Aus- & Weiterbildung
Fortbildung in Sachen Backbranche gemacht
Gudrun und Falk Schellenberger machten eine besondere Urlaubsreise quer durch Deutschland: Bäckerkonzepte und -angebot im Visier

Bäckermeister Falk Schellenberger hat gut lachen – das FCE-Fanbrot mit Sesam und Mohn zählt inzwischen zu den umsatzstärksten Brotsorten seines Betriebes.
Das Bäckermeister-Ehepaar aus Aue, das es ansonsten in mediterrane Regionen an das Mittelmeer zieht, legte binnen zwölf Tagen mit seinem Pkw mehr als 2200 Kilometer auf deutschen Autobahnen und Straßen zurück. Ihre Rundreise, die sie aus dem Erzgebirge über den Südharz, das Moselgebiet und Köln bis nach Hamburg und Rostock führte, nutzten der 46-jährige Bäckermeister und die Verkaufschefin, die den vor genau 80 Jahren von Walter und Helene Schellenberger gegründeten Familienbetrieb seit nunmehr 20 Jahren in dritter Generation führen, zu ihrer fachlichen Weiterbildung. Aber auch die Erholung und Entspannung kamen dabei keineswegs zu kurz.
„Unser Anliegen war es, sowohl handwerkliche Bäckereien als auch die Backwaren-Angebote von Filialisten und in Supermärkten anzuschauen und daraus Rückschlüsse für die eigene Arbeit in Backstube und Verkauf zu ziehen – deshalb war diese Urlaubs- zugleich auch eine Weiterbildungsreise“, erläuterte Falk Schellenberger, der zumeist natürlich in der Backstube steht und dennoch den unmittelbaren Kontakt zu seinen Kunden sucht. „Und die Strapazen haben sich durchaus gelohnt, denn unter dem Strich können wir ohne jegliche Überheblichkeit sagen, dass wir Sachsen uns mit der Qualität unserer handwerklich hergestellten Erzeugnisse keineswegs verstecken müssen – ganz im Gegenteil.“
Unterschiedliche Kaufkraft
Doch dieser durchaus optimistisch stimmenden Erkenntnis folgt sogleich auch die Ernüchterung: Das Kaufverhalten der Verbraucher wird zwangsläufig von ihrer Kaufkraft bestimmt, über die die Kunden in der jeweiligen Region verfügen – bedingt durch den wirtschaftlichen Entwicklungsstand wie in Köln oder Hamburg oder durch einen boomenden Tourismus wie an der Ostsee. „Wir haben beobachtet, dass in diesen kaufkraftstärkeren Zentren kaum ein Kunde eine handwerkliche Bäckerei verlässt, ohne pro Einkauf mindestens zehn Euro auf den Ladentisch zu legen“, staunte Falk Schellenberger. „Wir in und um Aue, wo nach der Wende Zehntausende Arbeitsplätze weggebrochen sind und nach wie vor überdurchschnittlich viele Menschen arbeitslos und von staatlichen Zuwendungen abhängig sind, wären froh, wenn wir pro Kunde auch nur die Hälfte einnehmen würde. Gerade die Handwerksbetriebe auf dem strukturschwächeren Lande haben es deshalb um einiges schwerer als beispielsweise in den Tourismus-Hochburgen.“ Aufgrund dieses schwächeren wirtschaftlichen Umfeldes sei es den ländlichen Handwerksbetrieben in Ostdeutschland auch finanziell nicht möglich, ihre Ladeneinrichtungen alle acht oder zehn Jahre grundlegend zu erneuern.
Auf Alleinstellung setzen
Zudem konstatierte Falk Schellenberger ohne jegliche Überraschung, dass auch die Qualität der bei den Discountern angebotenen Brote und Brötchen keineswegs schlecht sei, und bestätigte damit entsprechende Untersuchungsergebnisse von Qualitätsprüfungen. Unter dem Strich bedeutet dies für den handwerklichen Bäckermeister, dass er in der Backstube zwar qualitativ hochwertige Backwaren herstellen kann, was allein jedoch keine Garantie für den wirtschaftlichen Erfolg seines Unternehmens gibt. „Die Produktion von guten Erzeugnissen ist inzwischen nicht einmal mehr die ‚halbe Miete’“, hat der Bäckermeister erkannt. „Vielmehr kommt es darauf an, dem Kunden an der Ladentheke diese hohe Qualität der möglichst regionaltypischen Erzeugnisse nahe zu bringen, ihren Mehrwert für die gesunde Ernährung zu erläutern und ihn so als Stammkunden an das Bäckerei-Fachgeschäft zu binden. Das gelingt umso besser, wenn der Verbraucher erkennt, dass es dieses spezielle Produkt eben nur in der Bäckerei Schellenberger gibt und sich dafür auch der weiteste Weg lohnt – dem Alleinstellungsmerkmal der handwerklichen Bäckereien wird künftig eine immer größere Bedeutung zukommen“, ist der Fachmann überzeugt und hat längst entsprechende Schlussfolgerungen für sein eigenes Unternehmen gezogen.
