Betriebsreportage

Frischer Butterkuchen zu eigenem Bier serviert

Die Bäckerei Lang in Bayreuth betreibt viermal im Jahr eine Buschenschänke / Vor kurzem wurde das 100 jährige Bestehen gefeiert


Bayreuth (pf). „Dies wäre durchaus der Stoff für eine Familiensaga“, sagt Manfred Lang mit ein bisschen Stolz im Unterton. In diesen Tagen kann die Bäckerei Lang in Bayreuth auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück blicken. Gebacken wird in der Jean-Paul-Straße 7 schon viel länger. 1764 bekam dort ein Bäcker das Backfeuerrecht. In fast 250 Jahren ist dort einiges passiert. Viele Höhen und Tiefen erlebten die Bäckerfamilien. Man gab jedoch nie auf. In dieses Bild passt dann auch, dass seit inzwischen elf Jahren wieder Beck´n Bier ausgeschenkt wird. Denn bis nach dem Krieg bestand in der Bäckerei Lang eine Gastwirtschaft, in der auch gebraut wurde. Der Vater von Manfred Lang legte den Schwerpunkt jedoch auf die Bäckerei und gab die Gastwirtschaft 1950 auf.

Vielseitiger Handwerker

Dass Manfred Lang handwerklich talentiert ist, dies gibt er gerne zu. Lang malt noch heute Bilder auf Marzipanplatten für Torten. „Fototorten haben doch nichts mit Handwerk zu tun“, gibt der Bäckermeister zu bedenken. Er schnitzt Modeln aus Kirsch- und Lindenholz selbst und bäckt Leckereien wie Gebildebrote, die man in einer Bäckerei üblicherweise heute nicht findet.

In die Lehre bei Manfred Lang – er übernahm 1974 den Betrieb – gingen seine Tochter Alexandra und auch Schwiegersohn Thomas Zimmer, der eigentlich Polizist werden sollte. Beide wussten von Anfang an, dass sie die Bäckerei weiterführen wollten und haben dann 2002 den Betrieb übernommen. Mit den neuen Chefs kam auch eine Siloanlage samt Computersteuerung in die Backstube.

Beck´n Bier und Buschenschenke

Auf die alte Lang‘sche Tradition der Bäckerei mit Gastwirtschaft besannen sich Tochter Alexandra Zimmer und ihr Mann Thomas, beide Bäckermeister mit vielen Auszeichnungen. Als Geschäftsidee entstand der Gedanke an das Beck´n Bier und eine Buschenschenke, in der dieses ausgeschenkt wird.

Die räumlichen Voraussetzungen waren gegeben. Das Sandsteinhaus in Bayreuth hat einen kleinen romantischen Innenhof, vor dem Haus besteht auch noch die Möglichkeit, Tische und Bänke aufzustellen. Zudem liegt die Bäckerei im Herzen der Stadt.

Mittlerweile konnten sich Alexandra und Thomas Zimmer ihre ersten Sporen als Unternehmer in der Buschenschänke schon verdienen. Das Bierbrauen und die Gastwirtschaft wird dazu von den beiden als rechtlich selbständiges Unternehmen geführt.

Viermal im Jahr hat die Buschenschänke jeweils eine Woche offen. Am 6. Januar sind Gäste und Kunden zum „Stärk antrinken“ in den Innenhof der Bäckerei geladen. Dort werden auch die Termine für die Buschenschänke veröffentlicht.

Gekocht wird in der Backstube

Im Mai, Juni, September und Oktober ist die Buschenschänke dann jeweils eine Woche von Samstag bis Samstag ab 17.00 Uhr geöffnet. Vor der Öffnung steht im Normalfall schon eine Traube von Menschen am Hoftor der Bäckerei Lang. Während der Woche ist bis 20.30 Uhr geöffnet; am Samstag bis 22.30 Uhr. „Donnerstag und Freitag haben wir zu“, sagt Thomas Zimmer, „da wir am nächsten Tag ja noch früher als sonst üblich aufstehen müssen.“

Die Familie Lang/Zimmer schafft es fast ganz allein, die Buschenschänke zu betreiben. Die Backstube wird dazu kurzerhand in eine Küche umfunktioniert, in der die Brotzeiten zubereitet werden. Für jede der vier Buschenschänken-Wochen gibt es einen neuen Speiseplan. Fest im Programm ist jedoch täglich um 19.30 Uhr frischer Butterkuchen aus dem Backofen, der verkauft wird „bis er alla is“.

Der Chef zapft selbst

Am Zapfhahn steht Thomas Zimmer, Alexandra und Tochter Jaqueline servieren das süffige Bier. „Das Rezept für das Bier stammt natürlich aus der Familie“, berichtet Manfred Lang. Unter dem Titel „Damenbier“ hatte sein Vater Konrad die Zutaten aufgeschrieben. Als „süßlich, leicht gehopft und lieblich“ bezeichnet Manfred Lang das Bier mit einem Alkoholgehalt von 5,5Prozent und einer Stammwürze von 11 Prozent.

Begeistert vom Damenbier

Gebraut wird das Beck´n Bier in einer Bayreuther Brauerei. Die Brauer waren anfangs skeptisch, ob dieses Bier überhaupt verkauft wird. Manfred Lang: „Wir wollten es trotzdem probieren. Hätten wir es nicht verkauft, hätten wir es halt verbacken.“

Doch die Resonanz – insbesondere auch der Frauen – war gigantisch. „Die saufen wie ...“, sagt Manfred Lang leicht süffisant und bricht den Satz an dieser Stelle ab. Gleichzeitig gibt er auch ein kleines Geheimnis preis und deutet den Bierabsatz an einem Abend an. „Eine gute Bierwirtschaft macht nicht so viel.“ Vielleicht liegt dies auch daran, weil das Bier naturtrüb und ungefiltert ist. „So bleiben viele Geschmacksstoffe im Bier.“

Künftig wird es sogar noch eine weitere Biersorte geben. Das „Jean Pauls Beck´n Bier“ wird die Maisel-Brauerei in Bayreuth für die Bäckerei Lang brauen und in 1-Liter-Flaschen abfüllen.

Auch in der Backstube sind die Weichen gestellt. Nach dem bestanden Fachabitur ist Jaqueline Zimmer die jüngste Mitarbeiterin in der Bäckerei und macht dort eine Ausbildung. Für die nächsten 100 Jahre ist also der Grundstein schon gelegt.


Artikel vom 26.10.2006
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