am Jahresende aber auch als erreicht oder als nicht erreicht definiert werden.
Vor dieser Transparenz schrecken weiterhin viele Unternehmer zurück, denn Erfolgsfaktoren wie Kundenzufriedenheit oder Innovationsstärke können manchmal von Mitarbeitern besser als vom Chef geschaffen werden. Aber dann stehen Machtgefüge und Hierarchien auf dem Spiel, an denen eigentlich niemand rütteln möchte.
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