Das FC Aue-Fanbrot
Seit dem Rückzug der Wismut als Förderer des Fußballverbandes ist Falk Schellenberger wie viele andere mittelständische Unternehmer aus der Region auch als Kleinsponsor tätig und hat beispielsweise ein FCE-Fanbrot kreiert – ein dunkles Kornbrot, das mit eigenem Sauerteig hergestellt und mit Mohn und Sesam bestreut wird. Dazu gibt es eine speziell gestaltete Banderole und – natürlich – eine besondere Brottüte, die zum Saisonstart und zur Winterpause auf die Spieltermine der eigenen Mannschaft in der kommenden Halbserie hinweist. „So mancher Fußballfan hebt sich solch eine Brottüte auf und steckt sie in seinen Kalender oder an die Pinnwand, um ja kein Punktspiel zu versäumen“, weiß Falk Schellenberger aus vielen Gesprächen. Aus der Konditorei wird zudem eine spezielle „Fan-Schnitte“ angeboten – das ist eine Sahneschnitte mit Heidelbeeren und lila-weißer Sahne – eben in den Vereinsfarben. Zudem können die Fußballbegeisterten unter den Kunden zu Familienfeiern oder anderen Anlässen Fußballtorten in den Farben lila-weiß und anderes mehr im „Vereins-Outfit“ bestellen. Darüber hinaus beliefert das Handwerksunternehmen die Imbissanbieter an den Heimspiel-Sonntagen mit frischen Brötchen á la Schellenberger.
Doch nicht nur der Fußball, sondern die ganze „Sportstadt Aue“ liegt Bäckermeister Falk Schellenberger sehr am Herzen. Aus diesem Grunde hat er sich für den 20. September, wenn das „Bäckerbingo“, das traditionelle gemeinsame Gewinnspiel des Landesinnungsverbandes Sachsen und des mdr 1 Radio Sachsen am Auer Forstweg Station macht, etwas Besonderes einfallen lassen: Als Gäste erwarten er und seine Kunden nicht nur den Doppel-Olympiasieger im Marathon Waldemar Czierpinski, sondern vor allem regionale Sportgrößen – vom FC Erzgebirge Aue ebenso wie vom Ringerverein und Handballclub, die in der 1. und 2. Bundesliga um Siege und Punkte kämpfen, sowie etliche Leichtathleten, die bei der Life-Übertragung im sächsischen Heimatsender die Sportstadt Aue gemeinsam ins rechte Licht rücken wollen.
Diese „sportliche“ Schiene will die Bäckerei Schellenberger in der Zukunft weiter ausbauen und damit die Kunden noch enger an den Handwerksbetrieb binden. Eine wichtige Aufgabe kommt dabei dem 22-jährigen Sohn Alexander zu, der eines Tages das Familienunternehmen in 4. Generation übernehmen könnte. Der junge Mann hat jetzt seine Konditorenlehre mit Bravour abgeschlossen, nachdem er vor zwei Jahren als junger Bäckergeselle den Landeswettbewerb in Sachsen gewonnen sowie am Bundesleistungswettbewerb und an den Europameisterschaften teilgenommen hatte. Im kommenden Januar startet der Filius übrigens seine Meisterausbildung an der Sächsischen Bäckerfachschule in Dresden-Helmsdorf.
Erkenntnisreiche Erholung
Doch trotz all dieser Überlegungen zum Stand und zur weiteren Entwicklung des eigenen Familienbetriebes haben sich Gudrun und Falk Schellenberger in ihrem diesjährigen „Urlaub“ dennoch ein wenig erholt. „Wir haben das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden und uns bei unserer Rundreise sowohl Fußballspiele als auch ein Musical angesehen“, erzählte der Bäckermeister abschließend. „In dieser Kombination von Weiterbildung und Entspannung sind diese zwölf Tage sehr viel erholsamer und interessanter gewesen, als wenn wird uns die ganze Zeit nur an den Strand gelegt hätten.“
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